Rapperswil-Jona

Die Altstadt stirbt langsam aus

Gleich mehrere Ladenlokale in der Altstadt von Rapperswil suchen neue Mieter. Die Kundschaft bleibt aus, der Ladenmix wird zum Problem. Rezepte sollen jetzt auch in einem Workshop gefunden werden.

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Der Altstadt von Rapperswil-Jona fehlt das Leben. Eine geschlossene Drogerie, ein seit Jahren geschlos­sener Spielwarenladen und ausbleibende Laufkundschaft.

Gleich mehrere Lokale sind derzeit auf einschlägigen Immobilienportalen ausgeschrieben. Anne­marie Schneider gibt im kommenden Jahr ihren Kiosk auf. In erster Linie altershalber, wie sie sagt. Und trotzdem: «Es ist ein Chrampf.» Kunden zählt sie eigentlich nur bei schönem Wetter im Sommer, während der Adventszeit und wenn der Lotto-Jackpot in hohe Sphären schnellt. «Es braucht einen Kiosk in der Altstadt», ist Schneider sicher. Auch ihr Vermieter ­sehe das so. Ein Rezept, wie man der langsam dahinserbelnden Alt­stadt wieder neues Leben einhauchen könnte, hat aber auch Schneider nicht.

Einer, der aus seinem Laden­lokal auszieht, ist auch Ulf Bergqvist mit seinem Geschäft Kochzeit an der Schmied­gasse. Er gibt allerdings nicht auf, sondern zügelt auf Feb­ruar 2017 ins grös­sere Lokal nebenan. Dort ist vor kurzem die Boutique Triangolo ausgezogen. «Wir müssen auch selber aktiv werden», sagt der Geschäftsinhaber und klingt dabei fast so, als wolle er seine Kollegen aufwecken. Zurzeit laufe das ­Geschäft relativ gut. Aber auch Bergqvist sagt: «Viele Kunden ­haben gar keine Zeit mehr, in die Altstadt zu kommen.»

Ladenmix ist entscheidend

Wichtig ist für ihn ein guter Laden­mix. Den bezeichnet er als «okay» momentan. Optiker reihen sich neben Schuh- und Kleiderläden. Fachgeschäfte seien das A und O für eine funktio­nierende Altstadt. Was fehlt Bergqvist? «Läden, die lo­kale Pro­dukte aus der Re­gion oder aus der Schweiz verkaufen, fehlen.» Er vergleicht die Situa­tion mit Dörfern in Südfrankreich, wo ein solches Angebot nirgends fehle.

An der Halsgasse gibt Jes­sica Paul ihr Geschäft Beads4you auf. Die Schmuckhändlerin für sogenannten Trollbeads rentiere einfach nicht mehr. Zu wenig Kundschaft komme in die Altstadt: «Läden schliessen; Immobilienbüros ziehen ein.» Wer das Laden­lokal übernimmt, ist noch offen. Paul sucht einen Nachmieter.

Ausgeschrieben Boutique

Veränderungen stehen auch an der Rathausstrasse an. Dort ist die Boutique Claudia einge­mietet. Das Ladenlokal ist per 1. April ebenfalls ausgeschrieben für einen neuen Mieter. Inha­berin Claudia Tinner gibt sich über die Zukunft des Geschäftes zuge­knöpft. «Es ist etwas im Tun.» Mehr will sie nicht sagen. Im Internet heisst es über das ­Lokal, es besteche durch die ausgezeichnete Passantenlage am Ein­gang zur Altstadt. Dort hat auch Lucia Studerus ihr Geschäft.

Die Präsidentin des Einkaufsziels Rapperswil macht sich ­Sorgen um die Altstadt: «Es gab schon immer viele Wechsel», betont sie. Spannungsfeld seien ­hohe Mieten, aber wenig Ladenfläche. Hoffnung macht Stude­rus aber der «Kooperationsprozess Altstadt». Dafür hat die Stadt in ihrem Budget 2017 50 000 Franken eingerechnet. Beim Projekt geht es laut Budgetbericht «um eine Sensibilisierung der betei­lig­ten Akteure in Bezug auf eine nachhaltige Altstadtentwicklung» und die Nutzungs­vielfalt des Zentrums, um dem Lädeli­sterben entgegenzutreten.

Dass ein Workshop keinen ­Laden rettet, ist auch Studerus bewusst. Die Präsidentin des Einkaufsziels geht deshalb in die Offen­sive: Am 25. November bieten die Fachgeschäfte gemeinsam mit Albuville, Manor und Sonnenhof ein Night Shopping an. Unter den Lichtern der Weihnachtsbeleuchtung und einer Gulaschsuppe kann das Angebot in der Altstadt erkundet werden. Ob ein einmaliger Anlass reicht, die Altstadt zu retten, steht in den Sternen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.11.2016, 10:27 Uhr

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Bauprojekt

1,8 Millionen für Altstadthaus

An der Herrengasse 12 verkauft die Immobilienfirma Klotz einen eingeschossigen Gewerbebau mit Bauprojekt für 1,8 Millionen Franken. Dies geht aus einer Immobilienanzeige hervor. Gemäss dem Architekturkonzept bleibe die Parzellenstruktur innerhalb der Häuserzeile Herrengasse durch die differenzierten Farb- und Fassadengestaltungen ablesbar und entspreche damit den Vorgaben der Denkmalpflege.

Das neue Gebäude erstreckt sich über vier Geschosse. «Ein Keller ist aufgrund des schlechten Baugrundes nicht empfehlenswert.» Die Erschliessung der Geschosse erfolge über ein gemeinsames Treppenhaus mit Lift. Pro ­Geschoss könne mit dem vorliegenden Projekt eine Wohnung realisiert werden. «Zudem ist auf der Seite Herrengasse ein kleines Gewerbelokal disponiert.» Laut der Ausschreibung werde empfohlen, das Projekt in seiner äusseren Erscheinungsform vollumfänglich zu übernehmen. «Innerhalb des Bauvolumens (Grundrisse) sind Anpassungen oder neue Konzepte möglich.» Grundsätzlich könne aber auch ein neues Projekt umgesetzt werden. Sollte das auf Interesse stossen, bräuchte es die nötigen Verhandlungen mit den Nachbarn, der Stadt und der Denkmalpflege.

Das Projekt wurde laut der Ausschreibung mit den Nachbarn (Herrengasse 16 und 18) sowie der Baubehörde von Rapperswil-Jona entwickelt. «Die Bereitschaft der Nachbarn, den Bau zusammen und gleichzeitig zu realisieren, liegt vor.»

Von der Immobilienfirma Klotz war für eine Stellung­nahme niemand zu erreichen. (ckn)

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