Zum Hauptinhalt springen

Sepp Blatter sagt es durch die Blume

Da staunten die Kunden des Floristikgeschäfts Verdissimo: Plötzlich trifft Sepp Blatter ein und hält im umgebauten Bauernhof einen Talk.

Gab sich die Ehre im Blumenladen Sepp Blatter berichtete aus 40 Jahren beim Weltfussballverband.
Gab sich die Ehre im Blumenladen Sepp Blatter berichtete aus 40 Jahren beim Weltfussballverband.
Patrick Gutenberg

Thomas Renggli, Berater und Biograf von Sepp Blatter, wirkt am frühen Samstagnachmittag etwas angespannt. Er hat den Talk mit dem früheren Fifa-Präsidenten eingefädelt. Ob sich denn überhaupt Zuhörer einfinden würden, fragt er sich. Denn die Lokalität für die Gesprächsrunde mit dem berühmten Redner ist eher unkonventionell. Blatters Bühne ist für einmal die Scheune eines Blumenladens in Zollikerberg.

Blatters Privatchauffeur fährt in einem silbergrauen Mercedes vor. Renggli öffnet die Tür beim Beifahrersitz und hilft dem 81-Jährigen beim Aussteigen. Sein Gang ist nach einer Knie-Operation noch etwas schleppend. Erst nimmt er sich Zeit für Journalisten, spricht ins Mikrofon von Radio Zürisee. Auch der «Sonntagsblick» lässt es sich nicht nehmen, den ehemaligen Fifa-Boss in die Zange zu nehmen. Dabei geht es um die Aktualität, um den Garcia-Report, den die Fifa kürzlich im Internet publiziert hat.

«Es steht nichts Schlimmes über mich drin»

Der Untersuchungsbericht arbeitet auf 430 Seiten detailliert die Vorfälle rund um die umstrittene Doppel-Vergabe der Fussball-WM nach Russland (2018) und Katar (2022) auf. Chefermittler Michael Garcia attestiert Blatter, dass keine Verstösse gegen den Ethik-Kodex vorlägen. Zudem sei der Report nur dank den Reformen Blatters möglich geworden.

«Es steht nichts Schlimmes über mich drin», freut sich Blatter. Auch über seinen Nachfolger, Gianni Infantino, soll er sich äussern. Blatter sagt dazu nur – und trotzdem vieldeutig –, was er auch während des Talks mehrmals erwähnt: «Mein Anstand, meine Moral und meine Erziehung verbieten es mir, schlecht über ihn zu reden.»

Ein Kunde deckt sich im Laden mit Zubehör für «urban gardening» ein und entscheidet sich spontan, dem Talk beizuwohnen. Rund 30 Leute haben sich schliesslich eingefunden. Viel mehr finden in der Scheune auch nicht Platz. Der Ehrengast wird von einigen älteren Besuchern herzlich begrüsst. «Wir sind alles Bergler», sagen sie und meinen damit, in Zollikerberg ansässig zu sein. «Es ist für mich Ehrensache, euch zu besuchen», sagt Blatter. Schliesslich habe er längere Zeit in Zollikon gewohnt.

Auch übers Alter wird gesprochen. «Ich bin mit Jahrgang 1931 älter als Sie, Herr Blatter», heisst es in der Runde. Ein anderer Gast gibt sich mit Jahrgang 1941 zu erkennen. «Das ist ja noch ein Junior», sagt Blatter und lacht.

«Ich hätte früher aufhören sollen»

Mit viel Humor verläuft ebenso die Gesprächsrunde zwischen Blatter und Renggli. Der Sohn eines Werkmeisters bei Lonza im Oberwallis parliert auch mal auf Englisch, gibt Anekdoten aus seiner Arbeit über vier Jahrzehnte für die Fifa zum Besten und schildert, wie es ist, sich mit Papst, Uno-Generalsekretär und Staatsmännern auf Augenhöhe zu treffen. «Ich hätte früher aufhören sollen», gibt er etwas ernsthafter zu verstehen, dass es ein Fehler war, mit einer fünften Amtszeit als Fifa-Präsident über seinen 80. Geburtstag hinaus zu liebäugeln. Für ihn habe nun Vorrang, glücklich mit der Familie und zufrieden mit sich selbst zu sein.

Die aufgeräumte Stimmung hält beim Apéro an. In der Nachspielzeit signiert Blatter Exemplare des Buches über sein Lebenswerk für den Fussball, niedergeschrieben von Renggli. «Mission & Passion Fussball» heisst die vor Jahresfrist erschienene Biografie. Sie findet reissenden Absatz. Der Autor zeigt sich zufrieden. Renggli denkt an weitere Auftritte von herausragenden Persönlichkeiten in unkonventioneller Umgebung. «Talk im Blumenladen» soll eine Fortsetzung erfahren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch