S-Bahn

In Bern lobbyieren für den Viertelstundentakt

Das Bahnangebot am rechten Zürichseeufer hinkt der Nachfrage hinterher. Am Dienstag haben die Gemeinden eine von 4700 Personen unterzeichnete Petition zum Doppelspur-Ausbau nach Bern geschickt ­– mit prominenten Briefträgern.

Zwei Ständeräte werden von drei Gemeindepräsidenten als «Briefträger» für ein dringendes Anliegen des Bezirks Meilen nach Bern gesandt (von links): Christoph Hiller (Meilen), FDP-Ständerat Ruedi Noser, Jürg Eberhard (Zumikon), SP-Ständerat Daniel Jositsch und Christian Haltner (Stäfa).

Zwei Ständeräte werden von drei Gemeindepräsidenten als «Briefträger» für ein dringendes Anliegen des Bezirks Meilen nach Bern gesandt (von links): Christoph Hiller (Meilen), FDP-Ständerat Ruedi Noser, Jürg Eberhard (Zumikon), SP-Ständerat Daniel Jositsch und Christian Haltner (Stäfa). Bild: André Springer

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120 Millionen Franken zahlt der Kanton Zürich pro Jahr an die Bahninfrastruktur. Wo das Geld in der Schweiz eingesetzt wird, bestimmt aber der Bund. Deshalb wünschen sich die Gemeinden im Bezirk Meilen, dass die Parlamentarier aus der Region rechter Zürichsee in Bern Einfluss nehmen, um für die ihrer Meinung nach vernachlässigte Bahnstrecke von Zürich über Meilen nach Rapperswil-Jona zu lobbyieren.

Am Dienstag übergaben drei Gemeindepräsidenten namens des Bezirks am Zürcher Hauptbahnhof das Begehren zum Ausbau der rechtsufrigen Bahnlinie auf Doppelspur den beiden Ständeräten des Kantons Zürich. Ruedi Noser (FDP, Wetzikon) und Daniel Jositsch (SP, Stäfa) sollen die Forderung im Bundeshaus vorantreiben – mit den sechs Nationalrätinnen und Nationalräten aus dieser Region. Der Stäfner Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP) misst der Aktion grosse Bedeutung zu: «Wir nehmen unsere Bundesparlamentarier in die Pflicht, die Interessen ihrer Region zu vertreten.»

Sein Meilemer Amtskollege Christoph Hiller (FDP) nennt es «Druck machen auf allen Kanälen». Das solle gewährleisten, dass die rechtsufrige Bahnstrecke sicher im Ausbauschritt 2030 der SBB enthalten ist.

Premiere im Bezirk Meilen

Den Anstoss gaben vor eineinhalb Jahren 4700 Bewohner des rechten Zürichseeufers. Sie forderten mit einer Petition die Gemeinderäte im Bezirk Meilen auf, sich für einen raschen Ausbau der Strecke Rapperswil-Meilen-Zürich Stadelhofen einzusetzen.

Diese Petition führte zu einer Premiere. «Noch nie haben alle elf Gemeindepräsidenten zusammen ein solches Begehren unterschrieben», sagt Haltner und zeigt stolz das Papier. Der Schulterschluss sei notwendig angesichts der überfüllten S-Bahnen am rechten Ufer, meint Hiller: «Die meisten Bundespolitiker glauben ja, dass wir den Viertelstundentakt schon lange haben.»

S20 ist noch keine Lösung

Auch die ab 2019 verkehrende S20 bringt den Viertelstundentakt nur zu den Stosszeiten und ist daher bloss Symptombekämpfung, um die 120-prozentige Überbelastung der S7 abzufedern. Doch das reicht nicht für die Zukunft. Der Richtplan ordnet der Region ein Bevölkerungswachstum um 20 Prozent zu. «Die S20 ist also sicher nicht die endgültige Lösung des Problems», sagt Hiller. Der Meilemer erinnert an ein trauriges Jubiläum: «Seit genau 40 Jahren steht die Doppelspur am rechten Ufer im regionalen Richtplan.» Für Haltner ist das ein Alarmzeichen: «In derselben Zeit haben sich andere Regionen wie das Säuliamt besser entwickeln können.»

Daniel Jositsch kennt die Verteilkämpfe in Bern. «Verkehrsprojekte sind immer von regionalen Interessen getragen, da schaut jeder zuerst für sich.» Für den SP-Ständerät hätten es kleine Kantone einfacher, ihre Interessen durchzusetzen. «Die raufen sich schneller zusammen, wir Zürcher sind immer ein bisschen alleine», sagt Jositsch.

See und Oberland gemeinsam

Darum ist für den Stäfner wichtig, dass die grosse Zürcher Vertretung im Parlament mit 35 Nationalräten und zwei Ständeräten geschlossen auftritt. Nichts sei kontraproduktiver, als wenn sich die Zürcher in Bern nicht einig seien. Ruedi Noser weiss was hilft: «Es gibt auch anderswo Engpässe, daher müssen wir unsere Anliegen gut mit den anderen Kantonen abstimmen.» Vor allem stiegen die Chancen zum Ausbau der Bahninfrastruktur im Kanton Zürich, je grösser der Rahmenkredit im Parlament ausfalle. «Elf Milliarden Franken sind für uns besser als sieben Milliarden.»

Keine Konkurrenz im öffentlichen Verkehr sieht der Wetziker Ständerat zwischen den Regionen Zürichsee und Zürcher Oberland. «Am Ende trifft sich alles im Nadelöhr Stadelhofen – wir haben beide dieselben Interessen.»

Jositsch nickt: «Hier sind wir uns schon mal einig», und blickt zu Noser. Der lächelt milde: «Ja, aber wir sind im Ständerat auch nur zu zweit. Da ist es nicht schwer, einer Meinung zu sein.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.09.2017, 17:09 Uhr

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