Rapperswil-Jona

Ex-Tourismus-Chef kritisiert Pläne für Altstadt-Förderer

Ein Altstadt-Förderer soll helfen, die Tourismuszone zu beleben und zwischen den Altstadtgruppen mit ihren unterschiedlichen Interessen zu vermitteln. Für den Ex-Tourismus-Chef, Reto Klotz, ist diese Idee zum Scheitern verurteilt.

Sieht den Stadtrat in der Pflicht: Reto Klotz hält nichts davon, einen Altstadt-Förderer einzusetzen.

Sieht den Stadtrat in der Pflicht: Reto Klotz hält nichts davon, einen Altstadt-Förderer einzusetzen. Bild: Pascal Buesser

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Das isch en fertige Gugus.» Reto Klotz formuliert unverblümt, was er von der Idee eines Altstadt-Förderers in Rapperswil-Jona hält. Der Immobilienunternehmer, ehemalige Bausekretär von Rapperswil und Präsident des früheren Verkehrsvereins Rapperswil-Jona verfolgt die aktuelle Diskussionen zur Belebung der Altstadt mit grosser Skepsis. In einem dreiteiligen Workshop hat die Stadt 2017 mit den Altstadtakteuren mögliche Strategien diskutiert. Eine zentrale Massnahme ist laut Ergebnisbericht die Gründung eines neuen Altstadtvereins, respektive -forums, in dem Vertreter der verschiedenen Altstadtgruppen Einsitz haben sollen.

Zudem ist die Einsetzung eines Altstadtförderers geplant. Gesucht wird laut Bericht eine «professionelle, bestens vernetzte und charmante Person», welche die Handlungen der unterschiedlichen Akteursgruppen «ständig und bestmöglich koordiniert». Der Altstadtförderer soll neutral aufgestellt, sprich der Stadt und privaten Akteursgruppen gleichermassen verpflichtet sein und auch gemeinsam finanziert werden.

Zweifel an Kandidaten

Klotz glaubt nicht daran, dass es eine Person gibt, die mit keinem der existierenden Gruppen zu eng verbandelt ist, gleichzeitig aber genug Fachwissen und Durchsetzungsvermögen mitbringt, um von allen Akteuren ernst genommen zu werden.

Für ihn ist die Idee bereits im Ansatz falsch. «Wenn man eine weitere Instanz zwischen der Stadt und den bestehenden Altstadtvereinen schafft, führt das zu einer Verschwendung von Energie und Ressourcen», ist Klotz überzeugt. «Wenn es zählt, muss am Ende sowieso der Stadtrat entscheiden.» Nur dieser habe das Gewicht und die Legitimität, um Entscheide durchzusetzen. Ein Altstadtförderer hat aus seiner Sicht deshalb «keinen Nutzen, sondern ist eine zusätzliche Hürde.»

Auch das neue Altstadtforum, das sich momentan in der Geburtsphase befindet, sieht Klotz deshalb kritisch: «Ich gebe diesem neuen Verein maximal drei Jahre.» Man habe sonst schon überall Mühe, Leute zu finden, die sich engagieren. «Es sei denn, sie haben Eigeninteressen.» Wenn es überhaupt ein neues Gefäss brauche, solle man eine Altstadtkommission einrichten mit den Vertretern der bestehenden Altstadtvereine, präsidiert von einem Stadtrat. «Die Ansprechpartner sind für die Stadt vorhanden», meint Klotz. «Es braucht keinen neuen Verein.» Die Anwohner (wohnliche Altstadt), die Gastronomen (gastliche Altstadt), die Ladenbesitzer (Einkaufsziel) als auch der Tourismus verfügen über eigene Vereinsstrukturen.

Bereits etabliert sei zudem die Festagenda. Einmal im Jahr trifft sich der Stadtrat mit den Vereinen zur Planung der Festtermine. «Das könnte man auch vierteljährlich durchführen», meint Klotz.

Hoffnung auf Schloss

Dass sich die Altstadt verändert, bestreitet Klotz nicht. «In meiner Jugend gab es noch ein halbes Dutzend Metzger und sieben oder acht Bäckereien.» Doch der Strukturwandel sei nicht aufzuhalten. Auch nicht an runden Tischen. Dass es vor allem auswärtige Liegenschaftsbesitzer ohne Bezug zur Altstadt seien, die maximale Mieten herauspressen, sei im Übrigen ein Mythos. «Ich kenne einige Einheimische, die Spitzenreiter sind bei den Mieten.»

Wichtig aus Klotz’ Sicht wären bessere Schiffskurse in den Wintermonaten. Das sei die schwierige Zeit für die Läden und die Gastronomie in der Altstadt. «Dafür müsste sich die Stadt einsetzen, auch wenn es schwierig ist.» Respektive müsste die Stadt den Ausbau zum grossen Teil finanzieren. Hoffnung setzt Klotz auf das neue Konzept im Schloss. «Das wird die grosse Attraktion», ist er überzeugt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 17:08 Uhr

Workshops

«Mehr Miteinander, weniger gegeneinander»

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona hat 2017 einen Workshop mit rund 40 Teilnehmenden auf die Beine gestellt – zusammen mit dem Planungsbüro Intosense. Thema: «Kooperative Altstadtentwicklung». Sprich: Wie bringt man die unterschiedlichen Akteure in der Altstadt dazu, an einem Strang zu ziehen? Hintergrund ist der Strukturwandel, der vielen Sorgen bereitet. Der Detailhandel ist schon praktisch ganz aus der Altstadt verschwunden, bei kleinen Läden gibt es wegen der hohen Mieten viele Wechsel, zudem bedroht der Internethandel deren Zukunft.

In drei Workshops wurde letztes Jahr ein Bündel an Massnahmen definiert, wie die Altstadt belebt werden könnte. Die Interessen der Altstadtakteure gehen indes weit auseinander: Hier die Anwohner, die sich gegen zu viele Events und Trubel in der Altstadt wehren, da der Tourismus und die Gastronomen, die möglichst viele Gäste wünschen sowie die Ladenbesitzer, die neben viel Publikum auch -bezahlbare Mieten fordern. Auf der anderen Seite stehen oft die Hauseigentümer, die auf hohe Renditen ihrer Liegenschaften aus sind. Eine offenbar breit begrüsste Idee aus dem Workshop ist, dass künftig ein Altstadtförderer zwischen den Interessen vermittelt. Dies soll auch in einem neuen Altstadtforum geschehen, das sich mit elf Mitgliedern in der Gründung befindet.

Wer alles dabei ist, will Bauchef Thomas Furrer bis zur offiziellen Gründung des Forums – formell ein Verein – nicht verraten. Ebenso wenig, bis wann der Altstadtförderer gewählt werden soll. Das Motto für das Forum sei «Mehr Miteinander, weniger gegeneinander». Nicht für jeden Entscheid brauche es den Stadtrat. «Was es vorab braucht, ist eine Altstadtkultur», meint er. Der Förderer dürfe durchaus verbandelt sein, müsse aber den Gesamtblick bewahren. Ob das neue Forum den gewünschten Effekt habe, könne man dann nach zwei bis drei Jahren bilanzieren. «Man muss es einmal ausprobieren», findet Furrer. (pb)

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