Rapperswil-Jona

Bei der Seerettung ist Feuer unter dem Dach

Der Entscheid des Stadtrats, die Wasserrettung Rapperswil künftig vollumfänglich in die Feuerwehr zu integrieren, stösst auf grosses Unverständnis. Auch Mitglieder der Seerettung melden sich zu Wort. Sie fühlen sich übergangen.

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Der Zusammenschluss von Feuerwehr und Seerettung in Rapperswil-Jona wirft hohe Wellen. In zahlreichen Onlinekommentaren machen Seeretter und ZSZ-Leser ihrem Ärger Luft. Einer von ihnen ist Robert Hegner. Seit vier Jahren engagiert er sich ehrenamtlich bei der Wasserrettung Rapperswil. Unter den neuen Voraussetzungen sehe er sich allerdings gezwungen, sein Amt niederzulegen. «Bisher waren wir ein motiviertes und gut ausgebildetes Team mit viel Erfahrung.» Verschiedene Weisungen vonseiten des Feuerwehrkommandanten hätten den Dienstbetrieb in letzter Zeit aber immer mehr erschwert.

Seit 2010 ist der Seerettungsdienst Rapperswil organisatorisch in die Kommandostruktur der Feuerwehr Rapperswil-Jona eingebunden. Das heisst, alle administrativen Arbeiten der letzten sieben Jahre wurden durch die Feuerwehradministration der Sicherheitsverwaltung erledigt. In allen übrigen Punkten aber blieb der Wasserrettungsdienst eigenständig. Am Dienstag gab der Stadtrat von Rapperswil-Jona nun aber bekannt, dass die Seeretter fortan ein vollintegrierter Teil der Feuerwehr werden sollen. Denn es sei an der Zeit, ­Synergien zu nutzen.

Mitglieder, die weiterhin im Dienste der Wasserrettung tätig sein möchten, müssen sich daher bis zum 4. Dezember schriftlich bewerben. Wie viele der rund 20 Mitglieder diesen Schritt machen wollen, ist derzeit noch nicht abzuschätzen.

Stein des Anstosses ist ein Dienstbefehl

Für Robert Hegner kommt die Auflösung der Wasserrettung einigermassen überraschend. Die Idee der Neubewerbung empfindet der 33-Jährige gar als Affront: «Die Neuorganisation zeugt von wenig Wertschätzung für unsere freiwilligen Dienste.» Für den Seeretter ist klar: «Feuerwehrkommandant Roland Meier will uns einfach alle aus seinem Korps verbannen.» Auch Hegners Seerettungskollege Oliver Hürlimann ist mit den jüngsten Geschehnissen unzufrieden. Er ­fühle sich schlicht übergangen. «Auf gut Deutsch heisst der Entscheid doch: Sucht euch ein neues Hobby.» Er sei sich denn auch überhaupt noch nicht im Klaren darüber, ob er sich erneut für die Seerettung bewerbe, sagt Hürlimann.

«Auf gut Deutsch heisst der Entscheid doch: Sucht Euch ein neues Hobby.»Oliver Hürlimann, Seeretter

Der jüngste Stadtratsentscheid ist allerdings wohl nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Bereits seit dem Frühjahr ist die Beziehung zwischen dem Feuerwehrkommandanten und den Seerettern angespannt. Grund dafür ist ein Dienstbefehl, welchen Roland Meier Ende Mai ausgestellt hat. In der Weisung, welche der ZSZ vorliegt, beschränkt Meier die Einsatzzeiten des Samstags- und Sonntagspikettdienstes auf maximal zwei Stunden. Zuvor hielten sich die Seeretter an diesen Tagen zeitlich unbegrenzt auf dem Wasser auf.

Als Ursache, die zu diesem Entscheid geführt habe, verweist Meier im Begleitschreiben des Dienstbefehls auf einen Facebook-Post aus den Reihen der Seeretter. Über die Hintergründe des Vorfalls hüllen sich die Beteiligten in Schweigen.

«Es geht immer um die Sicherheit von Menschen»

Bereits kurz nach Erhalt des Dienstbefehls habe er sich an seine Vorgesetzten gewandt, erzählt Robert Hegner. «Ich hatte Bedenken, dass wir Seeretter nicht mehr genügend Übungsstunden auf dem See haben.» In der Folge wandte sich Hegner mit seinem Anliegen auch direkt an Roland Meier. Dieser habe versprochen, Ende Jahr noch einmal das Gespräch mit den Mitgliedern der Wasserrettung zu suchen, um über die Inhalte der Weisung zu diskutieren. «Stattdessen macht er jetzt den Laden dicht, ohne auch nur einmal das Gespräch mit der Mannschaft gesucht zu haben.»

In der Tat habe der Entscheid zur Neuorganisation der Wasserrettung unter anderem auch mit den Unruhen der letzten Monate zu tun, sagt der Feuerwehrkommandant und städtische Ressortleiter der Sicherheitsverwaltung Roland Meier. «Sowohl bei der Wasserrettung wie bei der Feuerwehr handelt es sich um Organisationen, die einer klaren Führungsstruktur bedürfen. Schliesslich geht es immer um die Sicherheit von Menschen.» Es sei schlicht unmöglich und nicht zielführend, wenn der Feuerwehrkommandant mit allen 245 Mitgliedern seine Weisungen, Befehle und Aufträge diskutieren müsse. «Wer mit der geltenden Hierarchie nicht klarkommt, sollte sich überlegen, ob er am richtigen Ort ist.» Noch konkreter äussert sich Meier in einer ­E-Mail an einen Kritiker, welche der ZSZ ebenfalls vorliegt. Dort rät er Mitgliedern, welche die Führung nicht akzeptierten, die Feuerwehr zu verlassen.

Ähnlich sieht dies Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP): «Dem Stadtrat sind die Differenzen zwischen einzelnen Seerettungsmitgliedern und dem Feuerwehrkommandanten bekannt.» Gerade deshalb sei man der Meinung, dass ein Neuanfang das Beste für die Organisationen sei. Überdies verurteile er die ausschliesslich auf die Person von Roland Meier gespielte Kritik aufs Schärfste. «Die Wort­führer scheinen zu vergessen, dass sie seit fast sieben Jahren Teil der Feuerwehr sind. Ich vermisse das Wirgefühl.»

Erstellt: 15.11.2017, 18:06 Uhr

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