Schönenberg

Mitglieder der Jungen Kirche bangen um ihr Vereinshaus Zweierhof

Die Mitglieder der Jungen Kirche sind nicht einverstanden mit den neuen Mietern ihres Vereinshauses Zweierhof. Die mangelnde Transparenz seitens des Vorstandes schürt die Sorge, dass der Verein das Begegnungshaus verliert.

Bisher stand das Haus des Vereins Junge Kirche Schul- und Konfirmationslagern offen. Nun hat es neue Mieter.

Bisher stand das Haus des Vereins Junge Kirche Schul- und Konfirmationslagern offen. Nun hat es neue Mieter. Bild: Manuela Matt

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Die kirchliche Jugendarbeit hat sich der Verein Junge Kirche auf die Fahne geschrieben. Doch genau diese Prämisse erachten einige Vereinsmitglieder nun als gefährdet. Sie fühlen sich vom Vorstand hintergangen. Zankapfel ist dabei das Haus Zweierhof, das sich im Besitz des Vereins befindet. Bisher für Schullager, Konfirmationslager oder an Vereine und Private vermietet.

Nun hat sich das Kollektiv Alp&Pine eingemietet, das aus Sicht der Mitglieder das Haus nicht im Sinne des Vereinszwecks nutzt. Die Mitglieder befürchten sogar, dass das Haus dem Kollektiv komplett zufallen könnte. «Der Vorstand hat sich gegenüber den Mitgliedern wenig transparent gezeigt, was sein Vorhaben mit dem Haus betrifft», sagt Erwin Uster, Mitglied des Vereins Junge Kirche und Architekt des Zweierhofs. Am Samstag, 11. Januar, findet eine ausserordentliche Mitgliederversammlung statt. Dieser blicken die Mitglieder mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Zweck der ausserordentlichen Mitgliederversammlung ist ihnen nicht ganz klar.

Mangel an Mitgliedern

Bereits seit längerem kämpft der Verein mit Mitgliederschwund. Der Vorstand besteht derzeit aus drei bisherigen Mitgliedern und neu aus zwei Personen der Alp&Pine. In den letzten drei Jahren besuchten lediglich zwei bis drei Personen die ordentliche Mitgliederversammlung. «So lässt sich keine Mitgliederversammlung mehr durchführen», sagt Erwin Uster. Da eine Auflösung des Vereins drohe, habe er bereits am 8. Mai 2017 in einer Versammlung einen Antrag gestellt, über die Weiterführung und Zukunft des Zweierhofs nachzudenken. Obwohl der Antrag einstimmig gutgeheissen wurde, hatte der Verein jedoch nicht wie beantragt umgesetzt. «Das Haus war zwar jedes Jahr sehr gut besucht und schrieb bisher nie rote Zahlen», sagt Uster, doch solle man nicht erst handeln, wenn es zu spät ist.

«Wir Mitglieder glauben, dass der Vorstand nicht transparent informiert und hinter unserem Rücken etwas plant.»Erwin Uster,
Mitglied des Vereins Junge Kirche Schönenberg

Wie es dazu kam, dass sich nun die neuen Mieter, das Alp&Pine Kollektiv, in den Zweierhof einmieten konnte, haben die Mitglieder aus der Einladung zur Mitgliederversammlung erfahren. Darin heisst es: «durch die Vermittlung der reformierten Kantonalkirche des Kantons Zürich hat der Vorstand so eine Lösung finden können» Die Mitglieder seien vorher nicht informiert worden. Die Mitglieder von Alp&Pine lebten bis vor kurzem noch in der Felber-Villa in Kilchberg. Weil diese abgerissen wurde, suchten sie ein neues Zuhause. Ein genaues Konzept von Alp&Pine findet sich unter Projekt Zweierhof auf der Website der Jungen Kirche (siehe Kasten). «Damit wir unsere Gäste bestmöglich verwöhnen können, stellen wir 7 Pensionszimmer für maximal 14 Personen zur Verfügung», ist dort zu lesen. Seit Anfang des Jahres sind zudem auf sämtlichen Internetplattformen Zimmer im Zweierhof ausgeschrieben.

Hier steht der Zweierhof

«Grundsätzlich habe ich nichts gegen das Kollektiv und dessen neues Konzept», sagt Uster. Doch gemäss Statuten komme die Gruppe nicht als Nachfolgebesitzer in Frage. Denn dort ist festgehalten, dass ein allfälliger neuer Besitzer ein gemeinnütziger Verein oder eine Institution mit gleichen oder ähnlichen Zielsetzungen sein soll. Die Vereinsmitglieder wünschen daher, dass die Liegenschaft Zweierhof mit einem geschätzten Wert von rund 3 Millionen Franken, an die reformierte Landeskirche als neue Eigentümerin übergeben werden soll. «Wir Mitglieder glauben, dass der Vorstand nicht transparent informiert und hinter unserem Rücken etwas plant», sagt Uster. Er befürchtet, dass neue Mitglieder eingeschleust wurden, um die Abstimmungen nach ihrem Gutdünken zu dominieren und sich so den Zweierhof anzueignen, um dann Profit daraus zu schlagen. Weder eine Mitgliederliste noch die Anzahl der jetzigen Mitglieder möchte der Vorstand den bisherigen Mitglieder herausgeben. «Da ist etwas faul», ist sich Uster sicher.

Vermietung wird zum Thema

Der Präsident des Vereins, Peter Schärer, weist die Vorwürfe jedoch von sich. «Wir werden das Haus nicht aus der Hand geben und von einer Auflösung des Vereins spricht derzeit auch keiner», sagt er auf Anfrage. Weitere Fragen möchte er jedoch nicht beantworten sondern verweist auf die ausserordentliche Mitgliederversammlung. «Am Samstag werden wir unsere Vereinsmitglieder weiter informieren», sagt er. Laut Traktandenliste werden die Verwendung des Hauses, dessen Vermietung und Umbauprojekt sowie die Zukunft des Vereins dann Thema sein.

Erstellt: 09.01.2020, 17:37 Uhr

Geschichte des Zweierhofs

Laut Schenkungsvertrag vom 18. März 1983 beschloss der damalige Bundesvorstand der Jungen Kirche, die Liegenschaft Zweierhof in Schönenberg zu übernehmen und für kirchliche Jugendarbeit zu nutzen. Initianten der Schenkung waren vom «Verband für kirchliche Liebestätigkeit» Pfarrer Paul Haug (Präsident), Pfarrer Thomas wipf (Aktuar) und für die Junge Kirche Albert Berweger (Geschäftsführer JKS) und Pfarrer Jakob Brassel (Bundesobmann des Bundesvorstandes. Dank eines Beitrags der Zürcher Kantonalkirche von 300 000 Franken und weiteren Spendengeldern aus kirchlichen Kreisen von insgesamt 530 000 Franken konnte der Zweierhof gebaut werden. Im Jahr 1989 fiel das Gebäude jedoch einem Brand zum Opfer. Es konnte wieder aufgebaut werden. Heute steht Besuchern ein neues, heimeliges, gut eingerichtetes Haus zur Verfügung. Es ist geeignet für Tagungen, Schulungen, Lager, Landschulwochen und Lehrlingslager. (duc)

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