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Weisheiten aus dem Appenzeller Alltag aufgetischt

Kabarettist Simon Enzler führte auf der Kellerbühne Grünfels aus, wieso Fluchen nichts Schlechtes ist und Appenzeller nicht minder fundamentalistisch sind als Muslime.

Simon Enzler begeisterte auf der Kellerbühne Grünfels mit vielen Flüchen.
Simon Enzler begeisterte auf der Kellerbühne Grünfels mit vielen Flüchen.
Roberto Conciatori Photographer SBf

«Mir unterstellen gewisse Menschen, ich fluche viel», sagt Kabarettist Simon Enzler mit bedenklicher Miene. Dabei fluche er maximal die Hälfte. Der mehrfach ausgezeichnete Appenzeller flucht am Samstag auf der Kellerbühne Grünfels in Jona wie ein Rohrspatz. Seiner Meinung nach sind Wörter wie Heilandsack oder Herrgottsackrament dem Laut nach religiös und können darum gar nicht schlecht sein. Wie er in seinem ersten Soloprogramm «Primatsphäre» darlegt, ist es ehrlicher zu fluchen und ein anständiger Mensch zu sein, denn als Sausiech freundlich zu lächeln. «Ehrlichkeit ist mir wichtig», sagt der 41-Jährige. Einer, der mir ins Gesicht sagt, ich sei ein verdammter Saucheib, ist mir lieber als jemand, der das nicht mal denkt und mir ins Gesicht lacht.» Er führt aus, wie unehrlich der Steuerkommissär ihn anlächelte und dann eine horrende Steuerrechnung sandte. Als unehrlich empfindet er auch das Verhalten eines Polizisten, welcher ihm freundlich sagte, sein Tempo liege gerade noch in der Toleranzgrenze. «Lieber hätte der doch gesagt, das nächste Mal habe ich dich am Arsch!», erklärt Enzler.

«Fluchen ist Kulturgut»

Sein Zetern und Schelten zieht sich durchs ganze Programm. Im Gespräch nach der Show verrät er warum: «Fluchen ist bei uns im Appenzell normal, ein Kulturgut.» Doch er verwendet die Flüche auch als Stilmittel für Emotionalität und Kontrollverlust, wie er erklärt. Besucherinnen und Besucher erfahren Enzlers Sicht der Dinge. So sagt er, der Islam sei ihm gelinde gesagt egal. Er muss sich mit anderen Problemen herumschlagen, wie der Tatsache, dass sein Nachbar bei schönstem Grillwetter Bschütt austrägt. «Was heisst austragen? Er flutet die Wiese damit!», wettert er. Als geradezu fundamental bezeichnet er es, wie dieser schnurgerade seine Mädli Richtung Süden – dem Stammtisch im Restaurant Kreuz – zieht. Wenns dann da um die Eidgenössischen Jassregeln gehe, werde der Nachbar zum Evangelisten. «Was kümmert mich bei einer solchen Nachbarschaft ein kleines Sunnitli?», fragt Enzler.

Der Kabrettist sprüht vor Lebensweisheiten. «Menschen muss die Freiheit überlassen werden, wie sie sich entwickeln wollen.» Einer, der zu faul ist die Bremsen am Fahrrad zu flicken, muss halt gut lernen, auszuweichen, findet Enzler. Er kennt auch die Lösungen für nachhaltige Energie: Stauseen. Das liege doch auf der Hand, bei den vielen Tälern in der Schweiz. Das ganze Rheintal könne geflutet werden, die Hälfte seien eh Österreicher.

Volle Ränge

Spektakulär ist ein Solo seines Technikers mit Blitzen, Rauch, Gewittergrollen, Musik und tiefen Lachern. «Toll Robin, dein Technikersolo!», findet der Kabarettist ironisch. Keine Sau habe gemerkt, dass das eine Weltneuheit sei. Eine Zugabe will Enzler trotz anhaltendem Applaus zuerst nicht bieten. «Zuegabe sind e verdammti huere Saumode», sagt er. Nach einer Blinddarmoperation gebe es die schliesslich auch nicht. Als sich das Publikum nicht von den Stühlen erhebt, fragte er: «Isch no öpis? Also für mich wärs okay – tschüss!» Er gibt dann aber doch eine Zugabe mit der Warnung, besser werde es nicht mehr. Enzler blast mittels Kompressor, Gartenschlauch und Trompetenmundstück einen Luftballon auf mit der Aufschrift «Päng!». Er habe ja gesagt, es sei ein Seich.

110 Gäste besuchten die Vorstellung. Für die Veranstalter war es keine Überraschung, dass sie ausverkauft war. «Damit haben wir bei einem Auftritt von Simon Enzler gerechnet», sagte Paul Bernet, Vereinsmitglied Kellerbühne Villa Grünfels.

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