Ufenau

Ein Herz für Kirche und Kapelle

Die Geschichte der Sakralbauten auf der Ufenau reicht weit zurück. Um den vielen Facetten von Kirche und Kapelle gerecht zu werden, gruben sich die Restaurateure durch beinahe 900 Jahre an Dokumenten. Überraschungen gab es während der Restaurierung trotzdem.

Die Kirche St. Peter und Paul vor und nach der Restaurierung. Hinter der Holzdecke kamen die Wandmalereien an der Chorschulterwand zum Vorschein, die rechts zu sehen sind. Bild: zvg.

Was will das Gebäude? Das ist die Frage, welche die Restauratoren der Firma Fontana und Fontana aus Rapperswil-Jona jeweils beantworten wollen. So auch bei den Sakralbauten auf der Insel Ufenau, die sie vor zehn Jahren, als Teil der Gesamtsanierung der Insel der Stille, restauriert haben. Sowohl die Kapelle St. Martin wie auch die Kirche St. Peter und Paul waren in die Jahre gekommen. 1141 errichtet, stehen sie auf den Ruinen noch älterer Gebäude. Unter der Kirche sind sogar die Überreste eines gallorömischen Tempels zu finden. Die letzte Restaurierung hatte Mitte des 20. Jahrhunderts stattgefunden.

Um die Wünsche der Sakralbauten zu erkennen, mussten die Restauratoren die Gebäude im Hier und Jetzt, aber auch in der Vergangenheit kennenlernen. «Man muss die Geschichte eines Gebäudes kennen, um damit in die Zukunft zu gehen», erklärt Claudio Fontana, Mitinhaber des Unternehmens, dass er unter anderem mit seiner Schwester Sylvia führt.

Fotos erst seit kurzer Zeit

So tauchten die Sanierer in die Archive ab. Unterstützt wurden sie dabei von Architekten, Denkmalpflegern, dem Kloster Einsiedeln und Hobbyhistorikern. Eine Schwierigkeit war, dass früher anders und weniger dokumentiert wurde, erklärt Sylvia Fontana. «Mit Fotos können wir erst ab ungefähr 1880 rechnen», gibt sie zu bedenken.

Doch auf Dokumente alleine können sich die Experten nicht verlassen. Nicht immer stimme die Dokumentation mit dem tatsächlichen Zustand des Gebäudes überein, sagt Claudio Fontana.

Daher untersuchten die Fontanas und ihr Team auch die Gebäude selbst. So gingen sie zum Beispiel mitten in der Nacht in die Kirche St. Peter und Paul und beleuchteten sie mit UV-Licht. Dadurch kommen Spuren zutage, die das menschliche Auge nicht erkennen kann. Überhaupt sei gutes Licht zentral, betont Sylvia Fontana. Da seien die heutigen Restauratoren gegenüber ihren Vorgängern im Vorteil. Doch die wichtigsten Arbeitsgeräte seien «Auge und Hand, Verstand und Herz. Und vor allem die Geduld», fügt Claudio Fontana an.

Nebeneinander der Epochen

Das Hauptziel der Sanierung war, die Gebäude wieder «gesund» zu machen, wie Sylvia Fontana sagt. Salz, das sich über die Jahre in den Gemäuern abgelegt hatte, musste entfernt werden. Die Malereien wurden gefestigt und gereinigt, «damit sie über die nächsten Generationen halten.» Die Kosten beliefen sich auf 2, 7 Millionen Franken.

Dabei wurden Wandmalereien aus verschiedenen Epochen restauriert und freigelegt. Den Restauratoren ging es nicht darum, ein Zeitalter zu betonen, indem etwa gewisse vergleichsweise jüngere Malereien entfernt wurden. Alle Epochen sind gleichberechtigt. Dadurch wird auch die Geschichtlichkeit der Sakralbauten betont. «Man sollte sich etwas überlegen, wenn man die Gebäude anschaut», fasst Sylvia Fontana den Ansatz zusammen.

Trotz aller Vorbereitung, machten die Restauratoren während der Sanierung überraschende Entdeckungen. So kamen an der Chorschulterwand in der Kirche St. Peter und Paul Malereien zum Vorschein. Sie waren hinter einer Holzwand versteckt, die bei der letzten Auffrischung eingezogen worden war.

«Restaurieren ist wie eine Operation am offenen Herzen», meint Claudio Fontana dazu. Man wisse, dass ein Herzleiden vorliege, doch gewisse Dinge sehe man erst, wenn der Schnitt gemacht wurde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.04.2018, 16:43 Uhr

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