Kreisgericht See-Gaster

Raser kassiert nach Exzess auf dem Ricken 13 Monate Gefängnis bedingt

Einen schnelleren Fahrer hat die Kantonspolizei am Ricken wohl kaum je erwischt. Mit 157 km/h fegte ein 27-jähriger Töfffahrer die Uznacherstrasse runter. Er bedauert vor allem, dass er nicht mehr zur Arbeit fahren kann.

Polizeikontrollen wirken am Ricken offensichtlich wenig abschreckend: Der 27-jährige Töffahrer war auf der 80er-Strecke mit 157 Stundenkilometer geblitzt worden.

Polizeikontrollen wirken am Ricken offensichtlich wenig abschreckend: Der 27-jährige Töffahrer war auf der 80er-Strecke mit 157 Stundenkilometer geblitzt worden. Bild: Symbolbild/Keystone

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Was geht in jemandem vor, der auf einer 80er-Strecke 162 (157 nach Abzug des Toleranzwerts) Stundenkilometer fährt? Die ­Frage muss leider ­unbeantwortet bleiben, denn der Gerichtspräsident fragte an der gestrigen Verhandlung nicht nach. Es handelte sich um ein abgekürztes Verfahren. Staatsanwalt und Verteidiger hatten sich auf einen Urteilsvorschlag von 13 Monaten Gefängnis bedingt geeinigt. Das Gericht ­hatte nur noch zu prüfen, ob dieser Vorschlag angemessen ist.

Der 27-jährige Grieche sagte bei der Staatsanwaltschaft aus, dass er schlicht nicht auf den Tacho geschaut habe, als er an diesem Nachmittag des 25. Mai seine Maschine auf der Uznacherstrasse beschleunigte. Unterwegs war er mit seiner Freundin und einem Kollegen. Bei der Haltestelle Rittmarren stand die Kapo mit einem unauffälligen Lasermessgerät. Ein Abstreiten war für den Erwischten zwecklos, er gestand die Tat, ein Raserdelikt, ein. Immerhin brachte ihm das eine Straf­reduktion. Erschwerend kam hinzu, dass er im Strassenverkehr keine weisse Weste mehr hat. Einschlägig vorbestraft, also wegen Tempoexzessen, ist er aberzu seinem Glück nicht.

Klar war, dass ihm die Kantonspolizisten bei diesem Tempo per sofort den Fahrausweis entzogen. Mindestens zwei Jahre ist er das Billett jetzt los. Auch zum Verkehrspsychologen muss der junge Mann. Erst wenn dieser grünes Licht gibt, der Mann gewissermassen «geläutert» ist, darf er wieder auf die Strasse. Noch hat er den Psychologen nicht aufgesucht.

Verstand ausgeschaltet

Dass er den Ausweis abgeben musste, scheint den sich auf ­Facebook als begeisterter Hobbyrennfahrer zeigenden Beschuldigten mehr zu nerven als die ­hohe bedingte Freiheitsstrafe. Entgeistert berichtet er von einem Gespräch mit dem Strassenverkehrsamt. Die Dame habe ihm zu verstehen gegeben, dass über die zwei Jahre Ausweisentzug nicht diskutiert werden könne. Schliesslich sei er ein Raser, da gebe es nichts zu machen. Er sei sich in dem Moment wie ein Schwerverbrecher vorgekommen, gibt er zu Protokoll. Erst ­wenige Monate ist er jetzt ohne Billett, doch das sei schwierig, sagt der sportliche junge Mann. Im Alltag gebe es immer wieder Situationen, in denen er auf ein Fahrzeug angewiesen wäre.

Zwar könne er sich privat organisieren, doch für die Arbeit seies für ihn als Handwerker sehr mühsam. So müsse er etwa mit technischen Gerätschaften in den Bus einsteigen, oder sein Vater oder seine Freundin müssten ihn zu Baustellen fahren oder dort abholen. Zur Tat sagt er Folgendes: «Man lernt jeden Tag dazu. Ich habe einmal für 4,5 Sekunden den Verstand ausgeschaltet. Ich musste Lehrgeld zahlen und habe sehr viel gelernt.»

Politik ist schuld

Richtige Plädoyers sind im abgekürzten Verfahren nicht geplant. Der Verteidiger nutzt aber die Anwesenheit der Presse zu einem Rundumschlag gegen die Politik. Dass sein Mandant noch so hart bestraft werde, sei Pech. Schliesslich denke man im Bundeshaus bereits wieder über eine Reduktion der Strafen bei sogenannten Raserdelikten nach. Was wohl ­daran liege, dass auch die Politiker gerne dem Temporausch erliegen würden.

Als der Verteidiger schliesslich darauf zu sprechen kommt, dass man auch alle Fahrzeuge bei Tempo 120 plombieren könnte, die Politik dazu aber nicht willens sei, wird es dem Gerichtspräsidenten zu bunt. Er unterbricht den in Fahrt gekommenen Anwalt und weist ihn an, zur Sache zurückzukommen. «Mein Mandant hat nur eine kurze Hand­bewegung gemacht. So schnell geht es bei einem ‹Feuerstuhl›», schliesst der Verteidiger.

Die Richter sehen keinen Grund, der gegen den Urteils­vorschlag spricht. Die Freiheitsstrafe von 13 Monaten bedingt wird rechtskräftig, da keine der Parteien das Urteil weiterziehen will. In den nächsten zwei Jahren darf sich der Raser im Strassenverkehr nichts mehr erlauben. Das dürfte auch schwierig werden ohne Billett.

Erstellt: 25.08.2017, 08:48 Uhr

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