Rapperswil-Jona

Eisvogeleltern suchten ihre Jungen vergebens

Ein Fuchs holte sich die kaum eine Woche alten Jungvögel eines Eisvogelpaars. Das Hochwasser hatte dem Räuber den Zugang zum Brutplatz ermöglicht.

Dieser Fisch wäre für die Jungen bestimmt gewesen. Doch der Eisvogel musste ihn am Schluss selbst verspeisen.

Dieser Fisch wäre für die Jungen bestimmt gewesen. Doch der Eisvogel musste ihn am Schluss selbst verspeisen. Bild: Roman Gubler

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Auf den ersten Blick sind es faszinierende Bilder, die dem Eschenbacher Naturfotografen Roman Gubler am Pfingstsonntag gelangen: Eisvögel mit Fischbeute im Schnabel, aufgenommen im Gebiet Jona. Wo genau sich die Eisvogelhöhle befindet, ist ein gut gehütetes Geheimnis unter Vogelschützern und -kennern. Doch die Idylle auf den Bildern täuscht, wie Roman Gubler der «Zürichsee-Zeitung» berichtet. Dahinter steht eine traurige Geschichte.

In der Nacht auf Pfingstsonntag hat ein Fuchs die Eisvogelhöhe geplündert. Roman Gubler entdeckte am Tag darauf die Kratzspuren des Räubers. «Das Hochwasser hat den Zugang geöffnet, sodass der Fuchs hinaufklettern konnte.» Der Naturfotograf kennt sich mit Eisvögeln bestens aus, sind sie doch seit zehn Jahren seine Hauptleidenschaft. Eisvögel brüten in Brutröhren, die bis zu 80 Zentimeter in die Wand hineinreichen (siehe auch Kasten). Der Fuchs hatte also einiges zu tun, bis er zu den Jungen vorstiess.

Eine Stunde lang gewartet

Roman Gubler konnte beobachten, wie die Eisvögel mit Fischen im Schnabel zur Brutröhre flogen. die Jungen dürften vor rund einer Woche geschlüpft sind. Über die Feiertage nahm das Schicksal dann seinen Lauf. «Die Eisvogeleltern kamen am Pfingstsonntag morgens über eine Stunde mit Fischen im Schnabel für die Jungen. Sie pfiffen immer wieder nach ihnen und suchten sie verzweifelt», schildert Gubler die tragische Geschichte. Denselben Fisch hätten sie eine ganze Stunde im Schnabel behalten und hätten immer wieder versucht, die Jungvögel zu finden. «Erst danach resignierten sie und assen den gefangenen Fisch selbst.»

Wie der Naturfotograf weiss, ist es nicht das erste Mal, dass Eisvogeljunge im Gebiet Jona einem Fuchs zum Opfer fallen. Doch die Natur wäre nicht sie selbst, wenn in der gleichen Geschichte nicht auch schon wieder ein Fünkchen Hoffnung auf neues Leben bestünde: Während das Weibchen mit dem Fisch im Schnabel noch etwas länger ausharrte, bemühte sich das Männchen bereits um die Zukunft und fing an, die Brutwand mit dem Schnabel abzutasten, um herauszufinden, wo man als Nächstes eine Brutröhre bohren könnte. Danach verschwanden die beiden Eisvögel wieder, wie Gubler erzählt. Vielleicht sind schon bald wieder fleissige Eisvogeleltern mit Fischen im Schnabel zu beobachten.

Der Eisvogel zählt in der Schweiz zu den bedrohten Vogelarten. Er brütet bis zu dreimal pro Jahr. Neben dem erwähnten Eisvogelpaar haben Vogelkenner im Gebiet Jona übrigens noch ein zweites beobachtet.

Erstellt: 26.05.2015, 20:36 Uhr

Der Eisvogel

Dank seiner farbenprächtigen Erscheinung und seiner faszinierenden Lebensweise ist der Eisvogel so populär und beliebt wie kaum eine andere Vogelart – und doch ist sein Bestand in der Schweiz bedroht. Rund 300 Exemplare gab es gemäss Angaben der Vogelwarte 2004. Der Eisvogel besiedelt mässig fliessende oder stehende Gewässer. Das Kanalisieren von Bächen und Flüssen und die Gewässerverschmutzung brachten den Eisvogel auf die Rote Liste. Er ernährt sich fast ausschliesslich von Fischen. Diese erbeutet er, indem er sich von einer Warte kopfüber ins Wasser stürzt. Um seine Jungen aufzuziehen, gräbt der Eisvogel 40 bis 80 Zentimeter lange Brutröhren in Steilwände. Ganz zuhinterst in der Röhre, in einem ausgeweiteten Brutkessel, legt das Weibchen vier bis sechs Eier und brütete diese während dreier Wochen aus. Die Jungvögel verlassen die Brutröhre nach rund 25 Tagen und werden danach noch einige Tage von den Eltern gefüttert.

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