Gastro

Österreichischer Charme im Kreuz

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Das Kreuz in Jona ist bekannt für seinen grossen Saal und sein vielfältiges Kulturprogramm. Sina, Sophie Hunger, der satirische Jahresrückblick «Bundesordner» – sie alle waren im vergangenen halben Jahr hier zu Gast. Weniger Lob verdient bisweilen der zweite Teil des Kreuz-Mottos «Kultur und Gastlichkeit». So wollte man vor einigen Wochen unsere Reservation für eine kleine Runde nach einer Beerdigung am Nachmittag nicht entgegennehmen. Und eine Kollegin berichtete, dass sie sich mit ihrer Familie nach einem Kinderkonzert im Restaurant alles andere als willkommen gefühlt habe.

Mit dementsprechend gemischten ­Gefühlen betreten wir an einem Abend unter der Woche das Restaurant – und fühlen uns gleich wohl. Im Cheminée knistert ein Feuer, der Raum wirkt trotz viel dunklem Holz überhaupt nicht düster. Der Kellner führt uns zu einem Fenstertisch, und im Nu liegt eine weisse Porzellanplatte mit aufgeschnittenem Vollkornbrot samt Butter vor uns. Ich ver­buche im Geist den nächsten Pluspunkt: Das sattsam bekannte, unsägliche Brotkörbchen mit schmuddeligem Abdecktüchlein bleibt uns erspart.

Auf der Karte überwiegt Klassisch-Solides à la Olma-Bratwurst oder Cordon bleu, Grillspezialitäten, verschiedene Tatar- und Burgervariationen, dazu Flammkuchen und, der Jahreszeit entsprechend, Spargeln. Wir entscheiden uns für Cordon bleu vom Schwein mit Appenzeller Käse (33.50 Fr.) und rotes Gemüsecurry (23 Fr.). Das Cordon bleu ist tadellos: knusprig gebacken die Panade, würzig der Käse und der Schinken. Das Fleischstück ist gross, aber nicht von dieser pervers ­anmutenden, den Teller überlappenden XXXL-Dimension. Dass das Ketchup zu den Steakhouse-Frites im Plastikbeutel aufgetischt wird, stört uns ein wenig; doch wir essen diese Undefinierbarkeit ohnehin nicht und vergessen sie gleich wieder. Mein Curry ist tüchtig scharf; die Gemüsevielfalt hätte aber ruhig etwas grösser sein dürfen.

Weil Werktag ist, dünkt uns eine ganze Flasche Wein zu viel, doch von den vier offenen Weinen, die in der Karte stehen, begeistert uns keiner so richtig. Damit schlägt die Stunde des österreichischen Kellners Wolfgang Zechner, der uns ­sogleich einen Campofiorin Ripasso von Masi und einen Amarone Villa Berdero zum Probieren bringt. Mein Begleiter wird mit beiden nicht ganz froh und darf gar noch einen Bordeaux (Barbe blanche, Saint-Emilion/Lussac für 8.50 Fr./dl) kosten. Bei dem bleibt er schliesslich, während ich mich für den Amarone (8 Fr./dl) entscheide.

Weil das Restaurant nur zu einem Drittel besetzt ist, hat der Kellner immer wieder Zeit für eine kleine Showeinlage. Mal balanciert er hoch über dem Kopf und im Eilschritt einen Flammkuchen an einen Tisch, mal schenkt er ein Glas Wein aus einem halben Meter Höhe ein. In der Lounge im vorderen Teil des Restaurants läuft inzwischen ein Fussballspiel. Der Geräuschpegel steigt merklich an, und wir bitten darum, den Fernseher doch ein wenig leiser zu stellen. Es dauert keine halbe Minute, und unser Wunsch wird ­erfüllt. So können wir auch das Dessert – wir teilen uns ein Apfel-Holunder-Eis mit Prosecco – uneingeschränkt geniessen. Schlussfolgerung: An diesem Abend hat auch das mit der Gastlichkeit gestimmt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.06.2016, 11:10 Uhr

Restaurant Kreuz

St. Gallerstrasse 30, Jona, Tel. 055 225 53 53, www.kreuz-jona.ch.Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 7–24 Uhr, Samstag und Sonntag 8–24 Uhr.

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