Cyberschutz

«IT-Sicherheit ist für Unternehmen oft wie ein Klotz am Bein»

Die Hackerangriffe auf Unternehmen nehmen zu. Im Windschatten von weltweiten Attacken kommt es täglich zu kleineren Vorfällen. IT-Sicherheitsexperte Ivan Bütler erklärt wie sich Banken heutzutage schützen.

Die Bedrohungslage bezüglich Cyberattacken ist für Unternehmen in den letzten Jahren gestiegen, meint IT-Sicherheitsexperte Ivan Bütler.

Die Bedrohungslage bezüglich Cyberattacken ist für Unternehmen in den letzten Jahren gestiegen, meint IT-Sicherheitsexperte Ivan Bütler. Bild: Symbolbild/Keystone

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Wie sicher sind die Kundendaten bei den Banken im Zeitalter der Cyberkriminalität?
Ivan Bütler: Die Finanzindustrie hat sich aufgrund der Online-Banking-Thematik schon sehr früh mit IT-Sicherheit und der Abwehr gegen Hacker und Cyberkriminelle beschäftigt. Die gegenüber dem Internet exponierten Systeme der Banken sind sehr gut geschützt. Ein direkter Angriff auf eine Schweizer Bank ist nicht ausgeschlossen, jedoch nur für Profis mit Spio­nageabsichten theoretisch möglich. Daher fokussieren sich die monetär interessierten Kriminellen auf die Endgeräte der Kunden und versuchen mittels Viren und Trojanern einen digitalen Einbruch durchzuführen. Die Banken haben beispielsweise mittels SMS-Verifikation zusätzliche Hürden eingebaut, sodass eine Zahlung nicht ohne weiteres ausgeführt wird. Einen 100-Prozent-Schutz gibt es nicht – weil sowohl Mensch als auch Technik immer wieder Lücken aufweisen.

Wie hoch ist das Problembewusstsein bezüglich Cyberkriminalität bei Schweizer Firmen?
Schweizer Unternehmer leiden unter dem starken Schweizer Franken und müssen ständig innovativ am Markt agieren. Hierbei ist die IT-Sicherheit wie ein Klotz am Bein, welche oft als mühsam und unnötig angeschaut wird. Erst wenn Angriffe wie WannaCry und Ähnliches passieren, werden die Unternehmen hellhörig und wollen umgehend ihre Sicherheit verbessern. Cybersicherheit ist jedoch kein Produkt, das man einmalig kaufen und dann gut schlafen kann. Cybersicherheit ist ein Prozess, dem man sich täglich stellen muss. Eini­ge Branchen sind sich dieser Entwicklung schon sehr früh bewusst geworden, wie Banken und Versicherungen. Andere hinken hinterher. Das Gesundheitswesen und viele Teile der Industrie sind noch leichte Beute für professionelle Hacker. Und es wird aufgrund der rasanten Entwicklung und Digitalisierung zunehmen schwer, Schritt zu halten.

Ist die allgemeine Bedrohungslage für Unternehmen im ­Bereich Cyberkriminalität in den letzten Jahren gestiegen?
Ja, auf jeden Fall. Wir erleben ­aktuell den Wilden Westen im Cyberspace. Es wird geschossen und geklaut, was das Zeug hält, und die Diebe gehen meist schadlos aus. Wir können deren Ursprung nicht wirklich eruieren, wenn der Hacker über Drittstaaten ohne Auslieferungsabkommen arbeitet. Durch die neuen Möglichkeiten mit dem iPhone und Android, mit den digitalen Helferlein im Heimbereich und im Auto werden ungeahnte neue Möglichkeiten geöffnet. Es wird in Zukunft immer mehr Möglichkeiten geben, die Hacker und Cyber­krimi­nelle für sich auszunützen versuchen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.07.2017, 11:31 Uhr

Ivan Bütler, Sicherheitsexperte und Gründer der Compass Security AG, Jona.

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