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Samstagsgespräch mit Wolfgang Ullrich«Nicht jedes Klischee über ein Volk ist gleich rassistisch»

Im Strudel von Bekenntniskultur und Werte-Ethik geraten Firmen und Private zunehmend unter Druck. Der Kulturhistoriker erklärt, warum das so ist und wie man sich dagegen wehren kann.

Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich in seiner Wohnung in Leipzig.
Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich in seiner Wohnung in Leipzig.
Foto: Martin Jehnichen / laif

Wir leben in Zeiten des Bildersturms: Denkmäler sollen gestürzt, die Geschichte neu geschrieben werden. Ist es legitim, mit heutigen moralischen Kategorien auf die Vergangenheit loszugehen?

Wir können gar nicht anders. Und das Positive daran ist, dass man die Existenz dieser Denkmäler so überhaupt erst wieder bemerkt. Es ist auch ein guter Anlass zur Diskussion: Würde man diese Statuen auch heute noch anbringen? Ich finde es wichtig, den Bogen von heute zu damals zu spannen und so einen Dialog aufzunehmen. Im Sinne von: Heute sieht man das so, aber damals sah man es anders. Wichtig finde ich auch, dass man sich vor Augen führt, warum man damals eine Persönlichkeit als herausragend eingeschätzt hat. Aber die Debatte wird auch instrumentalisiert, in Deutschland wird etwa die Angst geschürt, es könnte bald allen Kant-Denkmälern an den Kragen gehen. Dahinter scheint aber auch das politisches Kalkül der Rechten zu stecken, die Stimmung noch mehr aufzuheizen.

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