Reisen

Ein Land wie ein Fruchtsalat

Wer die marokkanischen Städte Rabat, Tanger und Casablanca besichtigt, dem wird klar, dass das Land im Nordwesten Afrikas stark von Gegensätzen geprägt ist – vor allem vom Stelldichein von Tradition und Moderne.

Viel los in den Gassen von Tanger, der schmucken Stadt im Norden Marokkos. Erholen kann man sich vom Trubel auf einer Dachterrasse mit Ausblick.

Viel los in den Gassen von Tanger, der schmucken Stadt im Norden Marokkos. Erholen kann man sich vom Trubel auf einer Dachterrasse mit Ausblick. Bild: Kathrin Morf

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«Marokko ist wie ein Fruchtsalat», schwärmt Stadtführer Ali Mabchour, während er seine Reisegruppe an überladenen Marktständen vorbei durch verwinkelte Gassen schleust. «Denn wie im Fruchtsalat gibt es hier von allem etwas, und am Ende passt das wunderbar zusammen.» So treffe man auf Strengreligiöse genauso wie auf Atheisten, auf Orientalisches und Westliches, auf Tradition und Moderne. Zudem seien die Marokkaner ein kunterbuntes Volk aller Hautfarben und Gesichtszüge. «Unser Land ist strategisch gut gelegen und wurde darum schon von unzähligen Völkern besucht oder gar erobert», erklärt Mabchour.

Das Wahrzeichen von Rabat ist nie fertig geworden

Wer die Städte des dank «Fruchtsalat-Vielfalt» sehr abwechslungsreichen Reiselandes besichtigen möchte, darf die Hauptstadt Rabat mit ihren rund 1,7 Millionen Einwohnern nicht missen. Ihr Wahrzeichen ist der Hassan-Turm aus dem 12. Jahrhundert:44 Meter hoch ist das unfertige Gebäude bloss, weil der damalige Herrscher starb, bevor der Turm wie geplant 80 Meter hoch in den Himmel ragen konnte. Einen Besuch wert ist auch die Chellah, die Ruine einer Siedlung aus dem14. Jahrhundert. Heute leben dort nur noch zutrauliche Katzen und eine Vielzahl an Störchen, welche unter anderem das gut erhaltene Minarett als Platz für einen Horst mit Meerblick auserkoren haben.

Auf Kontraste trifft man auch in Rabats Kunstmuseum: Bunte, traditionelle Werke hängen hier neben oft etwas verrückter Strassenkunst. Nach einem Bummel durch das moderne Gebäude muss der Reisende nur in eine nahe Seitenstrasse einbiegen und findet sich jäh in einer exotischeren Welt wieder: Im Marktviertel, dem Souk, dringen diverse fremde Gerüche an die Nasen der Passanten, Bauern schieben Karren mit Eiern oder Feigen vor sich her und ein Barbier zieht gekonnt eine imposante Klinge über das runzlige Gesicht eines zahnlosen Greises.

Angenehm unaufdringlich sind die Händler auf den hiesigen Souks. Dies gilt selbst für die Touristenmärkte, wo unzählige Wasserpfeifen angeboten werden, obwohl diese von den Einheimischen kaum geraucht werden. «Die Pfeifen gehören für die Touristen aber zu Arabien und sie bezahlen gut dafür. Da klären wir sie doch nicht auf», verrät ein Händler grinsend.

Entdeckungsreise in Tanger und Casablanca

Neben Rabat ist auch die im Norden gelegene Stadt Tanger mit ihren gut 700 000 Einwohnern einen Besuch wert. Von hier aus vermag man den Europäern beinahe zuzuwinken, so nahe ist das europäische Festland. Zu empfehlen ist ein Spaziergang durch die Kasbah, die über dem Meer thronende Festung. Danach lockt ein Bummel durch die Medina, die Altstadt, wo in schmucken Cafés unter knorrigen Bäumen Minztee geschlürft wird und wo Schneider sich bei ihrer Arbeit an kunstvollen Bordüren bestaunen lassen.

Auf der Fahrt von Tanger nach Casablanca gibt es schöne Küstenstädtchen zu entdecken: Asilah zum Beispiel, das mit seinen weissen Häusern vor dem dunkelblauen Meer an Griechenland erinnert. Und dann tauchen die Reisenden ein in das geschäftige Treiben der Stadt Casablanca mit ihren rund 3,7 Millionen Einwohnern, wo der erwähnte Ali Mabchour eine Attraktion für sich darstellt. Mit viel Witz und Wissen führt der Herr mit dem weissen Schnauz seine Kunden durch die Strassen und Gassen.

Dabei erzählt er beispielsweise, dass die Stadt ihren Namen Casablanca (weisses Haus) im 19. Jahrhundert erhielt. Der Name erweist sich heute noch als äusserst passend, sind die breiten Boulevards doch von strahlend weissen Häusern gesäumt. «Jeder Hausbesitzer ist verpflichtet, sein Haus einmal im Jahr zu streichen», erklärt der Stadtführer die makellosen Fassaden.

