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DorfgeflüsterNot macht erfinderisch

Was, wenn auf dem Zürichseeschiff die Schutzmaske fehlt? Manchmal tut es auch ein Lappen.

Darüber spricht das Dorf.
Darüber spricht das Dorf.
Illustration: Olivier Samter

Wer in diesen Tagen ein öffentliches Verkehrsmittel benutzen will, kann dies nur mit Maske tun. Betroffen von der Maskenpflicht sind nicht nur Züge und Busse, sondern auch die Schiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft.

Als ich in Wädenswil unlängst das Schiff Richtung Männedorf bestieg, tat ich dies entsprechend mit Maske. Ich suchte mir wie immer einen guten Fensterplatz. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Das Spektakel spielte sich auf dieser Fahrt für einmal nicht draussen auf dem See, sondern drinnen ab.

Ein älterer Herr – sommerlich gekleidet mit kurzen Hosen, Hemd und Schirmmütze – hastete kurz vor dem Ablegen noch über die Planke auf das Schiff.

Dort angekommen, richtete er sich, noch ausser Atem und mit vor Anstrengung hochrotem Kopf, an das Personal. «Ich habe meine Maske total vergessen, ich habe keine dabei!», sagte er mit dramatischem Ton und wild gestikulierend.

Noch bevor die Schiffskontrolleurin den aufgeregten Herrn darauf hinweisen konnte, dass es an Bord Masken zu kaufen gebe, löste der Passagier das Problem auf seine eigene Weise.

Er langte unter sein Hemd und zog ein grosses Stück Stoff – es könnte ein Unterleibchen gewesen sein – hervor. Ruckzuck band er sich den Lappen um das Gesicht und präsentierte sich mit stolzer Geste dem Schiffspersonal. Er sah aus wie ein Forscher, kurz vor Beginn der Wüstenexpedition.

Ob der Mann seinen improvisierten Mundschutz während der ganzen Fahrt tragen durfte, kann ich nicht sagen. Er begab sich auf die andere Seite des Schiffs. Beim Aussteigen sah ich den Wüstenforscher dann aber wieder. Und noch immer flatterte ihm der Schutzlappen um den Kopf.

Solche Geschichten schreibt wohl nur eine Pandemie.