Wädenswil

Kirchgemeinde erteilt der Entfernung von Bänken ihren Segen

16 Bankreihen werden aus der 250-jährigen Grubenmann-Kirche in Wädenswil entfernt. Dafür sprach sich am Sonntag die Kirchgemeinde aus. Für Kritik sorgt vor allem die Art der Verhandlungsführung.

Die reformierte Kirchgemeindeversammlung entschied am Sonntag, dass 16 Bankreihen aus der 250-jährigen Grubenmann-Kirche entfernt werden.

Die reformierte Kirchgemeindeversammlung entschied am Sonntag, dass 16 Bankreihen aus der 250-jährigen Grubenmann-Kirche entfernt werden. Bild: Manuela Matt

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Die Bänke müssen raus. Dies hat die reformierte Kirchgemeindeversammlung am Sonntag entschieden. Je acht Bankreihen links und rechts des Taufsteines werden für zehn Jahre aus der Grubenmann-Kirche im Wädenswiler Dorfzentrum entfernt. An der Versammlung stimmten 215 Reformierte für den Antrag der Kirchenpflege, lediglich 54 dagegen.

Die Entfernung der Kirchenbänke ist seit rund zwei Jahren ein Thema in Wädenswil. Zum Jubiläumsjahr 2017 wurden 30 Bankreihen aus der Kirche getragen. Verschiedene Anlässe wurden darin durchgeführt. Unter anderem nicht-religiöse Veranstaltungen, um auch weniger gläubige Menschen in die Kirche zu bringen. Die Interessensgemeinschaft «IG Freiraum» wollte die Bänke dauerhaft entfernt haben. Dafür reichte sie eine Petition bei der Kirchenpflege ein. Das Vorhaben rief aber auch Gegner auf den Plan. Die Argumente einer offenen und modernen Kirche standen auf der einen Seite, jene einer Zerstörung des Kirchencharakters auf der anderen Seite. Mittlerweile stehen alle Bänke wieder in der Kirche. Dies wird nicht mehr lange so sein, wie sich am Sonntag zeigte.

»Fair war das nicht»

Pfarrer Ernst Hörler sprach sich für den Freiraum aus. «Ich bin sehr erleichter über das Abstimmungsresultat.» Die Kirchgemeinde habe eingesehen, dass eine räumliche Veränderung in der Kirche notwendig sei. «Die Gesellschaft ist diversifizierter geworden. Wir müssen für verschiedene Bevölkerungsgruppen etwas anbieten können», sagt Hörler. Der neue Freiraum ermögliche dies.

Andreas Hauser ist Kunsthistoriker und Mitglied der reformierten Kirche Wädenswil. Für ihn waren sechzehn Bankreihen zu viel. Zusammen mit andere Reformierten gründete er eine Arbeitsgemeinschaft, die im Vorfeld der Versammlung die Alternative einbrachte, nur je drei Bankreihen links und rechts des Mittelgangs zu entfernen. «Über den Ausgang der Abstimmung bin ich daher enttäuscht.» Im Vorfeld der Abstimmung hatte die Arbeitsgemeinschaft Unterschriften gesammelt, um die Grösse des Widerstandes zu symbolisieren. Die über 220 Unterschriften, die in kurzer Zeit gesammelt wurden, nützten letztlich aber nichts. «Viele der Unterzeichner sind wohl an der Versammlung nicht erschienen», sagt er.

Für Andreas Hauser ist das Kapitel nun beendet. Er respektiert den deutlichen Entscheid und will keine Rekurse einreichen. Die Versammlung empfand er aber als problematisch. Konkret meint er damit einerseits, dass zuerst über das Budget 2019 verhandelt wurde, das die Entfernung der Bänke bereits beinhaltete. «Das Traktandum der Kirchen-Umgestaltung, das eigentlich eine eigene Versammlung verdient hätte, kam zuletzt. Viele Leute waren bereits müde und haben die Versammlung vorzeitig verlassen», sagt Hauser. Andererseits habe ein ausserordentlicher Ordnungsantrag die Diskussion gestört. Nachdem Ernst Hörler ein Plädoyer gehalten hatte, wollte ein Mitglied der Kirchgemeinde, dass die Diskussionen nun aufhören und die Abstimmung vorgezogen wird. «Ich durfte noch kurz meine Hauptargumente vorbringen, die angekündigte Diskussion gab es aber nicht», sagt Hauser.

«Kein taktisches Manöver»

Auch Ernst Hörler fand das abrupte Ende der Diskussionen ungünstig. «Ich hätte mir gewünscht, dass alle Parteien ihre Argumente gleich ausführlich hätten vortragen können.» Peter Meier, Präsident der reformierten Kirchenpflege Wädenswil, leitete die Kirchgemeindeversammlung. «Wir haben versucht, die Traktanden gut zu durchmischen. Dass über die Kirchenbänke erst am Schluss abgestimmt wurde, war kein taktisches Manöver, sondern lediglich Zufall.» Auch der Ordnungsantrag, die Diskussion vorzeitig zu beenden, fand Meier nicht erfreulich. «Es war ein Spannungsfeld zwischen demokratischen und juristischen Aspekten. Ich war sehr bemüht, das beste aus der Situation zu machen», sagt Meier. Wann die Bänke aus der Kirche entfernt werden ist noch unklar. Zuerst muss die Kirchenpflege ein Baugesuch einreichen.

Die anderen Geschäfte wie die Wahl der Stiftungsratsmitglieder für das Kirchgemeindehauses Rosenmatt, ein neues Entschädigungsreglement der RPK sowie die Festsetzung des Budgets und des Steuerfusses bei gleichbleibenden zehn Prozent wurden ohne Diskussionen angenommen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.12.2018, 15:42 Uhr

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