Horgen/Hirzel

Was sich bei einer Eingemeindung verändert

Im Vorfeld der Abstimmung über die Fusion Horgen-Hirzel wurde vor allem über die Horgner Finanzen und das Hirzler Sekundarschulhaus gesprochen. Was ändert sich sonst noch?

Die Kirche bleibt auch im Hirzel im Dorf. Diverse andere Bereiche werden bei einer Eingemeindung aber abgezogen, unter anderem die Verwaltung und die Sekschüler.

Die Kirche bleibt auch im Hirzel im Dorf. Diverse andere Bereiche werden bei einer Eingemeindung aber abgezogen, unter anderem die Verwaltung und die Sekschüler. Bild: Manuela Matt

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Die Zeitungsberichte zur als Eingemeindung bezeichneten Fusion von Horgen und Hirzel sind von zwei Themen dominiert. Die Horgner machen sich Sorgen um ihren tiefen Steuerfuss, im Hirzel sorgte ein IG für grosse Aufregung, die sich gegen die Schliessung des Sek-Schulhauses wehrt. Das passiert, wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger beider Gemeinden in neun Tagen Ja zur Vorlage sagen: Die Steuerfüsse liegen in den beiden Gemeinden tatsächlich weit auseinander. In Horgen beträgt er 87 Prozent, im Hirzel 129. Für die Horgner wird eine Verschlechterung unvermeidbar sein.

Der Gemeinderat rechnet mit zwei bis drei Prozentpunkten Erhöhung im Jahr 2018. Eine finanzielle Belastung für Horgen ist gegeben. Abgefedert wird das durch eine Zahlung von drei Millionen Franken durch den Kanton als Unterstützung für die Fusion. Weiter ist vorgesehen, dass Hirzel Liegenschaften verkauft, die nicht mehr benötigt werden. Damit könnte ein Gewinn von 6,5 Millionen Franken erwirtschaftet werden. Mit diesen Massnahmen würde die Mehrbelastung für Horgen jährlich 650000 Franken betragen. Positiv wirkt sich die Fusion finanziell für die Hirzler Steuerzahler aus. Sie können auf einen Schlag mit 40 Prozentpunkten Reduktion rechnen.

Das Sekundarschulhaus im Hirzel wird geschlossen. Die zurzeit über 50 Schülerinnen und Schüler müssen frühestens ab Sommer 2017 nach Horgen fahren. Das verwaiste Schulhaus soll nach dem Willen des Gemeindrats durch die Primarschule genützt werden. Die dann leerstehenden Schulhäuser sollen verkauft werden. Nach Auffassung des Hirzler Gemeinderats würde die Schliessung des Sek-Schulhauses früher oder später sowieso gekommen.

Ortsteil statt Gemeinde

Der Ortsname Hirzel wird nicht verschwinden. Die Berggemeinde ist in Zukunft aber nur ein Ortsteil der Gemeinde Horgen. die Verwaltung im Dorf wird geschlossen und nach Horgen angezügelt. In Horgen sollen höchstens neun zusätzliche Stellen geschaffen werden. Offen ist, ob die bisherigen Mitarbeitenden eine Stelle erhalten. Eine Arbeitsplatzgarantie gibt es nicht. Sämtliche Hirzler Behörden werden am 31. Dezember 2017 aufgelöst, also Gemeinderat, Schulpflege, RPK und Sozialbehörde.

Mehrkosten entstehen für die Bewohner bei der Wasser- und Abwasserentsorgung. Die Horgner müssen je acht Rappen pro Kubikmeter mehr bezahlen, als vorher. Problemlos ist die Eingemeindung für das Label Energiestadt. Es braucht keine zusätzlichen Aufwendungen. Die Bau-und Zonenordnung würde spätestens Ende 2022 angepasst. Der Horgner Gemeinderat versichert, dass der ländliche Charakter des Hirzel erhalten bleiben soll.

Das Wohn- und Pflegeheim Spyrigarten im Hirzel wird in die Strukturen der Gemeinde Horgen eingegliedert und bleibt bestehen. Ebenso wird die Jugendarbeit weitergeführt, aber in die Horgner Jugendarbeit eingegliedert.

Breite Zusammenarbeit

In vielen Bereichen arbeiten die beiden Gemeinden bereits heute zusammen. So etwa bei der Feuerwehr, der Polizei oder den Werken. Die ARA Hirzel wird an die ARA Horgen angegliedert. Diesen Beschluss haben die Hirzler bereits an der Urne gefällt. Er wird auch bei Ablehnung der Eingemeindung umgesetzt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.09.2016, 17:43 Uhr

Überblick

Was bisher geschah

Januar 2012: Der neue Finanzausgleich des Kantons Zürich tritt in Kraft. Das setzt die Gemeinde Hirzel unter Druck. Denn die Änderung bedeutet, dass ab 2018 das Defizit von finanzschwachen Gemeinden nicht mehr einfach vom Kanton gedeckt wird. Sie müssen dieses über höhere Steuerfüsse in den Griff bekommen – oder fusionieren.
Dezember 2013: In einer Umfrage der Gemeinde sprechen sich die Hirzler für Verhandlungen mit Horgen aus.
Mai 2014: Fünf Monate später wird dieser Wille auch in einer Abstimmung bekräftigt.
September 2014: Horgen und Hirzel rufen fünf Arbeitsgruppen ins Leben, die abklären sollen, welche Folgen ein Zusammenschluss haben würde.
Mai 2015: Die beiden Gemeinden stellen dem Kanton ein Gesuch um finanzielle Unterstützung für den Fall einer Fusion. Ausserdem steht fest, dass das Wappen der künftigen Grossgemeinde der Horgner Schwan zieren würde.
August 2015: Der Horgner Gemeinderat stoppt den Fusionsprozess, weil sich herausgestellt hat, dass die Eingemeindung für die Horgner nicht zum Nulltarif zu haben ist. Dies widerspräche den eigenen Legislaturzielen.
September 2015: Der Kanton teilt mit, dass er die beiden Gemeinden mit 3,3 Millionen Franken unterstützt, falls es zum Zusammenschluss kommt.
November 2015: In einer Abstimmung sagen die Horgner (mit 64%) Ja zur Weiterführung des Fusionsprozesses. Damit folgen sie ihren Ortsparteien, die die Vorlage alle unterstützen.
März 2016: Es wird bekannt, dass die Sekunderschule Hirzel bei einer Fusion geschlossen werden würde.
April 2016: Im Hirzel lanciert die neu gegründete «IG zur Erhaltung der Sekundarschule Hirzel» eine Petition.
Mai 2016: Sowohl die Petition als auch die Initiative «Zur Erhaltung der Schule Hirzel» lehnt der Hirzler Gemeinderat ab.
Juli 2016: Ein von der IG beauftragter Rechtsprofessor bemängelt die rechtliche Grundlage des Zusammenschlussvertrags. Im selben Monat gründen ehemalige Gemeinderäte aus Horgen und Hirzel ein Pro-Komitee.
August 2016: Beim Bezirksrat Horgen wird ein Stimmrechtsrekurs gegen die Abstimmung eingereicht. Aufschiebende Wirkung hat dieser nicht. In Horgen entsteht eine Befürwortergruppe, in der alle Horgner Parteien vertreten sind. Im Hirzel wirft eine Flugblatt-Aktion der Fusionsgegner hohe Wellen. (ham)

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