Kilchberg

Rekordumsatz trotz Einbussen in den USA

Lindt & Sprüngli hat 2017 unter neuer Führung erstmals die Vier-Milliarden-Umsatzschwelle geknackt. Allerdings hat das Wachstum in den USA gelitten.

Die Wachstumshoffnungen von Lindt & Sprüngli-Chef Dieter Weisskopf liegen auf Schwellenmärkten wie Russland, China oder Brasilien.

Die Wachstumshoffnungen von Lindt & Sprüngli-Chef Dieter Weisskopf liegen auf Schwellenmärkten wie Russland, China oder Brasilien. Bild: Keystone

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Eigentlich geht es Lindt & Sprüngli gut. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017, stimmen — mit einer Ausnahme. In Nordamerika, wo fast 40 Prozent des Umsatzes des Herstellers von Premium-Schokolade erzielt werden, drückt Russel Stover auf das Ergebnis und die gute Laune in Kilchberg. Die Neuausrichtung des US-Pralinenherstellers, der 2014 von Lindt & Sprüngli für geschätzte 1,2 bis 1,4 Milliarden Dollar gekauft wurde, benötigt mehr Zeit als erwartet.

In Nordamerika ging der Umsatz 2017 um 1,6 Prozent zurück. Konzernchef Dieter Weisskopf begründete das unbefriedigende Resultat mit gesunkenen Kundenfrequenzen in den Drogeriemärkten und Warenhäusern, wo Lindt & Sprüngli seine Produkte verkauft. Die neuen Verkaufskanäle via E-Commerce seien eine Herausforderung für die bestehenden Handelspartner.

Wachstumsmärkte boomen

Der neue Lindt & Sprüngli-Chef, der Ernst Tanner auf diesem Posten 2017 abgelöst hatte, zeigte sich am Dienstag zuversichtlich, das Steuer in Nordamerika dank neuer Konzepte und Auftritte — vor allem am Verkaufspunkt in den Läden — sowie verbesserter Produkte herumreissen zu können: «Letztlich geht es um die Aktivierung des Konsumenten». Angesichts der Bedeutung des US-Schokolademarktes, der als Nummer eins weltweit mehr als doppelt so gross ist wie der nächstfolgende, Russland, bezeichnete es Weisskopf als sehr wichtig, «dass wir hier Fortschritte erzielen».

Zufrieden kann Lindt & Sprüngli mit der Entwicklung in Europa sein, wo das Unternehmen — trotz weitgehend gesättigter Märkte — im vergangenen Jahr organisch um 6,2 Prozent gewachsen ist. Der «Rest der Welt», der Wachstumsmärkte wie Brasilien, Südafrika, Japan, China und Russland umfasst, legte mit 12,4 Prozent überdurchschnittlich zu. Von hier sollen auch in Zukunft die grössten Wachstumsimpulse für Lindt & Sprüngli kommen.

Vor allem in Europa beobachtet Weisskopf ein verstärktes Vordringen von Hard- und Soft-Discountern, der zu einem verstärkten Preisdruck führe. In der Schweiz ist Lindt & Sprüngli — inklusive des Exportgeschäfts — im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent gewachsen und um 0,7 Prozent im reinen Inlandgeschäft. Angesichts der Tatsache, dass es sich beim Heimmarkt um einen umkämpften Markt handle, der Einkaufstourismus über die Grenze nach wie vor sehr stark sei und Lindt & Sprüngli nicht bei Hard-Discountern als Handelspartner vertreten sei, «sind wir mit dem erzielten Resultat zufrieden», sagte Weisskopf. Lindt & Sprüngli wolle seinen angestammten Handelspartnern wie Coop, Denner oder Manor die Treue halten: «Wir haben hier heute eine sehr gute Positionierung».

Neubau im Zeitplan

Sprichwörtlich Grosses entsteht derzeit am Hauptsitz in Kilchberg: Für 100 Millionen Franken wird am Zürichsee derzeit ein Chocolate Competence Center erstellt. Der Neubau umfasst unter anderem eine Schauproduktion, Shop, Chocolateria und Café. Mit der Fertigstellung des Prestige-Projekts rechnet Weisskopf für Ende 2019/Anfang 2020. Die Einweihung und Eröffnung des fünfstöckigen Gebäudes ist für Frühjahr/Sommer 2020 geplant, rechtzeitig zum 175-Jahr-Jubiläum von Lindt & Sprüngli. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.03.2018, 16:07 Uhr

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Lindt & Sprüngli

Geschäftsjahr 2017 in Zahlen

Der Schokoladekonzern Lindt & Sprüngli hat im Geschäftsjahr 2017 mit einem Umsatz von 4,09 Mrd. Franken (+4,8%) — wie bereits Mitte Januar vermeldet — erstmals in seiner fast 175-jährigen Geschichte die Vier-Milliarden-Grenze geknackt. Das organische Wachstum belief sich auf 3,7% und lag aufgrund der verhaltenen Entwicklung der US-Gesellschaften unterhalb der mittel- bis langfristigen Zielbandbreite.

Das operative Ergebnis (Ebit) der Gruppe stieg um 5,8% auf 595,4 Mio. Franken, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Der Reingewinn legte um 7,8% auf 452,2 Millionen zu. Die eigenen Shops von Lindt & Sprüngli erwirtschafteten 2017 laut Mitteilung erstmals einen Umsatz von einer halben Milliarde Franken. Über 50 Neueröffnungen an Top-Adressen erweiterten das Netzwerk auf mehr als 410 Standorte weltweit. Im laufenden Jahr sollen die Verkäufe um rund fünf Prozent wachsen.

Angesichts des insgesamt unerwartet hohen Gewinns für 2017 und voller Kassen startet Lindt & Sprüngli voraussichtlich am 12. März ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 500 Millionen Franken. Für das kommende Jahr kündigt das Unternehmen Investitionen im Heimmarkt Schweiz an: Über 30 Millionen Franken will der weltweit führende Schokoladehersteller mit Sitz in Kilchberg in den Ausbau und die Modernisierung des Werkes in Olten stecken. Dort wird die Kakaomasse für die europäischen Produktionsgesellschaften produziert.

Basierend auf dem guten Jahresergebnis 2017 beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 3. Mai eine um 5,7% erhöhte Dividende. (ths)

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