Gommiswald

«Endlich läuft mal etwas in unserem Kaff»

Die Tour de Suisse war zu Gast in Gommiswald. Gross und Klein genossen das Volksfest und peitschten die Radcracks nach 186 Kilometern ins Ziel.

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Weisse Kreuze auf rotem Grund, energische Hopp-Rufe untermalt von schrillen Vuvuzelaklängen – in Gommiswald herrschte am Donnerstag ausgelassene Volksfeststimmung. Der Grund war nicht etwa die beginnende Fussballweltmeisterschaft, sondern der Besuch des Tour-de-Suisse-Tross im Linthgebiet. Die sechste Etappe führte die Rennprofis von Fiesch VS via Furka- und Klausenpass ins Gasterland.

«Megacool, endlich läuft mal etwas in unserem Kaff», fasst es die 14-jährige Sangmo zusammen. «Das ist viel besser als Schule», ergänzt ihre Freundin Mirjam. Die beiden Gommiswalder Oberstufenschülerinnen haben soeben das Schülerrennen hinter sich gebracht. Drei Kilometer galt es zu überwinden. Die letzten Meter durften die Schülerinnen und Schüler angefeuert durch ihre Familien und Freunde gar auf der Originalstrecke zurücklegen. Nach der Pflicht, folgt nun das Vergnügen: Mirjam und Sangmo geniessen es sichtlich durch das Tour-de-Suisse-Village zu ziehen. Denn zu sehen und erleben gibt es da so einiges.

«Das halbe Dorf hat frei genommen»

Im Zelt des Tour-Hauptsponsors üben sich die beiden Ex-Miss-Schweizen Dominique Rinderknecht und Linda Fäh gerade im Lippenlesen: «Ah, Schupfnudeln», platzt es da aus dem Mund der Benknerin Fäh. Schallendes Gelächter bricht aus. «Strumpfho-s-e-n», probiert es Rinderknecht noch einmal. Der Zwanziger fällt. Challenge completed. Die Menge tobt. Nun bietet sich die Gelegenheit für Selfies und Autogramme.

Währenddessen hastet Daniel Schmucki, Medienchef des Gommiswalder OKs, von einem Ort zum anderen. Trotz des vielen Hin- und Hers ist Schmucki bester Laune. «Das halbe Dorf hat frei genommen, um hier zu sein. Das ist einfach toll.» Bereits um zwei Uhr morgens hätten die ersten Helfer ihre Dienste angetretten. Nach rund 13 Stunden Arbeit ist es nun Zeit für eine erste Bilanz: «Bisher läuft alles hervorragend.» Einzig ein Gutschein, der später am Abend als Preis übergeben werden soll, sei nicht rechtzeitig angekommen.

Aber auch dieses Problemchen kann Schmucki nicht aus der Ruhe bringen. «Ich nehme den ganzen Tag, wie er kommt.» Sagt es, und hängt schon wieder am Handy. Nicht verzagen, den Schmucki fragen, scheint die Devise des Tages. Das zeigt sich auch wenig später: «Dani hast du noch von den roten Armbändchen.» Selbstverständlich hat er. «Ich trage alles, von Sicherheitsnadel bis zum Goldvreneli bei mir.»

Nach dem Rennen ist vor dem Volksfest

Immer mehr Menschen strömen jetzt auf das Tour-de-Suisse-Gelände. Fleissig werden die vielen Werbegeschenke eingesammelt, die die diversen Toursponsoren bereit halten. Manch einer versucht sich auch im Zielwurf oder erkundet mittels 360-Grad-Brille die Welt des Schweizer Fernsehs.

«Mein Herz läuft Marathon», singt Helene Fischer. Den Renncracks dürfte es gerade ähnlich gehen. Gut 60 Kilometer sind sie jetzt noch vom Etappenziel entfernt. Über 120 haben sie bereits in den Beinen. Auf dem zwei Grossbildschirmen können auch die Zuschauer in Gommiswald das Geschehen mitverfolgen. Vor Ort ist auch Georges Lüchinger. Seit 1991 ist er der offizielle Speaker der Tour de Suisse und versorgt die Zuschauer an den Etappenziele mit den wichtigsten Renninformationen. Nicht alle vermögen seinem Redeschwall immer ganz zu folgen, derart schnell reiht Lüchinger die Sätze aneinander.

«Eine Viertelstunde noch», verkündet der Speaker dann aber. Diese Botschaft haben gross und klein verstanden. Alle strömen sie nun in den Zielbereich. Mit kleinen Kuhglocken und Schweizer Fähnli ausgestattet Reihen sie sich an den Gittern auf den letzten gut 100 Metern Rennstrecke auf. Und auch die Handys sind gezückt. Unter tosendem Applaus wird Tagessieger Sören Kragh Andersen in Gommiswald empfangen. Nur wenig dahinter kommt mit Richie Porte auch das Gelbe Leadertrikot ins Ziel. Kaum geschehen löst sich der grösste Teil des Menschenmobs auch schon wieder auf. Die einen zieht es gleich nachhause, die anderen zum Bier- oder Wurststand. «Jetzt beginnt das Volksfest», fasst es Daniel Schmucki zusammen.

Während die Tour- und Medienverantwortlichen bereits den nächsten Tag im Blick haben, fängt für das Gommiswalder OK der Event erst richtig an. Für die lokale Bevölkerung wurde in der Halle der Holzbau Linth GmbH ein vielfältiges Abendprogramm zusammengestellt. Man habe sich kaum vor Anmeldungen retten können, erzählt Schmucki. Vor allem der Fan-Talk mit ehemaligen Radrennfahrern, moderiert durch die Radiolegende Henri Gammenthaler, habe die Massen angezogen.

Das offizielle Festprogramm von Gommiswald endet um Mitternacht. Gleich danach geht es ans Aufräumen. Bei Sonnenaufgang dann wird die Tour bereits nur noch eine schöne Erinnerung in den Köpfen der Gommiswalder sein. Für die Eschenbacher hingegen geht der Velo-Trubel erst richtig los. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 20:33 Uhr

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