Rapperswil-Jona

Ein buntes Kleid und Champagner zum 20. Geburtstag

Rosen, Herzen und ganz viel Farbe: Die Buchstaben auf dem Hauptplatz haben zu ihrem Abschied ein neues Kostüm erhalten. Nach 20 Jahren und mehr als 500 Wortkreationen werden sie durch neue Modelle ersetzt. Schüler setzten die Lettern gestern ein letztes Mal in Szene.

Für einmal in Farbe statt in simplem Weiss: Schüler haben die Buchstaben am Rapperswiler Hauptplatz verschönert. Bald werden sie durch neue, leichtere Modelle ersetzt.

Für einmal in Farbe statt in simplem Weiss: Schüler haben die Buchstaben am Rapperswiler Hauptplatz verschönert. Bald werden sie durch neue, leichtere Modelle ersetzt. Bild: David Baer

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Sie standen schon verkehrt herum, wurden angerempelt, umgeschubst, entführt, und einmal sogar geklaut: Die Buchstaben auf dem Rapperswiler Hauptplatz haben viel durchgemacht in den letzten 20 Jahren.

Hin und wieder stand einer von ihnen schräg auf dem Platz, oder es schlich sich ein Lapsus ins Wortspiel. Neu gestrichen wurden die Buchstaben regelmässig, doch irgendwann nützte auch das nicht mehr. «Marode» seien sie mittlerweile, sagt ein Mitarbeiter vom Werkdienst, das Holz zersetze sich innerlich. Gestern nun hat ihr letztes Stündchen geschlagen.

Buchstaben, die plaudern

Der Abschied der altehrwürdigen Buchstaben ist zugleich Anlass, zu feiern. Stolze 20 Jahre haben die weissen Lettern auf dem Buckel. Für die Stadt ein Grund, die traditionellen Buchstaben noch einmal so richtig in Szene zu setzen. Bevor die neuen, leichteren Aluminium-Modelle aufgestellt werden, haben sich Schulklassen dem «alten» Abc der Stadt angenommen und einzelne Buchstaben verschönert. Gestern präsentierten sie ihr Werk auf dem Hauptplatz: «Jubilieren», steht quer vor dem Schlossaufstieg. Einige Buchstaben sind mit Kunstrasen umhüllt oder mit Rosen und Champagnergläsern verziert, andere mit einem Dialog versehen. Bei Letzteren muss der Betrachter vom einen zum anderen laufen, um den Schwatz der beiden Lettern zu verfolgen.

Zu ihren Buchstaben kam die Stadt Ende der 90er Jahre. Ursprünglich dienten sie als Ersatz für eine unschöne Barriere, die eine Fahr- und Parksperre signalisierte. Auf einer Idee des damaligen Stadt- und heutigen Regierungsrates Martin Klöti basierend, lief 1998 mit «Flanieren» das erste Wortspiel über den Hauptplatz. Es kam so gut an, dass die Buchstaben beibehalten und irgendwann zum Markenzeichen der Stadt wurden.

Vom Tunnel bis zum Zirkus

Insgesamt 37 Buchstaben besitzt das Bauamt heute, alle zwei Wochen verkünden sie etwas Neues. 512 Wortspiele waren es in den letzten 20 Jahren. 2015 war das Jahr mit den meisten Kreationen, stolze 33 Mal wurden die Lettern in jenem Jahr neu angeordnet. Das kürzeste Wort war «Olma», das am häufigsten verwendete «Iron Man», blickte Stadtrat Thomas Furrer zurück. Letzteres wurde 12 Mal verwendet – «wohl, weil uns nichts Besseres eingefallen ist», scherzte der Bauchef.

Auch Abschiede oder Aktuelles aus der Stadtpolitik diente als Inspiration. «Der Tunnel» hiess es 2011 vor der Abstimmung zum Stadttunnel, «Ciao Beni», als sich der frisch gewählte Regierungsrat Benedikt Würth im gleichen Jahr nach St. Gallen aufmachte. Auch der Circus Knie oder die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) waren, wie Furrer sagt, «regelmässige Kunden auf dem Hauptplatz».

Der Mann im Hintergrund

Ebenfalls einen Augenschein vor Ort nahm gestern Hansueli Keller, der «Urvater» der Buchstaben. Fast 20 Jahre lang hatte er die Buchstaben unter seiner Fittiche, dachte sich regelmässig neue Wortspiele aus. Wichtig war ihm stets, auf aktuelle Geschehnisse Bezug zu nehmen. Anfragen, mit den Buchstaben einem frisch vermählten Paar oder zu Geburtstagen zu gratulieren, habe er stets verneint. «Sonst wären ja ständig irgendwelche Namen auf dem Platz gestanden.»

Und: Der Herr der Buchstaben blieb stets bescheiden, wirkte lieber im Hintergrund. Ganz ohne Würdigung kam er aber doch nicht davon: Zu seiner Pensionierung vor einem Jahr richteten die Buchstaben eine persönliche Abschiedsbotschaft an ihn: «Ciao Ueli».


Die farbigen Buchstaben bleiben bis zum 4. Juni auf dem Hauptplatz. Dann werden sie durch die neuen, wiederum weissen, Aluminium-Modelle, ersetzt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 17:05 Uhr

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