Amden

Eine Baustelle hoch über dem Walensee

Damit Wanderer zwischen Betlis und Quinten künftig vor Felsstürzen geschützt sind, wird über der gefährlichen Strecke derzeit eine Galerie errichtet. Dafür mussten Tonnen an Material in luftige Höhe befördert werden.

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Wer hier arbeitet, muss schwindelfrei sein. Dicht an der Felswand wühlt sich ein Bagger durchs Geröll – ein Stück weiter rechts, und er würde den steilen Abgrund hinabdonnern. Könnte man zumindest meinen. Doch die Arbeiter, die hier auf rund 600 Metern und hoch über dem tiefblauen Walensee werkeln, wissen, was sie tun. Es hämmert, dröhnt, klopft und surrt im Akkord. Josef Gall, dessen Team die Arbeiten ausführt, steigt vom Bagger und deutet auf das Bergpanorama hinter ihm: «Eine schöne Baustelle, oder?»

Der Ort des Geschehens ist tatsächlich spektakulär: Schauplatz ist der Wanderweg zwischen dem Ammler Gemeindeteil Betlis und Quinten in der Gemeinde Quarten. Hier, direkt über dem ehemaligen Steinbruch Schnür, lösten sich im Mai 10 000 Tonnen Fels und donnerten in die Tiefe. Damit Wanderer künftig vor solchen Steinschlägen geschützt sind, wird über dem Wanderweg eine rund dreissig Meter lange und zwei Meter breite Stahlbaugalerie errichtet.

Der Wanderweg ist gegenwärtig gesperrt, seit rund zwei Wochen laufen die Bauarbeiten. Ende nächster Woche soll das Konstrukt fertiggestellt sein. Läuft alles nach Plan, kann die beliebte Wegstrecke danach wieder freigegeben werden. Fussgänger und Biker können die Strecke damit wieder problemlos – und sorgenfrei – passieren.

Mit Schiff und Helikopter

Einer, der den Bau der Galerie eng begleitet hat, ist Geologe David Imper. Alle zwei bis drei Tage nimmt er vor Ort einen Augenschein vor, um zu sehen, wie der Bau des Konstrukts voranschreitet. Die Bauarbeiten in luftiger Höhe sind eine Herausforderung, schildert er – in vielerlei Hinsicht. Bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen konnten, mussten Geröll, Äste und umgestürzte Bäume nach dem Felssturz weggeräumt werden. Damit das Bauwerk gut in den Fels eingepasst werden kann, wurde zudem ein kleines Wegstück weggesprengt. Schliesslich wurde der Bereich direkt davor aufgeschüttet, damit Bagger und Baumaterial mehr Platz haben

Die grösste Herausforderung aber war eine logistische, nämlich, Baumaschinen und Material vor Ort zu bringen. Rund 30 Tonnen Stahl und fünf Tonnen Mörtel verschlingt die Stahlkonstruktion. Mit dem Ledischiff und danach via Helikopter wurde das Material zur Baustelle befördert.

Schutz auch vor Lawinen

Damit die Galerie gut im Felsen verankert ist, werden die Stahlstützen einen bis anderthalb Meter tief im Boden befestigt, erklärt Imper. Es sei ein «robustes Bauwerk». Eines, das allfälligen weiteren Felsstürzen standhalten und das herunterfallende Material direkt in den darunterliegenden Steinbruch leiten würde. Auch grössere Gesteinsbrocken sowie Schneemassen und Lawinen würde das Dach aushalten. Ein einfaches Netz hätte an jener Stelle nicht ausgereicht. Dass direkt darunter der Steinbruch Schnür liegt, sei eine glückliche Fügung, sagt David Imper. Würde das Material in den See stürzen, könnte es für Wassersportler gefährlich werden.

Die Kosten für die Stahlbau­galerie belaufen sich auf rund 100 000 Franken. Davon übernimmt der Kanton 75 Prozent – weil der Wanderweg von überregionaler Bedeutung ist. Für den Rest kommen die betroffenen Gemeinden Amden und Quarten auf.

Im Gebiet der Betliserstrasse, die in den Wanderweg mündet, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Felsstürzen. Im Februar 2017 wurde eine Spaziergängerin von einem Stein so unglücklich am Kopf getroffen, dass sie mit der Rega ins Spital gebracht werden musste. Einen längeren Abschnitt des Wanderwegs mittels Galerie zu schützen, war für die Gemeinde Amden aber keine Option. Jedoch sollen im kommenden Winter heikle Stellen entlang der Strasse saniert werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.07.2018, 09:38 Uhr

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