Rapperswil-Jona

Kunst, die atmet, lebt, vergeht

Die Ausstellung Flora & Corpora vereint Vergänglichkeit und Ewigkeit. Im EWJR verschmilzt Karl-Heinz Ritters Blumenkunst mit den Skulpturen und Bildern von Hedi K. Ernst zu einem kontrastreichen Kunstwerk.

Flora & Corpora  heists die Ausstellung Flora & Corpora im EWJR mit Skulpturen und Bildern von Hedi K. Ernst und Blumenkunst von Karl-Heinz Ritter.

Flora & Corpora heists die Ausstellung Flora & Corpora im EWJR mit Skulpturen und Bildern von Hedi K. Ernst und Blumenkunst von Karl-Heinz Ritter. Bild: Manuela Matt

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Es sind zwei sehr verschiedene Künstler, die am Donnerstagabend im Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil (EWJR) die Ausstellung «Flora & Corpora» eröffnen. Da ist zum einen Karl-Heinz Ritter alias Caesario. Der gelernte Gärtner und Florist führt das Blumengeschäft Blumen Caesario in Rapperswil-Jona. Mit seinen Erfolgen an der Giardina und der Ausstellung «Blumen für die Kunst» hat er sich in der Welt der Blumenkunst einen Namen gemacht. Trotzdem bezeichnet er sich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Er arbeitet – auch aufgrund der schnellen Vergänglichkeit seines Materials – sehr impulsiv.

Dann ist da Hedi K. Ernst. Sie ist seit Jahrzehnten Künstlerin und Mentorin und hat lange Jahre im Ausland gelebt. Ihre Skulpturen und Bilder sind lange geplant und zeitlos - für die Ewigkeit gemacht. Die grossen, langen Skulpturen, die Ceres, sind Figuren aus der griechischen Mythologie: Die Göttinnen der Fruchtbarkeit und ihre Töchter. «Sie stehen für Weiblichkeit und Selbstbewusstsein», erklärt der Direktor des Kunstzeughauses Peter Stohler in seiner Laudatio. Daneben gibt es die Figuren der Lotuspflanze – ebenso ein Sinnbild für Weiblichkeit. Alle Skulpturen wurden mit einem 3D-Drucker gedruckt. Um das zu schaffen, hat die Künstlerin sie in Ton geformt, um sie später von einem Computer dreidimensional lesen zu lassen und dann auszudrucken. Durch diesen Arbeitsprozess werden die Spuren ihrer Finger vergrössert – sie hinterlässt auf etwas maschinell Hergestelltem ihren Fingerabdruck.

Kunst für den Moment

Dann kommt Ritter dazu: Er steckt Blumen und Pflanzen in die schwarzen Skulpturen Hedi K. Ernsts. In den Löchern der Samenkapsel wächst nun Moos, auf zwei hohen schwarzen Stühlen rankt eine violette Orchidee. Und plötzlich ist die Kunst zum Leben erweckt, sie atmet, aber sie vergeht auch. Hedi K. Ernst schafft Kunstwerke für die Ewigkeit. Karl-Heinz Ritter schafft Kunstwerke für den Moment. Seine Blumenkunst muss im Laufe der 14-tägigen Ausstellung mehrmals erneuert werden, am Ende wird alles verwelkt sein. Ist das nicht frustrierend für den Künstler? «Ein Koch kocht auch stundenlang dafür, dass es am Ende gegessen wird», erklärt Ritter. Seine Kunst sei kurzlebig: nur für den Moment geschaffen. «Aber es ist ein Moment, der wichtig ist. Den man nicht nachholen kann.»

Genauso wie der Kontrast zwischen tot und lebendig, ewig und vergänglich, ist der Kontrast zwischen dem natürlichen und dem maschinellen. Besonders deutlich wird das in der Inszenierung in der Dieselhalle des EWJR. Mit dem penetranten Dieselgeruch in der Nase, steht man vor der Skulptur einer überdimensionierten Lotussamenkapsel, die von einer Maschine in vier Teile geschnitten wurde. In diesen ranken sich Kakteen, Pflanzen, stachlige und zarte, Gräser und Blumen. Von oben herab hängt ein Strauss Lilien, mit Draht am Dieselkran festgemacht. Es wirkt, wie wenn die zarten Blumen erhängt worden wären. Plötzlich wirkt die Natur brutal und aggressiv – aber ohne ihre Schönheit zu verlieren.

Während der ganzen Zeit ihrer Zusammenarbeit haben die beiden Künstler nur wenig miteinander gesprochen, sie wussten nur ungefähr, was der andere jeweils macht. «Aber wir hatten immer das Gefühl: Es kommt gut», erklärt Hedi K. Ernst zum Abschluss der Vernissage. «Jetzt hat sich der Kreislauf geschlossen.»

Die Ausstellung Flora & Corpora ist noch bis zum 10. Juni im EWJR zu sehen.

Erstellt: 25.05.2018, 15:31 Uhr

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