Kreisgericht See-Gaster

75-Jähriger wollte mit seiner 13-jährigen Tochter den Fall einer «Vergewaltigung» üben

Ein Rentner soll 2014 seine damals 13-jährige Tochter sexuell genötigt haben. Am Donnerstag musste er sich dafür vor dem Kreisgericht See-Gaster verantworten.

Ein 75-Jähriger soll 2014 seine damals 13-jährige Tochter missbraucht haben. Am Donnerstag stand der Rentner vor dem Kreisgericht See-Gaster in Uznach.

Ein 75-Jähriger soll 2014 seine damals 13-jährige Tochter missbraucht haben. Am Donnerstag stand der Rentner vor dem Kreisgericht See-Gaster in Uznach. Bild: Archiv Michael Trost

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Es geschah im Frühling 2014, so erzählt es das heute 17-jährige Opfer. Damals lebt das Mädchen mit seinem 75-jährigen Vater in einer Gemeinde am Obersee. Die Mutter ist erst vor Kurzem zu ihrer Affäre gezogen. Die finanziellen Mittel sind beschränkt, die Situation allgemein angespannt. Über Mittag sitzen Vater und Tochter gemeinsam vor dem Fernseher auf dem Sofa, als der Mann die Hand der 13-Jährigen ergreift und diese an sein Glied führt.

Wenige Tage später in einer ähnlichen Situation reibt der Vater sein Glied am Bein seiner Tochter. Beide Vorfälle wiederholen sich mehrfach in einem Zeitraum von ein bis zwei Monaten. An einem Tag zieht der Vater seiner Tochter gar die Hose aus und leckt das Mädchen darauf im Genitalbereich. Zudem fasst er der 13-Jährigen über und unter den Kleidern an die Brüste und in den Genitalbereich.

Am Donnerstag nun musste sich der mittlerweile 79-jährige Rentner vor dem Kreisgericht See-Gaster wegen des Tatbestandes der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind sowie der sexuellen Nötigung verantworten.

«Spielerischer Ringkampf»

Die meisten der zwischen 15 und 30 Vorfälle bestreitet der Mann. Jenes Ereignisse, bei dem er seine Tochter geleckt haben soll, bestätigt der gebürtige Deutsche. Jedoch habe er seine Tochter lediglich am Oberschenkel geleckt. Vermutlich habe sie kurze Hosen angehabt, gibt er in der Befragung durch die Richter an. Ein sexuelles Ziel habe er keines gehabt.

Zunächst erklärt der Mann, es habe sich um eine Art spielerischen Ringkampf zwischen Vater und Tochter gehandelt. Auf Nachfragen seitens der vorsitzenden Richtern erklärt er, die ganze Aktion hätte einen pädagogischen Hintergrund gehabt: «Meine Tochter ging in jener Zeit abends oft weg, und kam erst spät nachts nach Hause. Ich wollte sehen, wie sie reagiert, würde sie vergewaltigt.» Er habe nicht lange über sein Handeln nachgedacht, womöglich sei er etwas zu weit gegangen.

Der Verteidiger des Beschuldigten forderte für die «deplatzierte pädagogische Aktion» seines Mandanten eine Geldstrafe von maximal 900 Franken. Die Staatsanwaltschaft hingegen sah in den Aussagen des Vaters reine Schutzbehauptungen und forderte eine Bewährungsstrafe von 24 Monaten. Die Anwältin der Tochter, welche als Privatklägerin auftrat, forderte zudem eine Genugtuung über mindestens 8000 Franken.

Das Verfahren habe ihm zugesetzt und überfordere ihn, sagte der Beschuldigte zum Schluss der Verhandlung. Er könne sich die Anschuldigungen seiner Tochter nur mit deren blühenden Fantasie erklären und hoffe das Gericht folge dem Antrag seines Verteidigers.

Die Kreisrichter entschieden sich indes für einen Mittelweg. Sie verurteilten den 79-Jährigen zu einer 8-monatigen Bewährungsstrafe mit einer zweijährigen Probezeit. Zudem hat er seiner Tochter eine Genugtuung von 4000 Franken zu zahlen. Die Kosten des Verfahrens, rund 16 500 Franken, hat der Rentner zur Hälfte zu tragen. Im Sinne des Rechtsgrundsatzes «in dubio pro reo» könne man den Mann nur für das verurteilen, was er eingestehe. «Selbst wenn wir die Aussagen der Tochter für wahrscheinlicher halten, wissen wir schlicht nicht, was genau passiert ist», schloss der Verfahrensleiter die Verhandlung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 16:49 Uhr

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