Forschung

Laborluft schnuppern im Bahnhof

Im Kinderspital Zürich werden nicht nur kranke Kinder behandelt und gepflegt. Es wird auch geforscht. Zum 150-Jahr-Jubiläum stellt das Kispi seine Forschungstätigkeit an einer Ausstellung im Zürcher Hauptbahnhof vor.

Gamen aus medizinischen Gründen: Das Kinderspital Zürich forscht unter anderem im Bereich der Rehabilitation.

Gamen aus medizinischen Gründen: Das Kinderspital Zürich forscht unter anderem im Bereich der Rehabilitation. Bild: Urs Jaudas

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Die Tochter von Beat Frey war 15, als sie an Leukämie erkrankte. «Sie hatte Knochenschmerzen und hohes Fieber», sagte Frey gestern an einer Podiumsdiskussion mit Forschenden des Universitäts-Kinderspitals Zürich. Die Krankheit sei erst relativ spät bemerkt worden, der Weg zur Heilung war lang und ungewiss.Der Kispi-Forschungspavillon, der gestern und heute in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs steht, versucht einen Einblick in die Forschungstätigkeit des Kinderspitals zu geben. «Es gibt Kinder, die haben dank Forschung überlebt. Andere hoffen und warten noch auf Fortschritte», sagt Bojan Josifovic, Mitarbeiter Kommunikation des Kinderspitals.

Die für Laien meist schwer verständliche und abstrakte Forschungsarbeit kann für Betroffene plötzlich sehr konkrekt werden. Nämlich dann, wenn deren Ergebnisse zu einer neuen Therapie führen, die Aussicht auf Heilung bietet.

Neue Gentherapiegegen Leukämie

Das war auch bei Beat Freys Tochter der Fall. Erste Behandlungsversuche im Kinderspital eines anderen Kantons brachten nicht den erhofften Erfolg. Im Kinderspital Zürich wurde sie von Jean-Pierre Bourquin behandelt, dem leitenden Arzt der Onkologieabteilung.

Zur weiteren Behandlung der schweren Leukämie schlug er die neuartige sogenannte CAR-T-Zelltherapie vor. Dazu werden Immunzellen des Patienten im Labor gentechnisch verändert. Zurück im Körper erkennen sie ein bestimmtes Protein an den Leukämie-Zellen und bekämpfen diese. Die Therapie hat jedoch auch schwere Nebenwirkungen – es kommt zu entzündlichen Reaktionen im ganzen Körper. «Es ist wie Feuer mit Feuer bekämpfen», fasste Frey es zusammen.

Für die Durchführung der Behandlung verbrachte seine Tochter zwei Monate in Tel Aviv, da die Car-T-Zelltherapie in der Schweiz noch nicht durchgeführt werden konnte. «Ende Juli war die Behandlung zu Ende. Unsere Tochter ist jetzt zu Hause und kann wieder die Schule besuchen.»

Bei Leukämie gibt es allerdings oft Rückfälle. Bisher durchgeführte Studien zur CAR-T-Zelltherapie lassen den Schluss zu, dass ein sehr grosser Teil der erfolgreich behandelten Patienten auch längerfristig gesund bleibt.

Die Haut aus dem Labor und spielerische Rehabilitation

Die Funktionsweise der Therapie wird an einem der Stände des Kispi-Forschungspavillons erläutert. Ebenfalls nähergebracht wird den Besucherinnen und Besuchern ein anderes Forschungsprojekt des Kinderspitals, die sogenannte Haut aus dem Labor. Ziel ist es, Opfern von schweren Brandverletzungen oder Menschen mit anderen Hautproblemen wie Narben oder Muttermalen zu helfen. Aus einem relativ kleinen Stück gesunder Haut des Patienten wird im Labor ein wesentlich grösseres Stück herangezüchtet, welches anschliessend transplantiert werden kann.

Den grössten Andrang verzeichneten gestern Morgen jedoch zwei andere Stände des Forschungspavillons, nämlich diejenigen, die zum Mitmachen einladen. So können an einem Stand Videospiele gespielt werden, die im Kispi-Rehabilitationszentrum in Affoltern am Albis eingesetzt werden. Mithilfe eines speziellen Handschuhs, der das Ballen der Faust registriert, kann die Spielfigur auf dem Bildschirm gesteuert werden. Die Videospiele sollen die Kinder dazu motivieren, die notwendigen Übungen zu machen.

An einem anderen Stand werden den Besuchern Gummibärchen angeboten. Anschliessend bestimmt ein spezielles Gerät anhand der Atemluft des Probanden, welche Farbe und Geschmacksrichtung das soeben gegessene Bärchen hatte. Auch diese Spielerei hat natürlich einen ernsthaften Hintergrund: Das Hightech-Gerät wird zur Diagnose von Erkrankungen genutzt.


Der Forschungspavillon im Zürcher Hauptbahnhofs ist heute von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Informationen und Programm unter www.kispi-150.ch (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 09.11.2018, 17:23 Uhr

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