Wädenswil

Was die Schafwolle mit Schulhäusern zu tun hat

Die städtischen Liegenschaften werden noch ökologischer. Der Stadtrat hat beschlossen, Neubauten nach einem strengeren Standard zu erstellen oder bestehende Liegenschaften zu sanieren.

Wädenswil will vorbildlich bauen. Der Kindergarten Meierhof ist bereits im Standard Minergie P-Eco erstellt worden.

Wädenswil will vorbildlich bauen. Der Kindergarten Meierhof ist bereits im Standard Minergie P-Eco erstellt worden. Bild: Manuela Matt

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Die Zahlen sind eindrücklich: Die Gebäude der Stadt Wädenswil verbrauchen etwa 45 Prozent des Energiebedarfs der gesamten Stadt. Der grösste Teil der Energie wird für das Heizen aufgewendet. Beschliesst die Stadt also ökologische Massnahmen bei ihren Bauten, geht sie nicht nur mit gutem Beispiel voran. Der Effekt auf den Gesamtverbrauch der Stadt ist auch beträchtlich.

Die Stadt Wädenswil, die seit 2010 als Energiestadt zertifiziert ist und im Jahr 2022 das Energiestadt-Goldlabel erhalten möchte, kündigt nun neue Massnahmen an. Sie will vorbildlich bauen, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Der Stadtrat hat beschlossen, den «Gebäudestandard 2019» anzuwenden, den das nationale Programm Energie Schweiz herausgegeben hat. Wädenswil ist damit Pionierin im Bezirk Horgen.

Änderungen beim Bauen

Der «Gebäudestandard 2019» umfasst sieben Bereiche, in denen er Vorgaben macht. So regelt er etwa, wann Komfortlüftungen eingebaut werden müssen. Oder dass nach einer Gesamterneuerung der Strombedarf zu einem Fünftel im, am oder auf dem Gebäude selber produziert wird. Es geht auch um hocheffiziente Haushalts- und Bürogeräte und die ökologische Beschaffung von Strom.

Für die Stadt Wädenswil ändert sich mit dem «Gebäudestandard 2019» vor allem beim Bauen viel. Zwar hat die Stadt seit drei Jahren schon nach dem «Gebäudestandard 2011» renoviert und gebaut. Das Verwaltungsgebäude der Werke sowie der neue Kindergarten Meierhof, die beide kürzlich eröffnet wurden, entsprechen bereits den neusten Gebäudestandard-Anforderungen.

Beim «Gebäudestandard 2019» wird nun auch die sogenannte graue Energie einbezogen. Die graue Energie wird für das Herstellen der Baumaterialien aufgewendet. Bisher habe die Stadt noch zu wenig darauf geachtet, wie sie zu den Materialien komme, sagt Ernst Brupbacher (BFPW), Stadtrat Werke. Er veranschaulicht die neue Art des Bauens anhand der Isolation. Bisher habe man ein Gebäude für ökologisch gehalten, wenn es gut isoliert wurde. «Jetzt geht es darum, auch das richtige Material für die Isolation einzusetzen.»

«Jetzt geht es darum, auch das richtige Material für die Isolation einzusetzen.»Ernst Brupbacher (BFPW) – Stadtrat Werke

Steinwolle dient zum Isolieren. Steinwolle herzustellen und von weit her zu transportieren, benötigt viel Energie. Eine viel bessere Energiebilanz hat aber Schafwolle. Mit Schafwolle können Gebäude ebenso gut gegen Wärmeverlust geschützt werden. Sie wächst in der Gegend und muss nicht aufwendig hergestellt werden. Ähnliches gilt für das Baumaterial Holz. Beim neuen Oberstufenschulhaus Rotweg wurde die Fassade mit Holz aus der Innerschweiz ausgekleidet.

Der Stadtrat kann mit dem «Gebäudestandard 2019» den Architekten klare Vorgaben machen, wie sie die städtischen Bauvorhaben umsetzen müssen. Auf die Kosten hätten die ökologischeren Vorgaben kaum Einfluss, sagt Ernst Brupbacher. Es könnten zwar kurzfristig Mehrkosten anfallen. Diese würden aber ausgeglichen, weil der Energieverbrauch nachweislich reduziert werden kann.

Die neuen Vorgaben werden bei den nächsten Projekten der Stadt angewendet. In Planung sind das Schulhaus Ort und die Erweiterung der Schulanlage Glärnisch. Der «Gebäudestandard 2019» spielt auch eine Rolle bei den Liegenschaften in den neuen Ortsteilen Hütten und Schönenberg, insbesondere bei den ehemaligen Gemeindehäusern. Eine Möglichkeit ist, sie zu Wohnungen umzubauen oder sogar zu ersetzen.

Andere Standards

Wädenswil ist eine von sechs Energiestädten im Bezirk Horgen. Sie haben sich in der Fachgruppe Energiestädte Zimmerberg zusammengeschlossen, verfolgen das Ziel aber auf unterschiedliche Weise. Die Energiestadt Horgen basiere auf dem Gebäudestandard 2015, teilt Gemeindeschreiber Felix Oberhänsli mit. Unter anderem plant sie Neubauten in Miner-gie A oder P wie zum Beispiel den Dreifachkindergarten und bezieht 100 Prozent Ökostrom und 50 Prozent zertifizierten Ökostrom.

Die Projektkommission Energie Thalwil habe soeben entschieden, bei einem Pilotprojekt nach dem «Standard nachhaltiges Bauen Schweiz» vorzugehen. Laut Joana Büchler, Kommunikationsbeauftragte von Thalwil, berücksichtigt dieser Standard den Einfluss von Bauprojekten auf Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Sollte er sich bewähren, will Thalwil den Standard bei allen Projekten anwenden.

Ohne Energiestadtlabel sind im Bezirk Horgen die Gemeinden Kilchberg, Langnau und Oberrieden. Im Bezirk Meilen verfügen laut Energie Schweiz einzig die drei Gemeinden Küsnacht, Meilen und Uetikon über das Energiestadtlabel.

Erstellt: 30.11.2019, 09:17 Uhr

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