Dann spaziert Mabchour zum Place Mohammed V, den die Einheimischen Taubenplatz nennen. «Wieso, muss ich wohl nicht erklären», sagt er und weist lächelnd auf die Vogelschar auf dem Platz. Dort trifft man auch auf Wasserträger in roter Tracht, die erfrischendes Nass aus Ziegenlederbeuteln verkaufen. «Früher taten sie dies auf den Märkten. Heute sind sie vor allem für Touristen da und akzeptieren auch Kreditkarten», sagt Mabchour.

210 Meter hoch ist das Minarett der in Casablanca zu findenden Moschee Hassan II., die zu 33 Prozent auf dem Wasser des Atlantiks gebaut ist.

Besucht werden sollte unter anderem auch Rick’s Café, wo man sich im Filmklassiker «Casablanca» aus dem Jahre 1942 wähnt, obwohl das Etablissement erst nach Drehschluss gebaut wurde. Und schliesslich ist da die Moschee Hassan II., die mit 210 Metern das höchste Minarett der Welt vorzuweisen hat. 25 Türen habe das Gebäude, erklärt Mabchour: 20 für die Männer, vier für die Frauen und einen für den König. Imposant ist indes vor allem der 25 000 Gläubige fassende Gebetsraum mit seinen Verzierungen aus Zedernholz und Gold sowie den 600 Kilogramm schweren Murano-Leuchtern. Das 1993 fertiggestellte Gebäude wartet aber auch mit viel moderner Technik auf: So lässt sich das riesige Schiebedach innert drei Minuten öffnen.

Würzige Gaumenfreuden, bis die Hose nicht mehr passt

Mabchour hat lange in Hamburg gelebt und spricht fast fehlerfrei Deutsch. Nur einmal rät er den Touristen, sich für den Stadtrundgang «Apfelgranaten» zu besorgen. Damit empfiehlt er nicht etwa den Kauf einer neuartigen Waffe. Stattdessen hat er etwas durcheinandergebracht und meint Granatäpfel, welche die nötigen Vitamine für den langen Marsch liefern.

Das Thema Essen ist in Marokko nicht nur dank der Früchtemassen auf den Souks allgegenwärtig. Die gastfreundlichen Marokkaner tischen gerne in Hülle und Fülle auf und eröffnen das muntere Schlemmen zumeist mit einer grossen Auswahl an würzigen Salaten, Pasten und Teigtaschen. Wer sich daran schon satt isst, hat etwas falsch gemacht, denn als Hauptspeise wird oft ein Tajine gereicht: Fleisch oder Fisch wird mit deftigen Beilagen in einem Tontopf mit kegelförmigem Deckel in Öl gegart. Dazu werden wahre Berge an Couscous und Gemüse aufgetischt, und natürlich ist das marokkanische Essen eine Symphonie der Gewürze: Kümmel trifft auf Koriander, Petersilie auf Ingwer, Zimt auf Safran, und nie fehlen darf das aus35 Zutaten gemischte Nationalgewürz Ras el Hanout (übersetzt bedeutet dies «Chef des Ladens»).

Zum Dessert gibts oftmals süsse Häppchen aus Datteln, Mandeln, Honig und Rosenwasser. Und so sieht sich der Tourist mit einem letzten Kontrast konfrontiert: mit dem augenscheinlichen Unterschied des Umfangs von seinem Hüftspeck vor und nach der Marokko-Reise.


Diese Reise wurde unterstützt durch Mövenpick. ()

Erstellt: 07.06.2016, 10:51 Uhr

Direktflüge ab Zürich nach Casablanca

Marokko ist seit 1956 von Frankreich unabhängig und eine konstitutionelle Monarchie, aktueller König ist Mohammed VI. Rund 33 Millionen Einwohner hat das Land, das vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) als stabil eingestuft wird. Offizielle Sprachen sind Arabisch und Tamazight, aber auch Französisch wird fast überall gesprochen. Marokko umfasst rund 450 000 Quadratkilometer (mit Westsahara: 700 000) und ist damit gut zehnmal so gross wie die Schweiz. Städte lassen sich gut bei milden Temperaturen im Frühling und Herbst besichtigen. Unter www.visitmorocco.com / info@marokko.ch erfährt man mehr. Über die Tourismusorganisation lässt sich auch Casablanca-Stadtführer Ali Mabchour buchen.
Mit der Royal Air Maroc fliegt man direkt von Zürich nach Casablanca, was dreieinhalb Stunden dauert. Buchen kann man unter target="_blank">www.royalairmaroc.com.

Als Unterkunft zu empfehlen ist in Rabat das 5-Stern-Hotel ­Sofitel Rabat Jardin des Roses mit seinen riesigen Zimmern, mehr unter www.sofitel.com. In Tanger findet man Schweizer Zuverlässigkeit im Mövenpick Hotel & Casino Tanger. Das Haus liegt am Meer und hat fünf Sterne sowie einen grossen Pool zu bieten. In Casablanca logiert und diniert man gut im Mövenpick Hotel Casablanca. Das 5-Stern-Haus liegt im Stadtzentrum und lockt mit Bar samt Pool und spektakulärer Aussicht auf der Dachterrasse in der 16. Etage (mehr jeweils unter www.moevenpick.com. (kam)

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