Brutzeit

Die Zahl der Kiebitznester ist rekordverdächtig

24 Kiebitznester gibt es gegenwärtig im Pfäffiker Frauenwinkel, 17 im Nuoler Ried. Auch wenn die Zahlen noch nichts darüber aussagen, wieviele Jungvögel dereinst flügge werden, sind sie doch ein beachtlicher Erfolg für das Kiebitzprojekt der Stiftung Frauenwinkel. Doch der Aufwand ist gross.

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Nein, der junge Mann ist kein Vogeldieb. Er rettet im Auftrag der Stiftung Frauenwinkel einen jungen Kiebitz vor dem sicheren Tod. Der Bauer, der den Acker im Pfäffiker Frauenwinkel am Zürichsee bewirtschaftet, hat der Stiftung gemeldet, dass er pflügen will. In solchen Fällen schickt die Stiftung freiwillige Helfer oder Zivildienstler aus, um Nester und Jungvögel vor der Maschine zu schützen. Kiebitze bauen ihre Nester in einer Bodenmulde im kurzen Gras, in Äckern oder Flachmooren.

Die Nester müssen markiert und abgedeckt werden, sodass der Bauer sie umfahren kann. Die Brutzeit dauert bei den Kiebitzen knapp vier Wochen. Die fragilen Jungvögel, die als Nestflüchter sofort nach dem Schlüpfen in den Äckern auf Futtersuche gehen, werden für die Zeit eines landwirtschaftlichen Einsatzes eingesammelt und in eine Kiste gelegt. Das ist nötig, weil ihnen in den ersten zwei bis drei Wochen der Fluchtreflex noch fehlt. Nehmen sie eine Gefahr wahr, ducken sie sich – und werden damit für den Bauern auf dem Traktor noch unsichtbarer als sie es mit ihrer perfekten Tarnung ohnehin sind.

Grösste Kiebitzpopulationen in der Ostschweiz

Diesen aktiven Nesterschutz betreibt die Stiftung Frauenwinkel in Zusammenarbeit mit dem Kanton Schwyz seit 2013. Und die aufwendigen Massnahmen zeitigen Erfolg. 2014 wurden im Frauenwinkel immerhin schon zwei Küken flügge, ein Jahr später vier. 2016 überlebten elf Küken die ersten fünf Wochen bis zur vollen Flugfähigkeit und vor einem Jahr 31. Im Nuoler Ried am Obersee stieg die Zahl von 18 im Jahr 2013 auf 29 im Jahr 2017. Damit stellen der Frauenwinkel bei Pfäffikon und das Nuoler Ried die grössten Kiebitzpopulationen in der Ostschweiz.

Bevor die Stiftung ihr Projekt startete, hatten eine Handvoll Brutpaare über Jahre hinweg kaum ein flügges Jungtier mehr grossziehen können. Die hohe Zahl an Nestern diesen Frühling lässt auf einen neuerlichen Sprung nach oben in der Statistik schliessen. Andreas Kundela, Kiebitzbeauftragter der Stiftung Frauenwinkel, warnt aber vor voreiligen Schlüssen. Die Anzahl Nester lasse noch keine gültige Aussage über die Anzahl der Brutpaare und der flüggen Jungvögel zu. Diese sei erst im August möglich.

Auf Zusammenarbeit mit Bauern angewiesen

Der Kiebitz hat viele Feinde. Neben landwirtschaftlichen Maschinen, die Nester und Jungtiere überfahren können, sind es vor allem Füchse und Marder, aber auch Krähen und Greifvögel. Um Füchse von den Nestern fernzuhalten, stellen die Mitarbeiter und Helfer der Stiftung Frauenwinkel jeweils Ende März auf einer Länge von insgesamt 6,5 Kilometern Schutzzäune auf. Diese elektrisch geladenen Schafzäune müssen regelmässig kontrolliert und gewartet werden. Gegen Angriffe von Feinden aus der Luft helfen Altgrasstreifen, welche die Kiebitze als Versteckmöglichkeiten nutzen können. Die Bauern müssen sie stehen lassen, wenn sie das Gras schneiden. Die allermeisten Landwirte seien kooperativ, kündigten ihre Einsätze frühzeitig an und nähmen Rücksicht auf Nester und Jungvögel, heisst es im Abschlussbericht der Stiftung über das Jahr 2017.

2500 Stunden Arbeit leisten die rund zehn Personen im Dienste der Stiftung Frauenwinkel jedes Jahr für den Kiebitz. Unterstützung erhält die Stiftung ausser vom Kanton Schwyz auch vom Bund, von Birdlife Schweiz und von verschiedenen Sponsoren. Das Ziel sei, auch andere Plätze rund um den Zürichsee wieder zu besiedeln, sagt Andreas Kundela. Prädestiniert dafür wäre das Kaltbrunner Ried, wo einst jeden Frühling Kiebitze brüteten.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.05.2018, 15:58 Uhr

Der Kiebitz

Kiebitze gehören zur Familie der Regenpfeifer und haben ausgewachsen etwa die Grösse einer Taube. Sie zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus: Optisch durch die lange, zweizipflige Haube auf dem Kopf, akustisch durch ihren klagend-schrillen Ruf während der Brutzeit. Er kann mit «Kiwitt» umschrieben werden, wovon sich wohl auch der Name Kiebitz ableitet.

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