Lützelau

Kleine Insel mit grosser Vergangenheit

Pfahlbauer, Klosterfrauen und Kriegsstrategen erkannten in der Vergangenheit Nutzen und Charme der Insel. Heute geniessen Saisoncamper und Touristen das kleine Paradies.

Kleine Schwester: Die Lützelau steht oft im Schatten ihrer grossen Schwester Ufenau, habe aber ebenso viel Geschichte zu bieten.

Kleine Schwester: Die Lützelau steht oft im Schatten ihrer grossen Schwester Ufenau, habe aber ebenso viel Geschichte zu bieten. Bild: Manuela Diethelm

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Es regnet in Strömen, als der «Lütz-Shuttle» beim Hafen Rapperswil ablegt. Der Himmel ist dunkel wolkenverhangen, aber im Westen zeigt ein heller Streifen an, dass sich das zähe Sommerwetter nicht so leicht verdrängen lässt. Und tatsächlich: Nach den knapp acht Minuten, die das Boot für die anderthalb Kilometer zur Insel Lützelau braucht, klettern wir mit geschlossenen Schirmen auf den Steg.

Das Wetter hat einige Besucher abgeschreckt, die Gruppe, die heute an der Lützelau-Führung teilnimmt, ist klein. Das unterstützt die mystische Stimmung, die nach dem Regen auf der Insel liegt: Ein angenehm kühler Wind rauscht durch die Bäume und Schilfe, während im Restaurant etwas weiter weg noch reger Betrieb herrscht. Dazwischen schlummern zahlreiche grosse Zelte mit verschiedenen Aufbauten. Das sind die beiden Gegensätze, welche die Lützelau auszeichnen: Hier das Naturschutzgebiet, das nicht betreten werden darf, und dort die Feierlaune.

An guten Sommertagen sollen über 500 Gäste auf der Lützelau campieren, bräteln, spazieren und Fischchnusperli essen. Man kann es sich kaum vorstellen, ist die «kleine Wiese» (auf Althochdeutsch «Lützelau») doch nur 300 mal 150 Meter lang und damit rund dreimal kleiner als die Ufenau. Deren Besitzerin, das Kloster Einsiedeln, hat die «grosse Schwester» der Lützelau zu einem Ort der Stille erklärt, an dem derlei Treiben nicht erlaubt ist. Es scheint bei Inseln ähnlich zu sein wie bei menschlichen Geschwistern: Die Grossen müssen ein bisschen vernünftig sein, während sich die Kleinen austoben.

Nagelfluh und Sandstein

Markus Thurnherr, ehemliger Stadtarchivar und temporärer Tourführer, hält sich lieber an die Fakten: Die beiden Inseln wurden wie das Tal des Zürichsees, der Rapperswil Schlosshügel und die Halbinsel Au während der letzten Eiszeit durch den Linthgletscher geformt. Sie bestehen aus hartem Nagelfluh und Sandstein und dienten während Jahrhunderten als Sandsteinbrüche. In ihrer jüngeren Geschichte hat die Lützelau nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kriegsstrategische Interessen geweckt und war im zweiten Weltkrieg zum Beispiel als getarnte Artilleriestellung vorgesehen.

Der ehemalige Stadtarchivar von Rapperswil-Jona , Markus Thurnheer, erzählt Interessierten von der bewegten Geschichte der Insel.

Auf der Lützelau wurde aber auch gelebt: Grabungen belegen, dass in diesem Gebiet Pfahlbauer gesiedelt hatten, und Urkunden bezeugen ein kleines mittelalterliches Frauenkloster auf der Lützelau. Tatsächlich hat man menschliche Überreste in der Nähe einiger heutiger Campingzelte gefunden – die Saisoncamper versicherten uns aber glaubwürdig, dass sie des Nachts nicht von den Klosterfrauen gestört werden.

Inselleben als Mikrokosmos

Obwohl sie auf Schwyzer Gebiet liegt, gehört die Lützelau heute der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona und wurde an den Verein Rapperswil Zürichsee Tourismus verpachtet, der auch den Campingplatz und das Restaurant betreibt. Hier nimmt die Führung ihr Ende und Markus Thurnherr hat noch unzählige Geschichten im Repertoire, findet aber auch ein paar Worte über die profanen, nicht minder interessanten Aspekte der Insel. Durch die Erneuerung der Werkleitungen im letzten Jahr sind nun nicht nur die Strom- und Trinkwasser-Zuleitung sichergestellt, sondern auch die Ableitung des Abwassers von der Insel Lützelau zur Kläranlage in Rapperswil-Jona.

Beim Absacker kommt man leicht mit dem einen oder anderen Saisoncamper ins Gespräch. 30 solche Plätze gibt es auf der Insel und es ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Viele von ihnen kommen am Freitagabend und verbringen jedes Wochenende der Saison hier – von Mai bis Ende September. Sie haben ihre Zelte mit Solarzellen, Gaskochern und allerlei Campingluxus ausgestattet und geniessen den Rückzugsort, das «Inselleben» eben. Es ist erstaunlich, wie viel Entspannung so ein paar Meter Wasser zwischen sich und der Arbeit, dem Alltag, bewirken können. Das funktioniert auch, wenn man nur ein paar Stunden auf dieser wilden Insel der Gegensätze verbringt. Lieb gewinnt man die «Perle im Zürichsee» mit ihrer reichen Geschichte und bewegten Gegenwart auf alle Fälle.

Lützelau-Führungen finden regelmässig statt: www.rapperswil-zuerichsee.ch Der «Lütz-Shuttle» verkehrt für Restaurant-Gäste zu fixen Zeiten, kann aber auch für individuell gebucht werden: www.insel-luetzelau.ch

Erstellt: 27.08.2018, 16:24 Uhr

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