Fuchs

Meister Reineke und die Menschen

Die Fuchsbestände in Schweizer Städten sind in den letzten 15 Jahren enorm gewachsen. Das Wildtier löst in der Bevölkerung jedoch sehr unterschiedliche Reaktionen aus, was immer wieder zu Konflikten führt.

Er ist anspruchslos und anpassungsfähig. Deshalb fühlt sich der Fuchs auch in städtischen Wohnquartieren pudelwohl.

Er ist anspruchslos und anpassungsfähig. Deshalb fühlt sich der Fuchs auch in städtischen Wohnquartieren pudelwohl. Bild: Alex Schmidt

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Die einen freuen sich über seine Anwesenheit und finden ihn «herzig», für andere gehört er schlicht und einfach in den Wald. Die Rede ist von des Menschen neuem Nachbar, Meister Reineke. Seit der Ausrottung der Tollwut in der Schweiz 1999 haben Füchse hierzulande städtische Gebiete besiedelt, sagt Markus Brülisauer vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen. Verlieren diese ihre Scheu vor Menschen, könne das auch schon Mal zum Problem werden. «Der Leidtragende ist am Schluss der Fuchs, der im schlimmsten Fall vom Wildhüter geschossen werden muss.»

Was aber hält Meister Reineke überhaupt in den Wohnquartieren des Menschen? «Der Fuchs ist sehr anpassungsfähig und anspruchslos», erklärt Brülisauer. Zudem sei er ein Allesfresser. Die Hauptnahrung bilden wohl Mäuse; Beeren, Fallobst und Regenwürmer gehörten aber genauso zu seiner Nahrung. «Aber bei Nahrungsresten aus Abfallsäcken oder von Komposthaufen sagt ein Fuchs auch nicht nein.» Ebenfalls verlockend seien zudem Futternäpfe von Haustieren. «Solange die Wildtiere genügend Verstecke und Nahrung finden, werden sie sich auch in der Umgebung des Menschen wohlfühlen.» Deshalb müsse der Mensch lernen, mit dem Siedlungsbewohner zu leben, sagt Brülisauer.

Die Angst vor Krankheiten

Es sind sehr gemischte Reaktionen, die der kantonale Jagdspezialist im Bezug auf den Fuchs erlebt. «Manche freuen sich, die Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können, andere fürchten sich etwa vor Verbreitung von Krankheiten.» Vor allem die Angst vor dem, für Haustiere und Menschen ebenfalls schädlichen, Fuchsbandwurm erlebt Brülisauer als gross. Wer seine Hände nach getaner Gartenarbeit oder dem direkten Kontakt mit Füchsen gründlich wäscht, hat gemäss dem Merkblatt des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei aber wenig zu befürchten. Ebenso wird empfohlen seine vierbeinigen Freunde regelmässig zu entwurmen. Brülisauer rät zudem Lebensmittel aus Garten oder Wald vor dem Verzehr gründlich zu waschen, wenn möglich gar zu kochen.

Aufwändiger Abschuss

Eine andere Krankheit, die bei Füchsen auftreten kann, ist die Viruserkrankung Staupe. Diese kann jedoch nicht auf den Menschen übertragen werden. Haustiere können durch eine Impfung effizient dagegen geschützt werden. In erster Linie sei aber die fehlende Distanz das Problem, sagt Markus Brülisauer. «Es ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass der Fuchs ein Wildtier ist.» Brülisauer rät den Kontakt mit den Tieren deshalb wenn immer möglich zu vermeiden. «Auch füttern sollte man Füchse auf keinen Fall.» Haben sie ihre Scheu vor dem Menschen erst einmal abgelegt, könne das zu ernsthaften Problemen führen.

Wenn ein Tier sich auffallend zutraulich verhält, sollte der zuständige Wildhüter verständigt werden, rät Brülisauer. In Einzelfällen müssen solche Tiere unter Umständen geschossen werden. «Ein Abschuss in städtischen Gebieten ist dabei sehr aufwändig», sagt Brülisauer. Da überbautes Stadtgebiet zu den Nichtjagdgebieten zählt, ist in diesem Fall der kantonale Wildhüter verantwortlich. Richtiges Verhalten kann also Mensch wie Tier Zeit und unnötigen Ärger ersparen.

Erstellt: 02.12.2016, 16:58 Uhr

Füchse in Wohnquartieren

Das gilt es zu beachten

Der Fuchs profitiert von unserer Zivilisation. In Gartenhäuschen oder Schuppen ­findet er gerne Unterschlupf. Derartige Räumlichkeiten ­sollten daher immer gut ­verschlossen sein.
Wildtiere sollten zudem ­weder direkt noch indirekt ­gefüttert werden. Mit einfachen Schutzkonstruktionen (Netzen oder Drahtumrandungen) lassen sich Gartenbeete und Kompost effektiv schützen. Über Nacht lohnt es sich zudem, ­Gartengeräte und Kinderspielsachen wegzuräumen. Auch her­um­stehende Futterteller und zu früh herausgestellte ­Abfallsäcke wirken auf Füchse wie eine Einladung.
Für Haustiere besteht durch Füchse in aller Regel keine ­Gefahr. Jungtiere sollten die Nacht dennoch lieber im Haus verbringen. Kaninchen- oder Hühnerställe schützt man am effektivsten mit einem Zaun. Dieser sollte mindestens 30 Zentimeter in den Boden eingegraben und zwei Meter hoch sein.
Trotz dieser Massnahmen kann es dennoch zu einem Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Tier kommen. In diesem Fall gilt: Distanz wahren. Nötigenfalls kann ein aufdringlicher Fuchs auch mit Wasserspritzern ferngehalten werden. Verhält sich ein Tier dennoch auffallend zutraulich, ist der zuständige Wildhüter zu verständigen.(fse)

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