Uznach

Spital Linth übernimmt Uzner Hausarztpraxis und erntet Kritik

Am 1. September übernimmt das Spital Linth die Uzner Hausarztpraxis von Hans Stocker. Ärzte in der Region kritisieren, dass durch die Übernahme ein Monopol entstehe und Hausärzte aus dem Markt gedrängt würden. Spitaldirektor Urs Graf sagt, er habe diese Herausforderung nicht gesucht.

In der Kritik: Dem Spital Linth wird vorgeworfen durch die Übernahme einer Hausarztpraxis ein Monopol zu schaffen, dass Hausärzte aus dem Markt dränge.

In der Kritik: Dem Spital Linth wird vorgeworfen durch die Übernahme einer Hausarztpraxis ein Monopol zu schaffen, dass Hausärzte aus dem Markt dränge.

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Nicht nur in Rapperswil-Jona streckt das Spital Linth seine Fühler aus und eröffnet eine «Physiodependance», sondern auch in Uznach. Hier übernimmt das Regionalspital per 1. September die Hausarztpraxis von Hans Stocker, der sich altershalber aus dem Berufsleben zurückzieht.

Die Übernahme, die einen Paradigmenwechsel einläutet, löst bei den Hausärzten unterschiedliche Reaktionen aus. Vor allem hinter vorgehaltener Hand wird Kritik geäussert. Die Tatsache, dass eine stationäre Einrichtung nun auf dem ambulanten Markt mitmischt und somit in direkte Konkurrenz zu den anderen Ärzten tritt, von deren Zuweisungen das Spital lebt, verursache einen faden Beigeschmack, dessen Auswirkungen abzuwarten blieben, heisst es etwa.

«Durch die Teilnahme grosser Player wird der Beruf des Hausarztes noch unattraktiver.»André Suwanda, Allgemeinpraktiker aus Uznach

Einer, der sich öffentlich äussert, ist der Uzner Allgemeinpraktiker André Suwanda. Er sagt: «Spitalärzte arbeiten anders als Hausärzte.» Der Uzner bedauert, dass die möglichen Lösungen im Vorfeld nicht besprochen worden seien. Suwanda ist überzeugt, dass es auch andere Wege gegeben hätte und die Hausarztmedizin nicht zu den Hauptaufgaben eines Spitals gehöre. Ausserdem glaubt Suwanda, dass Monopole grundsätzlich problematisch seien.

Auch die Vermischung des stationären Bereichs mit der Hausarztmedizin erachtet er als problematisch: «Wenn ein Spital selber eine Hausarztpraxis führt, kann es sich selber Patienten zuweisen.» Zudem kämpfe man künftig mit ungleich langen Spiessen, da eine von einem Spital geführte Hausarztpraxis über andere Ressourcen verfüge. «Als Einzelunternehmer muss man selber schauen, dass der Laden läuft.» Das hätte nicht zuletzt auch Auswirklungen auf den Nachwuchs: «Durch die Teilnahme grosser Player wird der Beruf des Hausarztes noch unattraktiver», ist Suwanda überzeugt.

Hausärzte und Spitalärzte pflegten grundsätzlich eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, betont Hausarzt Clemens Niemann in Uznach, der auch Vorstandsmitglied im Medizinischen Verein Linth ist. Der Hausarzt überweise Patienten für bestimmte Fragestellungen an das Spital, die dort im Alltag des Spezialisten kompetent beantwortet würden. Auf der anderen Seite behandle der Hausarzt vielfältige Probleme, ohne gleich eine Fülle von apparativen Untersuchungen zu benötigen. Diese Aufteilung habe sich sowohl im Sinne der Patientenversorgung wie auch in Hinblick auf die Kosten im Gesundheitswesen bislang gut bewährt.

«Einzige Lösung»

Hans Stocker verteidigt seine Nachfolgelösung. Der 65-Jährige suchte drei Jahre lang vergeblich einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin und sagt: «Es kam keine einzige Antwort auf meine Inserate.» Auch im Ausland habe er seine Praxis an der Zürcherstrasse angeboten – vergeblich. «Ich finde das mit dem Spital Linth eine gute Lösung – es war aber auch die einzige, die ich hatte.» Die «Obersee-Nachrichten» berichteten gestern, das Spital Linth habe private Anbieter ausgestochen.

Urs Graf, Direktor des Spitals Linth, sagt: «Wir versuchen, für die Praxis in Uznach Leute zu finden, die sich eine Zukunft in der Hausarztmedizin vorstellen können.» Das seien jedoch keine «Spitalärzte», sondern Mediziner mit einer «breiten Ausbildung», sagt Graf. Ziel sei es, die Praxis innert fünf Jahren an die betreffenden Ärzte zu übergeben.

Graf wehrt sich gegen den Vorwurf, das Spital wolle sich ins Geschäft der Hausärzte einmischen: «Wir haben nicht aktiv nach einer Hausarztpraxis gesucht.» Die Übernahme sei ein klassisches Beispiel dafür, wie ein Spital helfe, eine Hausarztpraxis weiterzuführen. Die Situation ermögliche überdies jungen Ärzten den Einstieg in die Hausarztmedizin.

Kritik an der Kritik

Auch Stocker kritisiert, dass manche Berufskollegen nun gegen das Spital wetterten. «Spätestens wenn sie einen Nachfolger suchen, werden auch sie die schmerzliche Erfahrung machen, dass es wirklich schwierig ist, die eigene Praxis weiterzugeben.» Das Spital Linth biete mit der Übernahme eine «Hilfestellung». Ein Spital verfüge über mehr Ressourcen und bessere Netzwerke, um geeignete Hausärzte zu suchen, ist Stocker überzeugt. Er glaubt, dass der Paradigmenwechsel hin zu Hausarztpraxen, die von Spitälern aufgebaut oder übernommen werden, unaufhaltsam sei.

In anderen Kantonen ist diese Entwicklung bereits weiter fortgeschritten, so zum Beispiel im Kanton Zürich, in dem die Hirslanden-Gruppe in den letzten Jahren mehrere Praxiszentren eröffnete. Das Luzerner Kantonsspital plant ebenfalls ein externes Gesundheitszentrum.

«Egal, welcher Anbieter»

Wilfried Oesch, Präsident Hausarztverein Linthgebiet (HAV), stört sich überhaupt nicht an dieser Entwicklung: «Es macht für mich keinen Unterschied, wer der Anbieter dieser Leistung ist.» Ihm sei es lieber, wenn ein lokaler Anbieter die Praxis von Hans Stocker weiterführe. Spitaldirektor Urs Graf ist zudem überzeugt, dass diese Entwicklung die Hausarztmedizin nicht untergrabe. «Das Hausarztbusiness bleibt dort, wo es ist.»

Hausarzt Hans Stocker hofft zumindest, dass in Uznach – anders als in Rapperswil-Jona – trotz kritischen Äusserungen von Kollegen zur bevorstehenden Praxisübernahme durch das Spital Linth die Anständigkeit gewahrt werde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.05.2017, 17:45 Uhr

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