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Kommentar zu den KassenprämienNutzen wir Corona aus

Die Gesundheitskosten steigen für einmal nur moderat. Jetzt gilt es, überflüssige Operationen zu verhindern.

Gesundheit kann teuer sein: Equipment eines Hausarztes.
Gesundheit kann teuer sein: Equipment eines Hausarztes.
Foto: Christian Beutler (Keystone)

So paradox es klingt: Dank Corona müssen wir nächstes Jahr weniger für die Krankenkasse zahlen als erwartet. Pandemie und Lockdown verhinderten in der ersten Jahreshälfte zahlreiche teure Eingriffe im Spital, sodass die Gesundheitskosten halbwegs stabil geblieben sind. Die Prämien werden daher 2021 insgesamt nur um 0,5 Prozent steigen, in manchen Kantonen sogar leicht sinken.

Doch sollte man sich hiervon nicht täuschen lassen. Es ist leider ein realistisches Szenario, dass die Prämien im Folgejahr umso mehr in die Höhe schnellen könnten. Irgendwann werden die Menschen wieder in die Spitäler, die Arzt- und Therapiepraxen strömen, und auch die Pflegekosten werden weiter ansteigen. Leidtragende werden die Familien des Mittelstands sein, die ihre Prämien vollumfänglich selber bezahlen müssen.

Doch hat uns das Covidvirus, so viel Schaden es sonst auch anrichtet, bei den Gesundheitskosten zumindest eine Atempause verschafft. Die Politik sollte sie nutzen, um sich mit mehr Tatkraft als bisher für wirksame Massnahmen einzusetzen. Die Stichworte lauten: tiefere Medikamentenpreise, ein transparenteres Abrechnungssystem für medizinische Leistungen und flexiblere Regeln für die Geldreserven der Kassen.

Insbesondere gilt es jetzt aber, das Verhalten der Patientinnen und Patienten genau zu studieren. Welchem der Eingriffe, die sie wegen des Lockdown verschieben mussten, werden sie sich nun effektiv unterziehen? Experten gehen davon aus, dass es längst nicht alle sein werden. Und um es etwas salopp zu sagen: Eine Operation, die erst aufgeschoben und dann abgeblasen wird, war offensichtlich niemals notwendig. Dass hier noch immer zu viele Fehlanreize bestehen, ist ein anerkanntes Problem. Diese zu analysieren und zu beseitigen, dazu werden Bundesrat und Parlament, dank Corona, jetzt die Gelegenheit erhalten. Überflüssige Operationen zu verschreiben, darf sich für niemanden lohnen.

Das Covidvirus, so viel Schaden es sonst auch anrichtet, hat uns bei den Gesundheitskosten eine Atempause verschafft.

2 Kommentare
    Erwin Huber

    Solange man mit einer Krankenversicherung quasi einen Freibrief für alle möglichen Behandlungen erhält, wird sich die stetige Steigerung der Krankenkosten nicht bremsen lassen.

    Mitmenschen die wegen jedem Bobo gleich zum Arzt rennen nutzen die tiefen Franchisen radikal aus. Ich zahle also konsumiere ich - scheint deren Devise zu sein. Kaum je habe ich gehört, dass ein Arzt eine verlangte Behandlung verweigert hätte - schliesslich bedeutet dies Umsatz für ihn. Da werden dann Untersuchungen vorgenommen, Laboranalysen erstellt um am Schluss festzustellen, dass alles in bester Ordnung ist.

    Das heutige System erfordert einen grundlegenden Umbau. Es kann nicht sein, dass jeder beliebig oft bei jeder Bagatelle einen oder gar mehrere Arzte aufsucht und die KK dies zu bezahlen hat.

    Dies wird wohl nur durch eine massiv höhere Franchise zu erreichen sein, sodass man sich vor dem Arztbesuch die finanziellen Konsequenzen überlegt.