Schmerikon

Stiftung erhält Erziehungsschiff geschenkt

Das Schiff, auf dem derzeit ein Schmerkner Jugendlicher erzogen wird, ist in den Besitz der Stiftung Jugendschiffe gelangt. Ob aber die Salomon nach August 2016 weiter segeln kann, ist noch immer ungewiss.

Die Salomon gehört seit Oktober der Stiftung Jugendschiffe. Den Unterhalt muss sie nun selbst berappen. zvg

Die Salomon gehört seit Oktober der Stiftung Jugendschiffe. Den Unterhalt muss sie nun selbst berappen. zvg Bild: zvg

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Die Stiftung Jugendschiffe Schweiz ist in den letzten Jahren in die Kritik geraten. Auf deren Segelschiff Salomon sollen schwierige Jugendliche durch nautischen Drill und enge Betreuung auf den rechten Weg gebracht werden. So auch aktuell ein Jugendlicher aus Schmerikon, der auf Anordnung der Kesb Linth, aber gegen den Willen der Mutter 2014 auf dem Schiff platziert wurde (die ZSZ berichtete). Inzwischen hat der heute 15-Jährige über 70 Wochen auf dem Schiff verbracht.

Sicherheit an Bord bezweifelt

Jahrelang waren zuvor die Betreiber ohne pädagogische Aufsicht auf den Meeren gesegelt. Doch dann wurde die Schraube angezogen: Nachdem ein Jugendheim in Nordspanien 2006 für einen Skandal gesorgt hatte, verschärfte der Bund 2013 die Pflegekinderverordnung. Seither brauchen auch Institutionen, die Jugendliche im Ausland betreuen, eine Heimbewilligung. Eine solche hatte die Stiftung Jugendschiffe 2013 beim Kanton Bern beantragt. Wegen pädagogischer Mängel und Zweifel an der Sicherheit an Bord stellte das Jugendamt des Kantons Bern der Salomon allerdings nur eine bis Mitte 2016 ­befristete Heimbewilligung aus. Damit sollte der Stiftung ein geordneter Ausstieg ermöglicht werden.

Diese will allerdings das Schiff unbedingt auch nach August 2016 betreiben. Neuerdings ist die Stiftung sogar Eigentümerin des Schiffs Salomon. Den 47 Meter langen Dreimaster hat sie von der Jugendheim Sternen AG geschenkt bekommen, welche das Schiff bislang vermietete.

Bernhard Eichenberger, Geschäftsleiter der Jugendheim Sternen AG, bestätigt die Schenkung. Nachdem der langjährige Verwaltungsratspräsident und Gesamtleiter Hansueli Birenstihl in den Ruhestand getreten sei, habe man entschieden, das seit Jahren nicht mehr selbst betriebene Schiff abzugeben und sich damit definitiv von der Schiffsarbeit zu lösen.

Laut Eichenberger entfallen nun zwar für die Stiftung Jugendschiffe die Mietkosten, andererseits muss sie künftig in die Seetüchtigkeit des 105-jährigen Schiffs investieren. So hätten Wartungsarbeiten beim letzten Werftaufenthalt diesen Sommer deutlich mehr als 100 000 Franken gekostet.

Wohlwollend beurteilt

Davon unabhängig wird das Berner Jugendamt entscheiden müssen, ob es die unbefristete Bewilligung nun doch erteilen will. Im Herbst 2014 hatte dies Amtsleiterin Andrea Weik kategorisch ausgeschlossen. In seinem Bericht vom August 2015 äussert sich das Jugendamt nun allerdings positiv: Die Stiftung Jugendschiffe erfülle alle Anforderungen des Kantons. Der Betrieb entspreche den gesetzlichen Voraussetzungen. «Das Wohl der Jugendlichen scheint gesichert.»

Aufsichtsproblem ungelöst

Vorerst ungelöst ist jedoch das Problem der Aufsicht. Die Behörden müssen den Betrieb nämlich in regelmässigen Abständen kontrollieren können.

Das wäre auch auf einem Schiff möglich, sei aber etwas anspruchsvoller, sagt Mario Schmidli, Co-Geschäftsleiter der Stiftung, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. «Dafür haben wir im Moment keine Lösung.» Schmidli ist dennoch zuversichtlich, dass die Stiftung eine defi­nitive Betriebsbewilligung bekommt.

Das Jugendamt des Kantons Bern will sich dazu nicht äussern. Man sei mit der Stiftung im Gespräch, ein Entscheid sei aber nicht vor Ende Jahr zu erwarten, sagte Andrea Weik, Leiterin des Jugendamts, auf Anfrage. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.11.2015, 08:15 Uhr

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