Niederhasli

Niederhasli und Dielsdorf haben kein Interesse an GC-Campus

Nach dem Abstieg der Grasshoppers in die Challenge League, will Präsident Stephan Rietiker die Ausgaben analysieren. Dabei stellt er auch das Trainingsgelände im Unterland in Frage.

Ob sich GC den Campus in Niederhasli auch künftig leisten kann, wollen die Clubverantwortlichen überprüfen.

Ob sich GC den Campus in Niederhasli auch künftig leisten kann, wollen die Clubverantwortlichen überprüfen. Bild: David Baer/Archiv

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0:4, Spielabbruch wegen Fan-Ausschreitungen, Abstieg in die Challenge League. Der 12. Mai 2019 wird als schwarzer Tag in die Annalen des Schweizer Rekordmeisters GC eingehen. Einen Tag danach sprach GC-Präsident Stephan Rietiker nicht nur über die vergangenen Geschehnisse, sondern auch über die Zukunft. Der Klub müsse reformiert werden, alte Zöpfe gehören abgeschnitten. Nicht zuletzt ging es Rietiker dabei um die Finanzen.

Dass der neue GC-Präsident – Rietiker trat erst Ende März das Amt an – bei der Analyse der Ausgaben auch den Campus in Niederhasli überprüfen will, der rund 1,6 Millionen Franken kostet, löst auf www.gczforum.ch Jubelstürme aus. «Ich hoffe sehr, dass man das leidige Kapitel GC-Campus bald schliessen kann.». Oder: «Man MUSS einfach wieder zurück in die Stadt. Mit dem Verein aber auch mit den Trainings.» Auch eine Idee, wer den Campus nach GC nutzen könnte, existiert bereits: «Dem SFV vermieten als Leistungszentrum!»

«Aus sportlicher Sicht bedaure ich den Abstieg von GC sehr.»Marco Kurer, Gemeindepräsident Niederhasli

Der GC-Campus in Niederhasli wurde 2005 eröffnet. Das Trainingsgelände liegt unmittelbar an der Grenze zu Dielsdorf. «Aus sportlicher Sicht bedaure ich den Abstieg von GC sehr», sagt der Gemeindepräsident von Niederhasli, Marco Kurer. GC sei mit 27 Titeln Rekordmeister, verfüge über eine langjährige Tradition im Schweizer Fussball und engagiere sich stark in der Ausbildung, hält er dazu fest. Auf die mögliche Schliessung des Campus, der an der Grenze zu Dielsdorf liegt, angesprochen, holt Kurer aus. GC habe man nie mit Niederhasli in Verbindung gebracht.

GC war bei der Gründung 1886 ein Stadtzürcher Verein, dies sei bis heute so geblieben. «Dass Niederhasli seit bald 14 Jahren Standort des GC-Campus ist und die Grasshopper Fussball AG dort auch ihren offiziellen Sitz hat, hat sich die Gemeinde nie auf die Fahnen geschrieben», erklärt Kurer. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn die Hoppers seither grössere Erfolge gefeiert hätten. Der einzige Titel, den GC gewinnen konnte, war derjenige des Schweizer Cupsiegers im Jahr 2013.

Weder Vor- noch Nachteile

Nennenswerte Vorteile hätten sich nicht daraus ergeben, dass GC seine Trainings- und Ausbildungsstätte in Niederhasli gebaut habe. «Nachteile haben daraus aber auch nicht resultiert», fügt Kurer an. Probleme habe es nie gegeben. Insgesamt pflege man mit GC eine gute Nachbarschaft. So sei beispielsweise die Anfrage, ob auf dem Campus die Jungbürgerfeier mit einer Führung durch das Areal möglich sei, sehr unkompliziert und positiv beantwortet worden.

Und zu Beginn des GC-Abenteuers im Unterland konnte auch die Sportanlage Erlen, die unmittelbar an die Fussballschule der Hoppers grenzt, vom Campus profitieren: Die Erlen belieferte damals den Campus mit Mahlzeiten aus dem hauseigenen Restaurant. Auch der Gemeinderat in der Nachbargemeinde Dielsdorf nehme die Geschehnisse rund um die Grasshoppers besorgt zur Kenntnis, zumal im Gemeinderat auch eingefleischte GC-Fans zu finden seien, erklärt Marco Renggli, Gemeindeschreiber von Dielsdorf. «Wir hoffen, dass mit dem neuen Präsidenten die richtigen Massnahmen getroffen werden, damit der Traditionsverein bald wieder positiv von sich reden machen kann», führt er aus.

Wie in Niederhasli wären auch in Dielsdorf die Auswirkungen bei einer Aufgabe des Campus nicht allzu gross. «In der Vergangenheit konnten die Sportanlage Erlen und der Fussballclub Dielsdorf von gewissen Synergien profitieren, insbesondere die Zusammenarbeit zwischen der Sportanlage Erlen AG und GC gestaltete sich dabei hervorragend», sagt Renggli. Für die politische Gemeinde erwuchsen aus dem Campus jedoch weder Vor- noch Nachteile.

Campus: Zukunft ungewiss

Sollte GC tatsächlich den Campus aufgeben, stünde die Zukunft des Areals in den Sternen. «Niederhasli hat keinen Bedarf am GC-Campus. Zudem wäre eine andere Nutzung als die jetzige schwierig zu realisieren», sagt Kurer. Aus Dielsdorf klingt es ähnlich. Bezüglich alternativer Nutzungsmöglichkeiten sei Dielsdorf zwar der falsche Ansprechpartner. Dennoch könne ein Kauf der Anlage durch die Gemeinde aus heutiger Sicht ausgeschlossen werden, sagt Renggli.

Erstellt: 15.05.2019, 17:15 Uhr

Seit 2005 wird auf dem GC-Campus trainiert

Nach einer rund einjährigen Bauzeit wurde am 18. August 2005 der GC-Campus offiziell eröffnet. Auf 55 000 Quadratmetern zwischen Dielsdorf und Niederhasli umfasst er drei Natur-, zwei Kunstrasenplätze sowie ein Kleinfeld. Zudem ist eine gedeckte Tribüne mit 583 Sitzplätzen entstanden. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 20,5 Millionen Franken.

Der Campus dient nicht nur sämtlichen Spitzenfussballmannschaften (U-15 bis 1. Mannschaft) des Rekordmeisters als Trainings-und Ausbildungszentrum, sondern auch den Breitensportteams der Fussballsektion. Ebenfalls im Campus befindet sich das Internat des GC-Nachwuchses sowie die Geschäftsstelle der Grasshopper Fussball AG.

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