Pfäffikon SZ

OVS-Mitarbeitende sind derzeit ohne Sozialplan

Die italienische Modemarke OVS ist mit der Übernahme von Charles Vögele gescheitert. Nun geht es darum, einen Teil der Läden in neue Hände zu überführen. Die Suche nach Käufern läuft. Das letzte Wort hat der Sachwalter.

Dunkle Wolken über der Modefirma OVS mit Hauptsitz in Pfäffikon SZ:  Die italienische Modemarke hat bereits zum zweiten Mal in der Schweiz einen Totalschaden erlitten.

Dunkle Wolken über der Modefirma OVS mit Hauptsitz in Pfäffikon SZ: Die italienische Modemarke hat bereits zum zweiten Mal in der Schweiz einen Totalschaden erlitten. Bild: Keystone

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Der Paukenschlag hallt nach: Sempione Fashion, die Schweizer Vertriebsgesellschaft von OVS, hat vor kurzem beim Bezirksgericht Höfe im Kanton Schwyz ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht und steht damit vor dem finanziellen Kollaps.

Vom Entscheid betroffen sind 1180 OVS-Mitarbeitende in rund 140 Filialen, davon vier am Zürichsee mit insgesamt gegen 40 Mitarbeitenden: Jona, Pfäffikon, Uznach und Adliswil.

Markt falsch eingeschätzt

Der Versuch der italienischen Modegruppe, mit dem Kauf von Charles Vögele in der Schweiz Fuss zu fassen, ist damit grandios gescheitert. Erneut hat OVS den hiesigen, aufgrund von Online-Shopping, starkem Franken und Einkaufstourismus stark unter Druck stehenden Modemarkt falsch eingeschätzt. Bereits 2005 hatte die Modegruppe C&A das 30 Standorte umfassende Oviesse-Filialnetz — OVS firmierte bis 2009 als Oviesse — der Globus-Gruppe aufgekauft. Diesmal hat OVS hohe und langfristige Mietverträge von Charles Vögele übernommen. Daraus resultierte Monat für Monat ein hoher Verlust. Um die Kosten zu senken, musste vor allem der Hauptsitz in Pfäffikon — wo die Gesamtverwaltung angesiedelt ist — erheblich bluten. Insgesamt wurden hier seit der Übernahme durch OVS 300 Stellen abgebaut. Heute sind am Standort Pfäffikon noch rund 150 Personen beschäftigt.

Das im Anschluss an die provisorische Nachlassstundung eingeleitete Konsultationsverfahren mit den Personalvertretern bei Sempione dauert noch bis zum 20. Juni. Im Anschluss daran dürfte es höchstwahrscheinlich zu einer Entlassungswelle kommen. Beim Verkauf der Textilgruppe Charles Vögele an OVS vor knapp zwei Jahren wurde noch ein Sozialplan für die Belegschaft erstellt. Ob dieser Sozialplan auch im vorliegenden Fall zur Anwendung kommt, ist nach Angaben des zuständigen Unia-Gewerkschaftssekretärs Alex Granato ungewiss.

Im Falle einer Nachlassstundung oder eines Konkurses, der sich daran anschliesst, besteht keine Pflicht, einen Sozialplan zu erlassen. Bei den Mitarbeitenden von OVS war laut Granato seit langem grosse Unsicherheit und Frustration spürbar. Die Stellenprozente seien massiv reduziert worden. Auch hätten keine Beratungen von Kunden durchgeführt werden können. Bei der Zulieferungen der Waren habe es massive Schwierigkeiten und Verzögerungen gegeben. Für das weitere Vorgehen auf Gewerkschaftsseite ist die Entwicklung in Sachen Nachlassstundung massgebend.

Hoffnung für Angestellte

Während der provisorischen Nachlassstundung, die bis zu vier Monate dauern kann, werden Verhandlungen seitens des Sachwalters geführt, um einen Teil der Filialen an einen oder mehrere Dritte zu übertragen. Für einige wenige Angestellte von OVS gibt es Hoffnung: Zwei kleinere OVS-Filialen hat die Schweizer Modekette Chicorée als Mieterin bereits vor Einreichung der Nachlassstundung übernommen: in Düdingen FR und Wolhusen LU.

Nach Angaben von Chicorée-Sprecher Pascal Weber «gibt es einige interessante Standorte in der Schweiz, die von uns noch nicht belegt sind». Es handle sich um Agglomerationsstandorte mit maximal 600 Quadratmetern Fläche. Ob sich darunter auch solche am Zürichsee befinden, konnte Weber nicht sagen. Derzeit ist das Unternehmen in Verhandlungen für weitere Standorte: «Wir versuchen auf jeden Fall weiteren Mitarbeitenden den Arbeitsplatz zu sichern». Chicorée sehe für sich weitere Wachstumsmöglichkeiten im Schweizer Markt: «Wir beschränken uns dabei auf Standorte, die wir laut eigener Einschätzung langfristig rentabel bewirtschaften können». Das Unternehmen, das sich auf Billigmode für junge Frauen spezialisiert hat, konnte der Krise im Kleidermarkt zuletzt trotzen und den Umsatz im 2017 um 11 Prozent auf 145 Millionen Franken steigern.

Nach Angaben eines Sempione-Sprechers findet derzeit in sämtlichen OVS-Läden in der Schweiz ein Ausverkauf statt, «um die Ware möglichst schnell zu Geld zu machen». Damit sollen unter anderem die Löhne der Angestellten gezahlt und die Ansprüche der Gläubiger befriedigt werden. Der Sprecher bestätigte gegenüber der ZSZ, dass zurzeit intensiv nach potenziellen Interessenten für die OVS-Läden in Liquidation Ausschau gehalten wird, «um entweder etwas anderes darin zu machen oder allenfalls weiterhin unter dem Namen OVS am Markt aufzutreten». Entscheiden wird aber letztlich der Sachwalter, und dies nach dem Grundsatz, was am besten für Gläubiger und Mitarbeitende ist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 15:07 Uhr

Von Charles Vögele zu Sempione Fashion

Im Herbst 2016 hatte die Kleiderhändlerin Charles Vögele mit Sitz in Pfäffikon SZ nach sechs Jahren in der Verlustzone die Segel endgültig gestreckt. Das italienische Modeunternehmen OVS übernahm zusammen mit zwei weiteren Aktionären über die eigens zu diesem Zweck gegründete Sempione Retail AG die Charles Vögele AG und benannte sie in Sempione Fashion um. Der Kaufpreis für die mit 800 Millionen Franken Umsatz grösste Textilgruppe der Schweiz lag bei gerade mal 56 Millionen Franken. Der 40-Millionen-Umbau der 140 Läden in der Schweiz wurde im letzten Winter abgeschlossen.

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