Schönenberg

Treten Sie zurück, Herr Meier!

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gibt das Bild eines müden Dampfers ab, der bei Sturm und Nebel ziellos auf dem See treibt. Die Besatzung ist zerstritten. Der Kapitän kann sich nicht durchsetzen und den Dampfer wieder auf Kurs bringen. Denn ein eigensinniger erster Matrose, Felix Meier, führt die Mehrheit der Besatzung gegen ihn an, als wäre er selber der ­Kapitän.

Mit Felix Meier im Gemeinderat hat Schönenberg ein Problem. Doch jetzt ist genug, sagen zwei Ratskollegen. Ulrich Bauer und Brigitte Käser Hägin beantragen, dass er unverzüglich seines Amtes enthoben wird. Der Grund sind nicht politische Differenzen. Der Grund ist, dass Felix Meier sich nicht in die Kollegialbehörde integriert und seine persön­lichen Interessen verfolgt.

Er boxt mithilfe seiner drei getreuen Gefolgsleute fragwürdige und für die Steuerzahler teure Entscheide durch wie die Entlassung des Gemeindeschreibers, der 14 Monatslöhne Abfindung erhielt. Er missachtet Anordnungen der Aufsichtsbehörde. Er schert sich einen Deut um den Auftrag des Stimmvolkes. Kurz: Felix Meier steuert den Dampfer Schönenberg auf die Sandbank zu.

Als er vor gut zwei Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde, rieb sich manch eine Stimmbürgerin, manch ein Beobachter erstaunt die Augen. Denn er war schon damals für seine streitbare und eigensinnige Art bekannt.

Dass er überraschend gewählt wurde, mag mit der damaligen Befindlichkeit Schönenbergs zu tun haben. Die Bevölkerung war schon lange gespalten, die Auseinandersetzung um die Sporthalle beispielsweise war noch nicht verdaut. Auch nicht, dass sich auf der Verwaltung Hunderte unerledigter Baudossiers angehäuft hatten. Die Probleme schinen zwar auf­gearbeitet. Die Wunden waren aber noch nicht verheilt. Anonyme Flugblätter lagen wieder einmal in den Briefkästen. Da dachten sich vielleicht einige Wähler, einer wie Meier, der seine Meinung sagt und sich durchsetzen kann, soll es jetzt richten.

Angerichtet hat er aber einen Schlamassel. Kaum gewählt, stiess er den Grossteil der Bevölkerung vor den Kopf. Er setzte im Gemeinderat durch, eine ­bereits vor seiner Wahl angeordnete Urnenabstimmung über Fusionsverhandlungen mit Wädenswil wieder abzusetzen. Er demonstrierte damit, wie ziellos der Dampfer mit ihm als Besatzungsmitglied unterwegs sein würde. Die Passagiere hatten zwar eine Fahrt an den Fusions-Verhandlungstisch gelöst. Felix Meier riss das Ruder jedoch auf hoher See herum – ohne Kompass und Karte. Denn einen neuen Weg zeigte er nicht auf. Wie er sich überhaupt nie öffentlich erklärte, so als wäre er niemandem Rechenschaft ­schuldig.

Und die Passagiere? Sie nehmen die unruhige Fahrt scheinbar stoisch hin. Nur wenige Einwohner kritisieren Felix Meier öffentlich. Im persönlichen Gespräch ­sagen zwar fast alle, so könne es nicht weitergehen. Der Zustand sei eine Schande für Schönenberg. Aber es gibt keine breite Bewegung. Dabei könnten die Einwohner viel bewirken. Wie vor zwei Jahren, als innert kurzer Zeit 500 Personen eine Initiative unterschrieben, damit Schönenberg schliesslich doch noch über die Aufnahme von Fusionsverhandlungen abstimmen konnte.

Eine Amtsenthebung gab es seit 60 Jahren nicht mehr im Kanton Zürich. Dass diese nun für Felix Meier gefordert wird, zeigt auf, wie aussergewöhnlich sein Fall liegt.

Eigentlich sollte jetzt auch Felix Meier klar werden, dass er den falschen Weg eingeschlagen hat. Das Beste in dieser ­Situation wäre, wenn er erkennen würde, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, um zurückzutreten. Wieso das Amtsenthebungsverfahren über sich ergehen lassen? Dass er als Mitglied des Gemeinderates, einer Kollegialbehörde, nicht geeignet ist, hat er in den letzten zwei Jahren bewiesen. Auch dass er nicht bereit ist, sich zu ändern. Der Dampfer wird erst ohne ihn wieder Fahrt aufnehmen.

Erstellt: 25.05.2016, 08:04 Uhr

Daniela Haag
stv. Redaktionsleiterin

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