Wintersport

Eine Zukunft ohne Schnee

Laut Prognosen verschwindet der Schnee bis Ende des Jahrhunderts aus den tiefen Lagen. Für kleine Skigebiete könnte dies das Ende bedeuten.

Das Skigebiet Atzmännig hat bereits heute mit schrumpfenden 
Schneemengen zu kämpfen.

Das Skigebiet Atzmännig hat bereits heute mit schrumpfenden Schneemengen zu kämpfen. Bild: Eva Pfirter

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Klimaforscher vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos prognostizieren in einer Studie, dass Naturschnee ab dem Jahr 2100 Mangelware sein wird. Dies berichtet das Fachblatt «The Cryosphere». Selbst wenn es gelänge, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, würde die Schneemenge bis Ende des 21. Jahrhunderts um 30 Prozent sinken. Besonders in Gebieten unter 1200 Meter über Meer werde es kaum noch flächendeckend Naturschnee geben, sofern die Menschheit den CO2-Ausstoss nicht deutlich reduziere.

Schneearmes Linthgebiet

Das Datenteam von «Spiegel Online» hat deshalb 988 Skigebiete aus dem Alpenraum nach deren Höhenlage eingeordnet. Auch die Skilifte aus dem Linthgebiet sind in dieser Übersicht vertreten. Einige von ihnen liegen so tief, dass sie akut gefährdet sind, so etwa die Skilifte Oberholz in Goldingen (900m-1155m) und Bildhaus am Ricken (800m-860m). Für andere gibt es dank teilweise höher oder eher nördlich gelegenen Pisten noch ein wenig Hoffnung. Dazu gehören Amden (910m-1684m) und der Atzmännig (830m-1200m).

Doch die Betreiber der Skibetriebe lassen sich von solchen Prognosen nicht entmutigen. Die Klagen über schneearme Winter gebe es schon seit Jahrzehnten. «Auch in meiner Kindheit gab es schneefreie Winter», erinnert sich Robert Schnyder, Betriebsleiter des Skilifts Oberholz.

Auch im Atzmännig sei der Schneemangel seit dem Start in den sechziger Jahren immer ein Thema gewesen, erklärt Geschäftsführer Roger Meier: «Darum wurde bereits Mitte der siebziger Jahre das Sommerprogramm entwickelt.»

Im Atzmännig ist das Wintergeschäft daher schon länger nicht mehr die Haupteinnahmequelle. Aus diesem Grund würden auch weiterhin grosse Investitionen getätigt, wie die Modernisierung des Sessellifts, die auf das Jahr 2029 geplant ist. «Aber wir werden uns hüten, die Anlage explizit auf den Schneesport auszurichten», stellt Meier klar.

Auch im Skigebiet Amden kann man sich vorstellen, künftig das Angebot im Sommer noch auszubauen, erklärt Vreni Rüdisüli von den Sportbahnen Amden. Doch dies liege noch weit in der Zukunft. «Wir nehmen alles vorzu», meint sie gelassen.

Zukunft dank Stadtnähe

Zumindest in den nächsten Jahren hätten die tiefer gelegenen Skigebiete einen Standortvorteil gegenüber den höher gelegenen, schneereichen Gebieten, sind die Skiliftbetreiber überzeugt. Immer mehr Menschen zögen in die urbanen Zentren, davon könnten Gebiete in Stadtnähe eindeutig profitieren. Dort und nicht in hochalpinen Gebieten würden Kinder zum ersten Mal auf den Skis stehen.

Robert Schnyder verweist dabei auf die Kooperation zwischen dem Skilift Oberholz und dem Skigebiet Arosa Lenzerheide. Wer für das St. Galler Angebot eine Saisonkarte kauft, hat dann Vergünstigung auf ein Abo bei den Bündnern. «Wer unseren steilsten Hang gemeistert hat, kann dann nach Arosa weiterziehen», beschreibt Schnyder die Symbiose.

Vreni Rüdisüli von den Sportbahnen Amden ist der Meinung, solche Kooperationen sollten sogar noch weiter gehen: «Die grossen Skigebiete müssten eigentlich die kleinen finanziell unterstützen.» Den ansonsten gehe ihnen eines Tages der Nachwuchs aus.

Josef Ruoss, Besitzer des kleinen Skilifts Bildhaus am Ricken, der weit unter der künftigen Schneegrenze liegt, blickt weniger weit in die Zukunft. Er werde den Lift sicher noch bis zu seiner Pensionierung betreiben, erklärt der 59-jährige: «Ob es dann weiter geht, steht noch in den Sternen.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.03.2017, 16:44 Uhr

Durchzogene Skisaison im Linthgebiet

Erneut ist die Saison für viele Skigebiete trotz Kälteeinbruch im Januar wenig erfreulich ausgefallen. Dennoch sehen sie die Zukunft verhalten optimistisch.

Der Januar dieses Jahres war der kälteste seit 30 Jahren. Auch an Schnee mangelte es in dieser Zeit nicht. Doch das alleine reicht nicht aus, um den Skigebieten zu einer guten Saison zu verhelfen. Ab Mitte Februar spätestens hat es den meisten das Geschäft verregnet. Daher heisst es bei den Skigebieten im Linthgebiet auch, die Saison sei durchzogen gewesen.

Im Atzmännig zum Beispiel ist man mit der Saison mässig zufrieden. Die 38 Betriebstage bezeichnet Geschäftsführer Roger Meier als «nicht wirklich gut.» Als Skigebiet ohne künstliche Beschneiung sei man grossen Schwankungen ausgesetzt. Zum zweiten Mal in Folge lief im Atzmännig daher über Weihnachten und Neujahr der Sommerbetrieb, weil der Schnee fehlte. Der Januar sei dafür so intensiv gewesen wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr, erzählt Meier.

Teilweise sei wegen des Besucherandrangs eine Schliessung der Zufahrtsstrasse nötig gewesen. Ob sich dank dieser Spitzentage schwarze Zahlen schreiben lassen, kann Meier noch nicht sagen. Zurzeit sehe es so aus, also ob es gerade so zur Deckung der Kosten reiche.

Trotz Rückgang zufrieden

Auch die kleineren Skigebiete, Oberholz in Goldingen und Bildhaus am Ricken, erzählen eine ähnliche Geschichte. «Im Januar gab es zwei oder drei Wochenenden mit Bombenwetter», erinnert sich Robert Schnyder, Betriebsleiter des Skilifts Oberholz. Daher sei er zufrieden mit der Saison, obwohl nur zwölf Betriebstage zusammenkamen. Vor drei Jahren waren es noch 35 Tage gewesen.

Am Ricken liegt die Saison mit 25 Tagen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre, meint Besitzer Josef Ruoss. Dadurch würden knapp die Betriebskosten gedeckt. «Es beruhigt mich, dass wir nun alle Sanierungsarbeiten tätigen können», sagt Ruoss

Ein gutes Resultat verzeichnet Amden, das höchstgelegene Skigebiet in der Region Linth. Der Sessellift lief ungefähr während 75 Tagen, informiert Vreni Rüdisüli von den Sportbahnen Amden: «Obwohl der Januar klar die beste Zeit war, lief das Geschäft auch im Februar gut.» Während der starke Regenfall in den anderen Gebieten schon Mitte Februar de facto zum Ende der Saison führte, lief die Bahn in Amden planmässig bis Mitte März.

Auch künftig wird der Winter für Skigebiete in tiefen Lagen wegen des Klimawandels schwierig bleiben. (otm)

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