Rapperswil-Jona

Parteien kritisieren Stadtrat und wollen Kulturbeiz retten

Die Parteien bedauern das Scheitern einer Kulturbeiz im Feuerwehrdepot nach langer Verhandlungszeit. Sie fordern weiterhin einen Betrieb mit kulturellem Inhalt im Depot. Im Raum steht hierbei die Lancierung einer Volksmotion.

Das ehemalige Feuerwehrdepot in Rapperswil als Stein des Anstosses und Zankapfel par excellence: Welche Art von Betrieb im Depot einziehen soll, darüber gehen die Meinungen in der Rosenstadt weit auseinander.

Das ehemalige Feuerwehrdepot in Rapperswil als Stein des Anstosses und Zankapfel par excellence: Welche Art von Betrieb im Depot einziehen soll, darüber gehen die Meinungen in der Rosenstadt weit auseinander. Bild: Manuela Matt

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Dem Stadtrat ist eine Kulturbeiz im ehemaligen Feuerwehrdepot zu teuer. Deswegen will er das Depot Interessenten aus dem Gastrobereich übergeben. Das kommt bei den Parteien in Rapperswil-Jona schlecht an. Die SP wirft dem Stadtrat zweierlei vor: Die lange Dauer der Verhandlungen und einmal mehr die «unzureichende Informationspolitik».

Die Sozialdemokraten fragen sich, warum das Scheitern der Verhandlungen als wichtige Neuigkeit nicht gleich an der Bürgerversammlung mitgeteilt worden sei, sondern erst am Morgen danach. «Warum die Geheimnistuerei um die neuen Bewerber?», fragt die Partei in einer Medienmitteilung: «Das Feuerwehrdepot fügt sich in eine Reihe aufwändiger und dann doch abgeblasener Projekte der jüngsten Zeit ein – wie zum Beispiel das Visitor-Center oder der erste Lido-Versuch.»

«Rat vernachlässigt Kultur»

Die UGS ist empört über das Verhalten des Stadtrats: «Der neue Stadtrat hat nur Interesse für Sport, aber kaum für Kultur», sagt Elisabeth Beer Schuler, Co-Präsidentin der UGS. Es sei sehr schade, dass der Rat einen Betrieb von jüngeren Leuten abwürge, die einer «anderen Kultur» Raum geben wollen. «Es ist stossend, dass der Stadtrat nicht bereit ist, einen alternativen Kulturbetrieb zu subventionieren. Gleichzeitig gibt er für Prestigeobjekte wie das Kunstzeughaus viel Geld aus», konstatiert Beer Schuler.

Es sei absehbar, dass niemand in der Lage sei, Kosten in der Höhe von 2,35 Millionen Franken selber zu amortisieren, die für die Sanierung des Gebäudes notwendig sind. Die UGS zeigt sich offen, um gemeinsam mit anderen Parteien und Gruppierungen eine Volksmotion zu lancieren, auf dass eine Kulturbeiz im ehemaligen Feuerwehrdepot doch noch möglich werde.

«Fadenscheinige Argumente»

GLP-Vizepräsident Tobias Uebelhart spricht von einem Trauerspiel, das der Stadtrat biete: «Der Rat hat mit seinem Zickzackkurs und seinen fadenscheinigen Argumenten ein gutes Projekt des ehemaligen Ebärklubs verhindert.» Darin zeige sich auch, dass der Stadtrat ehrenamtliche Arbeit nicht anerkenne und wertschätze. «Was auch nicht zur Glaubwürdigkeit des Stadtrats beiträgt, ist sein Vorgehen beim Kreuz in Jona – hier muss der Pächter auch nicht die gesamten Kosten der baulichen Erneuerung übernehmen», sagt Uebelhart. Er hält es für denkbar, dass die Grünliberalen eine allfällige Volksmotion zur Rettung des Projekts des Füürwehrklubs unterstützen würden.

Bei den Liberalen in Rapperswil-Jona fällt der Tenor derweil anders aus: «Die Bedingungen waren den Betreibern der Kulturbeiz von Anfang an klar», sagt FDP-Präsident Markus Gisler: «Sie haben gewusst, dass sie den Innenausbau selber finanzieren müssen und dass es keine zusätzlichen Subventionen von der Stadt gibt.» So sei vom Füürwehrklub zu hören gewesen, dass er zwei Millionen Franken für die Sanierung stemmen könne. Möglicherweise sei das Ganze dann gescheitert, weil Investoren abgesprungen sind oder der Kulturklub nicht ausreichend breit abgestützt war. «Jetzt ist es an der Zeit, dass der Stadtrat vorwärts macht und das Gespräch mit den beiden Interessenten aus dem Gastrobereich aufnimmt, die einen Betrieb im Depot starten möchten», führt Gisler aus. Wichtig sei, dass das Gebäude der Bevölkerung zugänglich gemacht werde.

«Konzept hat überzeugt»

«Der Ebärklub bietet höchst lebendige und attraktive Kultur für eine breite Bevölkerungsschicht, nicht nur für eine kleine, elitäre Gruppe», sagt Barbara Keller-Inhelder, Präsidentin der SVP: «Die Grundidee des Konzepts hatte den Stadtrat ja überzeugt – ich hoffe, dass es dabei bleibt und dass das Fürwehrdepot letztlich doch noch ein lebendiger Ort für Einheimische wird.» Für CVP-Präsident Thomas Hofstetter ist es noch zu früh, um bereits zum jetzigen Zeitpunkt Stellung zum Feuerwehrdepot nehmen zu können. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.09.2018, 17:22 Uhr

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