Gastro

Solid und sympathisch

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Um es vorwegzunehmen: Wer kein Fleisch mag oder sich gerne auf kulinarische Experimente einlässt, ist im Restaurant Kronenberg in Thalwil an der falschen Adresse. Maja und Urs Keller, die seit März hier wirten, setzen auf «gutbürgerliche Küche» – also fast ausschliesslich auf bekannte Fleischgerichte. Die Karte birgt daher wenig Überraschendes: Neben Pouletbrüstli auf Salat und panierten Schweine- und Kalbsschnitzeln sind Tatar und Fischchnusperli zu finden. Zusätzlich gibt es ein Tagesangebot. An diesem Samstagabend ist dies ein Brasato. Klingt gut. Dumm nur, dass schon zwölf andere vor uns auch schon so entschieden haben. Die letzte Portion sei soeben serviert worden, sagt der Kellner, nachdem er in der Küche nachgefragt hat.Mein Begleiter weicht auf das Cordon bleu aus (42.50 Fr.), ich entscheide mich für das Rindsgulasch Stroganoff (41 Fr.). Zur Vorspeise soll es ein Nüsslisalat mit Geissenkäse und Schinken sein (17.50 Fr.). Bei der Wahl der Vorspeise zeigt mein Gegenüber sich als eingefleischter Karnivore: Er bestellt die falschen Schnecken – Rindswürfeli mit Kräuterschaum (15.50 Fr.).

Das Restaurant ist gut besucht, trotz Züri-Fäscht und EM-Spiel. Unter den Gästen befinden sich einige alte Bekannte des Wirtepaars, das zuletzt während 23 Jahren die Frohe Aussicht in Oberrieden führte. Doch auch neue Gesichter werden hier herzlich begrüsst und umsorgt. So fragt uns Maja Keller gleich mehrfach, ob es wegen der offenen Eingangstür auch wirklich nicht ziehe. Der Speiseraum ist unaufgeregt eingerichtet, die Tische sind mit weissem Tuch, ­Blumen und Kerzen bedeckt.

Mit der Ankunft der Vorspeisen lüftet sich das Geheimnis der falschen Schnecken zumindest ansatzweise: Das zarte Fleisch wird in einem dampfenden Schneckenteller serviert. Später, als der Koch im Gastraum die Runde macht und sich erkundigt, ob es recht war, ergreift mein Begleiter die Gelegenheit, nach den ominösen falschen Schnecken zu fragen. Früher habe er tatsächlich Schnecken auf der Karte gehabt, erklärt Urs Keller. Aber mit der Zeit seien sie immer weniger ­gefragt gewesen.

Während ich das feine Dressing meines Nüsslisalats auftunke, ist ein Klopfen aus der Küche zu hören. Auch dazu werden wir aufgeklärt: Ihr Mann bereite alles frisch zu, sagt die Gastgeberin. Und so schmeckt es auch, das Cordon bleu: Die Panade ist knusprig, das Kalbfleisch weich, der Käse schmelzend. Mein Stroganoff wird seinem Namen vollends gerecht: Alles, was reingehört – von der Peperoni bis zur Essiggurke –, liegt in einer sämigen Sauce, zusammen mit tadellos gegarten Rindswürfeln. Gewürzt wird hier nicht im Übermass, was wiederum dem Fleisch zugutekommt. Sehr über­zeugend sind auch die hausgemachten Spätzli. Dazu trinken wir einen Primitivo (5.50 Fr./dl).

Eigentlich ist nach so viel Hausmannskost kein Platz mehr für ein Dessert. Aber es muss sein. Wir ordern den warmen Schokoladenkuchen (12.50 Fr.) und die gebrannte Creme (11 Fr.). Beides überzeugt. Einen kleinen Widerspruch des Kronenbergs nehmen wir stillschweigend mit nach Hause: Wie das Wirtepaar auf seiner Website schreibt, setzt es auf frische Bioprodukte aus der Umgebung. Laut Karte stammt das Rindfleisch allerdings aus Irland, Australien oder den USA. Aber an einem Ort, wo man so solid und sympathisch bekocht und bewirtet wird, will man darüber grosszügig hinwegsehen.
Restaurant Kronenberg, Ludretikonerstrasse 41, 8800 Thalwil, Telefon 043 541 80 76, www. kronen-berg.ch, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11 bis 14 Uhr und 17 bis 24 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.07.2016, 15:32 Uhr

In der Gastrokolumne testen die Redaktorinnen und Redaktoren der Zürichsee-Zeitung die Restaurants in der Region auf Herz und Nieren.

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