Zürichsee

Kantone wollen Kormorane abschiessen, um Fische zu retten

Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen der Fische im Zürichsee. Während der Hecht profitiert, leiden Felchen und Egli. Im Linthkanal macht den Fischen allerdings ein Vogel Konkurrenz.

Sie machen Jagd auf die Äschen: Die Kormorane sollen eine Mitschuld am tiefen Äschenbestand im Linthkanal tragen.

Sie machen Jagd auf die Äschen: Die Kormorane sollen eine Mitschuld am tiefen Äschenbestand im Linthkanal tragen. Bild: Keystone

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Der Linthkanal sollte zum attraktiven Lebensraum für Fische werden. Das war eigentlich eines der Hauptziele des millionenteuren Hochwasser- und Renaturierungsprojektes «Linth2000». Doch die Verbesserungen beim Fischbestand im Linthkanal lässt weiter auf sich warten. Noch schlimmer: Die Fangzahlen gehen sogar deutlich zurück. Im vergangenen Jahr wurden im Kanal nur noch 421 Kilogramm Fisch gefangen. Das ist der niedrigste Fangertrag seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1940.

Mit rund 280 Kilogramm liegt der Ertrag bei den Äschen ebenfalls einem historischen Tief, im Vergleich zum Vorjahr gingen die Fangzahlen um fast 30 Prozent zurück. Dennoch will Michael Kugler vom St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei das Renaturierungsprojekt an der Linth nicht verteufeln: «Das Projekt ist erfolgreich», meint er. Es seien derzeit vor allem einfach andere Tier- und Pflanzenarten die von den Massnahmen profitieren würden.

Warum aber klappt die Wiederansiedlung bei den Äschen nicht? Kugler führt dafür zwei Gründe ins Feld, die eng miteinander zusammenhängen: Der Äsche fehlt es an Laichplätzen und gleichzeitig droht Gefahr aus der Luft: Der Kormoran macht Jagd auf die Fische. «Weil sich die Fische an bestimmten Stellen im Linthkanal häufen, sind sie für die Raubvögel auch leichte Beute», meint Kugler.

Zur Verbesserung der Laichmöglichkeiten für die Äschen sind zusätzliche Kiesschüttungen nötig. Die Machbarkeit einer solchen Massnahme wird aktuell mit einem Strömungsgutachten geklärt. Dabei müssen auch die Sicherheitsaspekte im Bereich des Hochwasserschutzes berücksichtigt werden.

Jagdzeit während Laichzeit

Nebst mehr Laichplätzen geht es aber auch dem Kormoran an den Kragen. Nach Absprache zwischen den Jagdbehörden der Kantone St. Gallen, Glarus und Schwyz sowie des Bundes ist geplant, die Kormoranschonzeit um sechs Wochen zu verkürzen und – vorerst befristet bis ins Jahr 2021 – an ausgewählten Strecken des Linthkanals auf neu 16. April bis 31. August zu reduzieren. Die Jagdzeit für Kormorane gilt nun auch während der sensiblen Laichzeit der Äschen.

Grössere Fische fangen

Seit dem 1. Januar 2018 gilt als dritte Massnahme zudem ein Äschen-Schonmass von 35 Zentimetern (bisher 32) sowie eine um einen Monat verlängerte Schonzeit. «Es ist zu hoffen, dass diese für die Fischer einschneidenden Massnahmen dazu beitragen, die Trendwende für den Äschenbestand des Linthkanals endlich einzuleiten», schreibt die Fischereikommission für den Zürichsee, Linthkanal und Walensee in ihrem Bericht.

Klimawandel trägt Mitschuld

Dass die Fischbestände bei Felchen und Egli im Zürichsee rückläufig sind hat andere Gründe als im Linthkanal: Schuld sind der Gewässerschutz und die Klimaerwärmung. «Die Gewässer werden nährstoffarmer», sagt Kugler. Die Durchmischung der verschiedener Seeschichten funktioniert zudem schlechter als früher, weil die Winter wärmer sind. Weil mehr Licht in die Tiefen des Sees dringt, entsteht auch deutlich mehr Unterwasserrasen. Dieser wiederum eignet sich dafür als Laichgebiet für den Hecht. Dessen Verbreitung nimmt so stark zu, dass sich die Kantone im vergangenen Jahr dazu entschlossen haben, die Schonzeiten für Hechte aufzuheben.

Die Veränderungen des Klimawandels sind im Zürichsee und im Obersee unterschiedlich stark spürbar. Weil der Obersee flacher ist, kann dort der Nährstoffaustausch besser stattfinden. Nicht zuletzt deshalb dürften die Fangerträge im Obersee insgesamt sogar leicht zugenommen haben.

Bei den Felchen ist der Rückgang deutlich geringer als im Zürichsee. Um die Veränderungen bei der Felchen-Population in den beiden Seeteilen besser beobachten zu können, wurde das Monitoringprogramm vertieft. Zusätzliche Informationen zum Wachstum und dem Altersaufbau der Population sollen helfen, die Bewirtschaftung und Befischung der Art zu optimieren. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.06.2018, 17:23 Uhr

Walensee

Zehn Prozent weniger Fische

Im Walensee fingen die Berufsfischer 2017 mit 8,6 Tonnen knapp zehn Prozent weniger Fische als im Mittel der vergangenen zehn Jahre. Am häufigsten zappelten Felchen in ihren Netzen, wie es in der Mitteilung der Fischereikommission für den Zürichsee, Linthkanal und Walensee heisst. Zwar stieg der Fanganteil der Albeli ein wenig, dennoch bleibt diese Fischart für die Berufsfischer weiterhin unbedeutend. Die privaten Fischerinnen und Fischer fingen etwas mehr als im Vorjahr, vor allem Hechte, Felchen, Egli und Seeforellen. (red)

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