Rapperswil-Jona

Inselkönige auf Zeit

Sie suchten ein temporäres Zuhause ­– und wurden auf der Insel Lützelau fündig. Weil ihre Wohnungen umgebaut werden, leben zwei Familien aus Rapperswil vorübergehend auf der Insel im Zürichsee. Die fünf Kinder haben nun den wohl abenteuerlichsten Schulweg seit Langem.

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Baulärm, viel Staub, kein fliessend Wasser. Und das mehrere Wochen lang. Darauf hatten die beiden Familien keine Lust. Schnell war klar: Während ihre beiden übereinanderliegenden Wohnungen renoviert werden, müssen sie für sechs Wochen irgendwo anders unterkommen.

An einem Ort, wo es ruhiger ist – ruhig und trotzdem nahe vom Stadtzentrum. Dass es dann gleich eine Oase mitten auf dem Zürichsee sein würde, hatte im ersten Moment niemand gedacht.Es knattert, ein kleines Motorboot tuckert auf den Hafen Rapperswil zu. Die sechsjährige Tara springt auf und winkt aufgeregt. «Dä ‘Gaga-Flitzer’ chunnt!», ruft ihr Bruder Chandra. Am Steuer sitzt die Mutter der beiden, sie kommt, direkt von der Insel Lützelau. Doch es geht nicht etwa für einen Badeausflug auf die Camping-Insel. Vielmehr ist die Lützelau vorübergehend ihr Zuhause.

Den schönsten Platz

Das neue Daheim sind zwei Zelte, von denen das eine stolz auf einem Hügel thront. Hier leben die beiden «Robinsonfamilien»: Sie, das sind Marina Satapathy mit ihren drei Kindern Tara, Chandra und Amira sowie Markus Buchli mit seiner Frau Regula und den Kindern Laurin und Paulina. Auf der Lützelau sind die beiden Familien, die schon länger befreundet sind, nicht das erste Mal: In den letzten Jahren campierte vor allem Markus Buchli mit den Kindern öfter für ein paar Tage auf der Insel. Nun sei der Zeltplatz auf dem Hügel, auf dem man sogar das Schloss Rapperswil erspähen kann, befristet frei geworden.

«Der spiegelglatte See, die Ruhe, der Sonnenaufgang – das gibt Energie für den  ganzen Tag»Markus Buchli «Lützelau-Bewohner»

Die Gelegenheit kam wie gerufen. Ein Zelt war vorhanden, das Boot, den «Gaga-Flitzer», konnten sie kurzfristig ausleihen. «Auch wenn ich ein wenig Startschwierigkeiten hatte», sagt Marina Satapathy schmunzelnd. Beim ersten Versuch, den Motor zu starten, zog sie zu fest am Anlasser und setzte den Motor für kurze Zeit ausser Gefecht.

Mit dem Kanu unterwegs

Mittlerweile steuert sie das kleine Boot aber versiert über den See. Morgens und abends chauffiert die dreifache Mutter die jüngeren Kinder von der Lützelau nach Rapperswil und holt sie später wieder ab. Die Älteste, die 13-jährige Amira, nimmt den Schulweg jeweils paddelnd mit dem Kanu in Angriff – zusammen mit Markus Buchli. «13 Minuten war unser Rekord», sagt die Schülerin stolz.

Den morgendlichen Ausflug geniessen nicht nur die Kinder: «Der spiegelglatte See, die Ruhe, der Sonnenaufgang – das gibt Energie für den ganzen Tag», schwärmt Markus Buchli. Und der neunjährige Chandra findet es schlicht «cool», morgens mit dem «Gaga-Flitzer» über den See zu brausen. Seine Kollegen staunten nicht schlecht, als er ihnen von seinem neuen Wohnort erzählte. Und davon, dass er nach dem Ufzgi-Machen mal eben schnell Schnorcheln geht.

Unliebsame Krabbeltiere

Das Leben auf der Insel sei aber nicht immer so idyllisch, wie man es sich vielleicht ausmale, erzählt Marina Satapathy. «Ich stellte mir anfangs vor, jeden Morgen vor dem Frühstück gemütlich im See zu schwimmen.» Bislang blieb dafür aber keine Zeit: Aufstehen, Wasser für den Kaffee aufkochen und rasch frühstücken, so fasst sie die morgendliche Routine zusammen. Denn der Tag wird trotz dem friedvollen Ambiente auf der Insel vom strukturierten Rhythmus auf dem Festland bestimmt. Zudem müssen Marina Satapathy und die Kinder, anders als die Familie von Markus Buchli, morgens erst ihre Matratzen aus dem Zelt schaffen: Weil ihr Campingplatz im Schatten und nahe am Seeufer liegt, werde nachts schnell alles feucht. Und die Spinnen, die immer wieder Eingang ins Zelt finden – auch daran musste sich die Familie erst gewöhnen.

Trotzdem hat die achtköpfige Gruppe in ihr temporäres Zuhause liebgewonnen. Abends wird grilliert oder Spaghetti über dem Feuer gekocht. Die «Schoggibananen» würden sie vermissen, sagen die Kinder, wenn sie Ende September wieder ein festes Dach überm Kopf haben. Wer weiss, sagt Markus Buchli: Vielleicht finde das Insel-Abenteuer nächsten Sommer ja eine Fortsetzung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2017, 15:45 Uhr

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