Meilen

Wenn es klingelt, ist der Reiter auf dem falschen Weg

An den Dressurtagen auf dem Pfannenstiel sind Reiter in vier verschiedenen Programmen gegeneinander angetreten.

Valerie Walz mit Maud (Mitte) möchte verhindern, dass das Pferd vorausdenkt und die Figuren nicht mehr schön ausführt.

Valerie Walz mit Maud (Mitte) möchte verhindern, dass das Pferd vorausdenkt und die Figuren nicht mehr schön ausführt. Bild: Sabine Rock

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Schon wieder klingelt das Glöckchen. «O nein! Sie war so gut dran!», sagt Valerie Walz, die ihrer Mitstreiterin beim Reiten zuschaut. Das Glöckchen: Die Richter an den Dressurtagen auf dem Pfannenstiel lassen es läuten, wenn ein Ritt beginnt oder endet. Oder aber, wenn die Sportler einen Fehler im Programm ­machen – wie dies eben der Fall war.

In der Prüfung, die gerade stattfindet, absolvieren die Reiterinnen und Reiter das Programm GA 03/40, ein Programm für Einsteiger. GA steht für Grundausbildung, die 3 ist die Programmnummer, und die 40 steht für die Länge des Dressurvierecks: 40 Meter, bei einer Breite von 20 Metern.

Spickzettel für Reiter

Der Ablauf des Ritts ist für alle Teilnehmer derselbe – dies, damit die Richter sie vergleichen können. Auf einem Merkblatt des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS) ist das Programm im Detail beschrieben. Dort steht, wo wann welche Kurve – die Reiter sprechen von einer Volte – geritten werden muss. Mit welcher Gangart dies geschehen soll: im Arbeitstrab, im Mitteltrab, im Arbeitsgalopp oder im Mittelgalopp. Oder wann stillgestanden wird: am Anfang und am Ende des Programms.

Um sich all die Details zu merken, haben die Reiter verschiedene Lernstrategien: «Ich zeichne einen Plan und fahre der Route mit dem Finger nach», sagt etwa Erika Kuster, die mit ihrem Wallach Caitano III angereist ist. Auch Valerie Walz, anwesend mit ihrer Stute Maud, bringt das Programm vor dem Ritt zu Papier, um es auswendig zu lernen. Kurz vor der Prüfung geht sie den Ablauf im Kopf nochmals durch. Sie reitet die Prüfung aber nicht im Voraus: «Dann besteht die Gefahr, dass das Pferd vorausdenkt und die Figuren nicht mehr schön ausführt.»

«Ich zeichne einen Plan und fahre der Route mit dem
Finger nach.»
Erika Kuster, Reiterin

Häufig klingelt das Fehlerglöckchen, wenn Reiter falsch abbiegen. Oder bei Schaltfehlern, wie Autofahrer sagen würden, wenn die Pferde den falschen Gang eingelegt haben und traben, anstatt zu galoppieren. Obwohl es in diesem Fall zwei Punkte Abzug gibt, führen die meisten nach einem Fehler das Programm trotzdem zu Ende. Auf einem Blatt tragen die Richterinnen – am Samstag sind es ausschliesslich Frauen – die Bewertungen ein. Die totale Punktzahl besteht aus den Noten der einzelnen Programmteile und dem Gesamteindruck.

Vertreter aus der Region

Wer das Rennen macht, erfahren die Teilnehmer kurz nach ihrem Ritt über die Lautsprecher. Am Samstag treten in den beiden Prüfungen GA 03/40 und GA 05/40 je 45 Reiterinnen und Reiter jeglichen Alters an. Am Sonntag sind weitere 78 für zwei anspruchsvollere L-Prüfungen angemeldet. «Von schlechtem Wetter lassen sich erfahrungsgemäss nur wenige abhalten», sagt OK-Präsident Daniel Bögli. An diesem Samstag bleiben Pferd und Reiter trocken – ganz im Gegensatz zum letzten Jahr. Am Sonntag wird es dann trotzdem noch nass.

An den Dressurtagen starten auch einige Aktive sowie Junioren des Reitvereins Zürichsee rechtes Ufer, der den Anlass organisiert hat. Die Jüngste ist die 12-jährige Julia Briner aus Stäfa mit ihrem Pony Opus Big Bambu. Nebst den lokalen Vertretern sind auch Amateure aus den verschiedensten Ecken der Schweiz angereist, um sich auf dem Pfannenstiel zu messen.

Ab zur Dopingkontrolle

Einige Pferde müssen am Samstag eine Blut- oder eine Urinprobe abgeben – respektive abzapfen lassen. An Wettkämpfen mit Pferden werden regelmässig Dopingkontrollen durchgeführt. Veterinäre reisen dafür an Prüfungen in der ganzen Schweiz und machen unangemeldet Stichproben. Auf dem Pfannenstiel tut dies Wolfgang Zenker vom SVPS. «Wir prüfen die Pferde auf rund zweihundert verbotene Substanzen», sagt er. «Bei den Kontrollen geht es um das Wohl der ­Tiere.»

Die Proben schickt Zenker nach England, wo sie in einem Labor analysiert werden. «Dass ein Tier positiv getestet wird, kommt sehr selten vor», sagt der Tierarzt. Meist hätten die Besitzer ihre Pferde nicht mutwillig mit verbotenen Substanzen modifiziert: «Manchmal verabreicht der Tierarzt ein Schmerzmittel – ohne zu wissen, dass das Pferd demnächst an einem Wettkampf teilnimmt.» Die Dopingprobe kann in einem solchen Fall positiv ausfallen.

Erstellt: 08.09.2019, 20:39 Uhr

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