Meilen

Empörung wegen Midor-Wäsche

Die Zusammenarbeit der Migros-Tochterfirma Midor mit einer ausländischen Reinigungsfirma gerät in die Kritik. Die Guetslifabrik in Meilen erwägt ein neues Verfahren.

Die Guetslifabrik Midor in Meilen.

Die Guetslifabrik Midor in Meilen. Bild: Keystone

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Die Midor, die für den Detailhändler Migros Guetsli bäckt, lässt die Wäsche ihrer Fabrikarbeiter in Süddeutschland reinigen. Werktags fährt daher ein Lastwagen mit deutschem Nummernschild beim Midor-Gebäude in Meilen ein und aus. «20 Minuten» nahm dies zum Anlass für einen gestern erschienenen Artikel. Das Echo war gross – und mehrheitlich negativ.

Die Migros predige Wasser und trinke Wein, lautet der Tenor. Angesprochen wird damit die Diskrepanz zwischen dem Etikett der regionalen Nähe und dem Auslagern von Tätigkeiten über die Grenze. Wenn­gleich der Migros-Chef Herbert Bolliger dieses Jahr mehrfach in Interviews vor einem Stellenabbau wegen des Einkaufstourismus warnte, vergibt das Schweizer Traditionsunternehmen Aufträge ins Ausland – das erscheint als Widerspruch.

Der Preis als Argument

Die Midor hält die Empörungswelle angesichts der Faktenlage allerdings nicht für gerechtfertigt. «Wir engagieren uns stark für die Schweiz. Die Arbeitsplätze, die wir schaffen, sind aber nur gesichert, wenn wir konkurrenz­fähig bleiben», sagt Midor-Mediensprecherin Anne-Catherine Rüegg-Neuhaus.

Konkurrenzfähig könne ein Grossbetrieb wie die Midor nur bleiben, wenn die Kosten gesamthaft tief gehalten werden können. Die Tochterfirma der Migros arbeitet schon seit 2006 mit der Firma Geiger Textil zusammen. Die deutsche Wäscherei habe sich durch einen massiven Preisunterschied hervorgetan. Ein weiterer Punkt sei die umweltschonende Reinigung, gibt Rüegg-Neuhaus an. Im Auswahlverfahren vor neun Jahren habe man in- und ausländische Firmen geprüft. Welche regionalen Firmen damals dar­un­ter waren, konnte die Midor nicht mehr eruieren.

Auch Jowa betroffen

Auch die Migros-Bäckerei Jowa wählte den Familienbetrieb Geiger Textil als Reinigungspartner. Entscheidend für die Wahl sei dessen Logistikleistung gewesen. Denn die Jowa habe rund 100 Schweizer Standorte, zu denen Wäsche geliefert werden müsse, sagt Mediensprecherin Karin Fröhlich. Auf die Frage, ob auch weitere Unternehmen des Mi­gros-Konzerns ihre Wäsche im Ausland reinigen lassen, hiess es gestern von der Medienstelle: Das lasse sich nicht innerhalb eines Tages verifizieren.

Im Gegensatz zur Midor reinigen andere Unternehmen im Bezirk Meilen wie die Spitäler Männedorf und Zollikerberg ihre Wäsche in der nahen Zentralwäscherei Zürich AG.

Auch für die Midor sei die Zusammenarbeit mit der deutschen Firma nicht bis in die ferne Zukunft in Stein gemeisselt, sagt Rüegg-Neuhaus, ein neues Auswahlverfahren sei durchaus denkbar. ()

Erstellt: 19.12.2015, 09:25 Uhr

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