Rapperswil-Jona

Leise Kritik an der Investorenlösung

Neben der Schliessung des Bürgerspitals ruft auch das geplante Finanzierungsmodell für das Pflegezentrum Schachen kritische Stimmen hervor. Das zeigt ein Infoanlass im Kreuz Jona, den rund 100 Personen besucht haben.

Blick in den «Jardin Corridor»: Dieser soll das geplante Alterszentrum Schachen attraktiv und offen für Begegnungen machen.

Blick in den «Jardin Corridor»: Dieser soll das geplante Alterszentrum Schachen attraktiv und offen für Begegnungen machen. Bild: Visualisierung: PD

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Stadtpräsident Martin Stöck­ling (FDP) nannte es bei seiner Einleitung ein «Generationenprojekt», das die nächsten 20 bis 30 Jahre der Stadt prägen werde. Nicht nur die Lebenserwartung habe sich in den letzten Jahrzehnten markant verändert, sondern auch die Wünsche der über 65-Jährigen. Heute beträgt die durchschnitt­liche Lebenserwartung 83 Jahre, im Jahr 2050 werden wir durchschnittlich 88 Jahre alt werden.

Betreuungsangebote müssten denn auch zeitgemäss sein, hielt Stöck­ling fest. Das Thema «Selbstständigkeit» werde immer wich­tiger, aber auch das Schlagwort «Sicher­heit» gewinne an Bedeutung, speziell in Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung, die im entscheidenden Moment­ zur Verfügung stehen müsse. Die ältere Generation ­solle zudem innerhalb der Gesellschaft und nicht an deren Rand leben können.

Meienberg hat ausgedient

Neben den drei klassischen Pflege­zentren bieten heute der Bühlpark und ab 2020 der Porthof West soge­nann­tes Wohnen mit Service. Letzteres ist auch für das Pflegezentrum Schachen geplant, und zwar in rund 60 bis 80 Alterswohnungen. Daneben sind 168 Pflegeplätze vorgesehen. «Das heutige Angebot ist gut, trotzdem wird es einen Engpass geben», resümierte Stöck­ling. 2025 werde das Alterszentrum Meienberg geräumt – parallel zur geplanten Eröffnung des Pflegezentrums Schachen. Anders als das Pflege­zen­trum Bühl sei das Pflege­heim Meien­berg nur bedingt für stationäre Pflege geeignet. «Heute ist es so, dass ältere Menschen erst dann ins Pflegezentrum eintreten, wenn sie bereits eine relativ hohe Pflege­stufe benötigen.» Das geplante Zentrum im Schachen bezeichnete Stöck­ling als «bedarfsgerechten Ersatz».

Bauchef Thomas Furrer (parteilos) nannte den zentralen Standort des geplanten Zentrums einen «Glücksfall», da dieses der­einst «mitten im Leben» zu stehen komme. Die Einbindung ins Quartier sei ein zen­tra­ler Fak­tor gewesen, welcher das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs namens Orion bestens erfülle. Ziel sei es, dass man im Schachen nicht anonym ­wohne, sondern in einen grösseren Kontext eingebunden sei.

Begehrte Einzelzimmer

Christoph Künzli, Geschäftsführer der Stiftung Rajo­vita, beton­te, dass heute viele Einzelzimmer gefragt seien. «Das kann der Meien­berg nicht bieten.» Er würde­ «den Schachen» deshalb am liebsten heute schon eröffnen. Trotz 168 Plätzen seien fami­liäre Strukturen geplant. Eine Wohngruppe solle aus rund 14 Betten bestehen. Insbesondere die Abteilung für Menschen mit Demenz (28 Betten) inklu­sive speziell gestaltetem Gar­ten werde ein «Bijou», sagte ­Künzli. Zudem sei denkbar, dass im Sinne eines echten Genera­tionenprojekts auch eine Kindertagesstätte eingerichtet werde.

Der Projektierungskredit von knapp acht Millionen Franken kommt am 25. November an die Urne, ebenso wie ein Landtausch, den die Stadt und die Ortsgemeinde vornehmen müssen. Für den Bau sucht die Stadt einen Investor, der bereit ist, 65 Millionen Franken in die Hand zu nehmen. Der Bau der 60 bis 80 Alterswohnungen wird von der Ortsgemeinde verantwortet.

Die Projektierungskosten für das Pflegezentrum liegen leicht über den üblichen zehn Prozent des Gesamtprojekts, denn die Stadt wolle «bestimmen können», bis die Baubewilligung vorliege, wie Stöck­ling erklärte. Danach soll das Bauprojekt einem Investor übergeben werden. Die Stadt plant, das Land im Baurecht abzugeben. Über die Investorenlösung wird 2020 abgestimmt, im Idealfall ist der Schachen 2023 bezugsbereit. Lehnen die Bürger die Investorenlösung ab, müsste die Stadt den Betrag selbst zur Verfügung stellen. «Die Investorenlösung ist sicher günstiger», resümierte Stöck­ling.

Gute Busverbindung gefragt

Eine Dame wies dar­auf hin, dass ein Pflege­zen­trum in Jona den beleb­ten Fischmarkt nicht ersetzen könne und fragte nach einer direkten Busverbindung «ins Städtli». Thomas Furrer erwi­derte, das Problem sei bekannt, das Schachenquartier würde verkehrs­technisch analysiert. Orts­gemeindepräsident Mat­thias Mächler ergänzte, dass er die emotionalen Reaktionen auf die bevorstehende Schliessung des Bürgerspitals verstehen könne. Dennoch sei zu bedenken, dass über 40 Personen sich einen einzigen Lift teilen müssten. «Der Ent­scheid ist uns nicht leicht gefallen.»

Bernhard Krapf, Leiter der Cari­tas-Regionalstelle Uznach, entwarf die Vision einer Brücke über die Jona, um vom Porthof zum geplanten Alterszentrum zu gelangen. Ein anderer Zuhörer fragte, weshalb der Baurechtsvertrag nur für eine Laufzeit von 40 Jahren geplant sei, und erwischte damit den Stadtpräsidenten auf dem falschen Fuss, der zugab, dass diese Frage noch nicht geklärt sei. Auch der inzwischen schon fast legendäre Helikopterlandeplatz war erneut Thema im Kreuz. Chris­toph Künzli beruhigte die besorgte Rapperswil-Jonerin: «Es hat ringsherum recht viel Wiese.»

Das Alterszentrum Schachen ist auch Thema der Bürgerversammlung vom 6. September, wobei die Abstimmung an diesem Datum nur konsultativ sein wird. Bereits definitiv abgestimmt wird über die Alterswohnungen der Ortsgemeinde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.08.2018, 08:37 Uhr

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