Wochengespräch

Ein Bauernsohn bringt seine Pizza von Rom an den Obersee

Rocco delli Colli lüftet im Gespräch mit der Zürichsee-Zeitung das Geheimnis seines Pizzarezepts. Der Chef von Dieci feiert morgen das 25-Jahr-Jubiläum.

Rocco Delli Colli führt am Fischmarktplatz neben einer Pizzeria im Parterre das Gourmet-Restaurant al lago, das jüngst einen Gault-Millau-Punkt mehr erhalten hat und neu deren 16 aufweist.

Rocco Delli Colli führt am Fischmarktplatz neben einer Pizzeria im Parterre das Gourmet-Restaurant al lago, das jüngst einen Gault-Millau-Punkt mehr erhalten hat und neu deren 16 aufweist. Bild: André Springer

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Was bedeutet die Zehn im Namen «Dieci»?

Rocco Delli Colli: Die Zahl selbst... Ich wollte mich von den üblichen Namen der Pizzerias abheben. Die Zahl hat naturgemäss schon eine Bedeutung: Zehn ist die höchste Schulnote in Italien. Zudem ist die Zehn im Fussball für den Strategen der Mannschaft bestimmt: Pelè, Maradona, Platini und Baggio trugen sie.

Wie kam es, dass Sie mit 18 Jahren von Rom in die Rosenstadt zogen?

Die Schweiz schien mir das richtige Land zu sein, um als 18-Jähriger etwas Neues anzugehen. Zudem arbeitete mein Vater bereits als Gastarbeiter in der Schweiz und wohnte damals in Hombrechtikon.

Wie wurden Sie in der Fremde aufgenommen?

Ich habe die Schweiz als sensationelles, wunderbares Land kennen gelernt und mich gar nie als Ausländer gefühlt. Von Anfang an fiel es mir leicht, Freundschaften zu knüpfen. Ich spielte gerne Fussball, und in der Mannschaft hatte ich schnell Freunde aus der ganzen Welt. Von der Multikulti-Lebensart in der Schweiz war ich dementsprechend begeistert.

Was gab den Ausschlag für die Gründung Ihres Unternehmens?

Es war alles toll in der Schweiz, aber etwas Wesentliches vermisste ich: Die Pasta al dente und die knusprige Pizza und genauso den typischen Gelati-Geschmack. Als Bauernsohn hatte ich einen starken Bezug zu den frischen Produkten der Landwirtschaft und deren Gerüche und Düfte. Also bestand Nachholbedarf am Obersee.

Die Leute standen vom ersten Tag an Schlange, warteten fast eine Stunde auf ihre Pizza. Was ist das Geheimnis?

Es gibt kein Geheimrezept. Die Zutaten müssen frisch sein, der Teig die notwendige Konsistenz haben, was das Schwierigste an der Pizza ist. Die Küche war für mich immer eine grosse Leidenschaft, wie für die meisten Italiener.

Wie lautet denn Ihr Erfolgsrezept im betrieblichen Sinne?

Charme, verbunden mit Qualität, dazu authentisch sein. Allerdings bin ich alles andere als der totale Machertyp, das Team spielt die wichtigste Rolle. Ich pflege eine möglichst flache Hierarchie, und genauso wesentlich ist das Detail.

Neben der Gastronomie zählt Fussball zu Ihrer grossen Leidenschaft. Wie kommt es dazu?

Als kleiner Bub bin ich bereits in meinem Heimatdorf bei jeder Gelegenheit auf Sand und Stein dem Ball nachgerannt und genoss es dann sehr, in der Schweiz auf Rasen zu spielen. Seit über zehn Jahren bin ich Präsident des FC Rapperswil-Jona und erfreue mich stets an der Spielfreude der jungen Menschen.

Es gibt Unternehmer, die zieht es in die Politik. War das nie ein Thema für sie?

Nein, gar nicht. Politiker reden viel und setzen kaum etwas um. Das ist nicht so meine Sache.

Wohin bewegt sich unsere Welt aus Ihrer Sicht?

Wir versinken in einer Flut von Informationen. Und vor allem die negativen Infos rauben uns Energie. Was Europa betrifft: Es ist ein alter Kontinent mit vielen Runzeln. Es muss aufpassen, dass es nicht zum Museum wird und nicht in Angst vor den Fremden erstarrt. Auch wenn Europa nicht ein Einwanderungsland wie die USA ist, müssen wir offen bleiben und teilen lernen. In der Schweiz gibt es einen Ausländeranteil von 22 Prozent: Sie hat davon profitiert, und ich hoffe, dass sie weiterhin ein so grosszügiges Land bleibt, so wie ich es bei meiner Einwanderung kennen lernen durfte.

Was haben Sie selber für Pläne? Bleiben Sie nochmals 25 Jahre Kapitän von Dieci?

Es gibt tausend Pläne in meinem Leben. Leben bedeutet für mich tägliche Herausforderung, in dem ich alles aus dem Augenblick heraus entscheide. Fürs Erste feiere ich morgen Abend mit meinen Stammgästen den 25. Geburtstag von Dieci. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 01.11.2015, 14:28 Uhr

Zur Person

Rocco Delli Colli, geboren am 15. Juni 1961, ist in Santopadre in der italienischen Region Latium geboren und in Arpino aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zum Elektromonteur zog er Ende der 70er-Jahre in die Schweiz, zuerst nach Rüti, dann nach Rapperswil. 1990 gründete Rocco Delli Colli das Gastrounternehmen Dieci, zu dem unterdessen 23 Pizzakurier-Dienste, 6 Gelaterias und 5 Restaurants gehören. Die erste Pizzeria befand sich an der Kluggasse in Rapperswil. 2004 zog er mit dieser an den Fischmarktplatz, dem jetzigen Standort. Seit zehn Jahren ist er Präsident des FC Rapperswil-Jona. Rocco Delli Colli ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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