Auto

Earls just wanna have fun

Silverstone mag das «Home of Motorsport» sein – Goodwood ist das «Home of Petrolheads». Wer auch nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, muss das Festival of Speed zumindest einmal besucht haben.

Am Goodwood Festival of Speed dürfen sich Motorsportverrückte richtig austoben, wie hier Vaughn Gittin Jr. im fröhlichen Drift in seinem Ford Mustang RTR.

Am Goodwood Festival of Speed dürfen sich Motorsportverrückte richtig austoben, wie hier Vaughn Gittin Jr. im fröhlichen Drift in seinem Ford Mustang RTR. Bild: P. Schneuwly - Wheels-and-You.com

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8.15 Uhr an einem sonnigen Sonntagmorgen. Die Luft knistert, der Boden vibriert, und ein entferntes, dumpfes Grollen lässt die Erwartung steigen. Dann ­zerreisst ein ohrenbetäubendes Brüllen die Stille, und eine Parade quietschender, reifenrauchen­der Hochleistungsmodelle preschen in schwindelerregender Gesch­windigkeit im Powerdrift durch die idyllische Parkanlage. Reifenqualm hängt über der Wiese, die darin eingenebelten Zuschauer nicken anerkennend und klatschen Beifall – für sie ist der Duft von verbranntem Gummi wie edles Parfum.

Der Ort dieses Spektakels ist das englische Goodwood oder besser gesagt: der Garten von Lord March. Seit 1993 veranstaltet hier Charles Henry Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, wie der Lord in voller Länge heisst, das jährlich stattfindende Festival of Speed, ein beispielloses Schaulaufen der motorisierten Welt.

Kernstück der Veranstaltung ist freilich das Bergrennen, wobei Berge hier in Südengland eher kleine Erhebungen sind, und auch der Ausdruck Rennen muss relativiert werden: Zwar wird die Zeit der Teilnehmer gestoppt, und einige der Rennfahrer nehmen die Zeitenjagd auch durchaus ernst; viele lassen es sich jedoch nicht nehmen, vor den Zuschauern die eine oder andere Pirouette zu drehen, andere wiederum fahren in derart teuren Einzelstücken, dass ein Speedrun am Limit schlicht ein Unding wäre.

Beispielloses Schaulaufen

Es ist schon beachtlich, was die rund 180 000 Zuschauer in vier Tagen zu sehen bekommen. Da sind etwa die Rennwagen der Vorkriegszeit, angeführt vom Mercedes Simplex 60HP von 1903, dem ältesten Fahrzeug im Teilnehmerfeld. Da sind Formel-1-Boliden aus allen Dekaden, wie der von Sir Jackie Stewart pilotierte Lotus-BRM 43 von 1966 bis hin zum Mercedes-Benz F1 W05 Hybrid des aktuellen WM-Leaders Nico Rosberg.

Da sind unzählige Tourenwagen, Le-Mans-Prototypen, Nascar-Boliden, Rallye-Autos und Renn-Bikes, und aus jeder Kategorie sind unvergessene Repräsentanten aus sämtlichen Dekaden am Start. Da sind Rennlastwagen, Dragsters, Stunt-Fahrzeuge, eine Freestyle-Motorcross-Show, die neuesten Serienfahrzeuge und irrwitzige Prototypen – schlicht alles, was das Herz der Motorverrückten höherschlagen lässt. Gleichzeitig ist Goodwood auch eine grossartige Oldtimer-Ausstellung inklusive Concours d’Elegance.

Und dann ist da das Fahrerfeld, so hochkarätig und einzigartig wie die Fahrzeuge. Prominente wie Hollywood-Schauspieler Keanu Reeves oder Pink-Floyd-Drummer Nick Mason sind ebenso in der Startliste aufgeführt wie unzählige Rennsportlegenden wie Sir Jackie Stewart, Jochen Mass oder Marc Surer, genauso wie natürlich viele aktuelle Toppiloten aus den unterschiedlichen Rennsportklassen.

Freilich findet der weltgrösste Anlass dieser Art auch grosse Beachtung bei den Autoherstellern. Viele nutzen die Gelegenheit, um in Goodwood eine Neuheit zu präsentieren. Vor allem aber lassen sie ihre spektakulärsten Klassiker sowie die modernsten Fahrzeuge über die Bergrennstrecke promenieren. Die Show der modernen Traumwagen ist freilich ebenfalls ein Highlight: Vom Bugatti Chiron über den McLaren P1 und dem Honda NSX bis hin zum Ford F150 Raptor oder dem Wasserstoffauto Toyota Mirai war auch im Bereich der aktuellen Serienfahrzeuge vieles zu bestaunen.

Aus Spass und Tradition

An keinem Ort der Welt sieht man so viele Leckerbissen und Kostbarkeiten, Raritäten und Legenden aus der Welt des Motorsports wie am Goodwood Festival of Speed – und nirgends sonst kommen die Zuschauer so eng in Kontakt mit Fahrzeugen und Fahrern.

Nicht möglich wäre diese beispiellose Veranstaltung ohne das Engagement von Charles Henry Gordon-Lennox. Denn der Earl of March organisiert das Festival nicht nur, er stellt dafür auch sein Land vor Goodwood House zur Verfügung. Das hat einerseits mit Tradition, mit der Geschichte von Goodwood House zu tun – denn bereits sein Grossvater veranstaltete auf dieser Strecke Rennen. Andererseits ist der Earl wohl einer der grössten Petrolheads auf der britischen Insel, der einfach etwas Spass haben will. Die Motorsportverrückten dieser Welt danken es ihm.

(zsz.ch)

Erstellt: 07.07.2016, 16:23 Uhr

Goodwood House ist der Austragungsort des Festivals. Die spektakuläre Skulptur auf dem Vorplatz stammte in diesem Jahr von BMW. (Bild: ds)

Die Autohersteller nutzen das Festival, um ihre Neuheiten zu präsentieren. Toyota liess das Wasserstoffauto Mirai über die Strecke jagen. (Bild: pd)

Der Veranstalter Lord March (links) mit dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Jochen Mass. Goodwood ist Treffpunkt für Grössen und Legenden. (Bild: pd)

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