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Dorfgeflüster Nur Verachtung statt Beachtung

Eine unsinnige Mode auf den Dorfstrassen gibt zu reden.

«Dorfgeflüster» passt zu meinem heutigen Beitrag definitiv nicht. Im Gegenteil, eher müsste es diesmal «Dorfgetöse» heissen. Und es geht nicht um ein Dorf, sondern alle Gemeinden sind betroffen – landesweit. Die Rede ist von den unsäglichen Knallerautos. Sie krachen, knattern und schiessen schon im Kriechtempo.

Der Trick heisst Auspuffklappe und lässt auf Knopfdruck den Verbrennungsvorgang im Motor – es sind ja Explosionen – als solche ohrenbetäubend nachempfinden. Dabei handelt es sich keineswegs nur ums letzte Aufbäumen von blank geputzten Schrottkübeln, deren Wert vom Tankinhalt abhängig ist. Auch schicke Fahrzeuge mit hohen Leasingraten donnern durch die Gegend und erschrecken das Quartier.

Man nennt sie Auto-Poser. Sie wollen sich und ihre Wagen zeigen. Damit sie nicht übersehen werden, kündigen sie sich schon von weitem akustisch an: Jetzt komme ich! Mir tun Menschen leid, die sich nur über ihren rechten Fuss am Gaspedal definieren.

Ich bedauere aber noch mehr alle Menschen, die unter dieser Lärmbelästigung leiden. Und ich frage: Weshalb gibt der Staat Milliarden an Steuergeldern aus für Lärmschutz, lässt teure Flüsterbeläge in die Strassen einbauen, verfügt Schleichzonen und verbietet laute Tätigkeiten nach Feierabend, wenn das künstliche Lärmverursachen nicht rigoros abgestellt wird? Dezibel lassen sich noch einfacher messen als Geschwindigkeiten. Wo bleiben die Lärmblitzer?

Wenn die Auto-Poser bloss wüssten, dass Aufmerksamkeit und Beachtung zwei verschiedene paar Schuhe sind. Dann würden sie die Knalltaste im Cockpit wohl unberührt lassen. Denn statt Achtung ernten sie Verachtung – und als Zugabe einen im Geist gestreckten Mittelfinger hinterher. Darum sollte diese Kolumne heute eigentlich «Dorftrottel» heissen.