Rapperswil-Jona

Dreckige Zustände bei der Reinigung von Hotelzimmern

Bei der Reinigung von Hotelzimmern scheint nicht alles sauber abzulaufen. Reinigungskräfte und Gewerkschaften beklagen die Zustände, welche oft durch das Fremdverlagern an externe Firmen entstehen.

Viele Hotels beauftragen für die Zimmerreinigung externe Unternehmen.

Viele Hotels beauftragen für die Zimmerreinigung externe Unternehmen. Bild: (Symbolbild)/Keystone

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Wer einem im Hotel jeden Tag das Bett macht, den Boden staubsaugt und das Lavabo reinigt, darüber haben sich wohl die wenigsten Gäste bislang Gedanken gemacht. In vielen Fällen kümmert sich nicht das hoteleigene Personal um die Reinigung, sondern die Angestellten eines Subunternehmens darum. Und dabei scheint nicht alles immer sauber abzulaufen.

Vier Reinigungsfachkräfte berichten in der Montagsausgabe vom Blick von prekären Zuständen, zwei darunter waren Angestellte einer Rapperswiler Reinigungsfirma. «Wir Hotelputzfrauen sind am Anschlag», sagt eine von ihnen gegenüber der Zeitung. Die Frauen beklagen, dass ihre Arbeitgeber, die separaten Reinigungsfirmen, viel zu wenig Zeit pro Zimmerreinigung berechneten. Innerhalb von zehn Minuten müssten Bad, Schlafzimmer, Fenster und so weiter blitzblank sein.

Oft sei diese Aufgabe schlicht nicht zu bewältigen, die Zimmer würden deswegen nur oberflächlich sauber gemacht werden. Eine der Frauen, welche nicht bei der St. Galler Firma arbeitete, berichtet im Artikel, dass aufgrund des Zeitdrucks der WC-Lumpen auch mal für die Reinigung des Zahnputzglases hinhalten musste.

Unternehmen wehrt sich

Zwei der Frauen, welche mit dem Blick gesprochen haben, waren bei der Reinigungsfirma Burckhart und Partner aus Rapperswil-Jona angestellt. Das Unternehmen weist sämtliche Anschuldigungen zurück. «Diese Vorwürfe sind absolut haltlos», lässt die Geschäftsleitung über ihren Anwalt ausrichten.

Die Mitarbeiter seien jeweils zu zweit für ein Zimmer verantwortlich. Pro Person würde mit einem Aufwand von fünfzehn Minuten gerechnet. Benötigten die Angestellten mehr Zeit, würde ihnen diese auch gewährt werden. Die insgesamt dreissig Minuten pro Zimmer seien ein Erfahrungswert und würden in der Regel ausreichen. «Die Arbeit unserer Mitarbeiter wird ausserdem mit Spontanbefragungen durch unsere Vertragspartner kontrolliert. Die Rückmeldungen sind bis jetzt immer zur vollen Zufriedenheit ausgefallen», berichtet der Anwalt. Die Frauen, welche sich im Blick geäussert hätten, würden schon länger nicht mehr im Unternehmen arbeiten.

Fremdes und eigenes Personal

Wie handhaben die Hotels aus der Umgebung ihre Reinigung? Das Hotel Seedamm Plaza in Pfäffikon verfügt über 142 Zimmer. Für deren Reinigung seien im Normalfall die eigenen Angestellten zuständig, berichtet das Unternehmen. Bei hohem Arbeitsaufkommen würden diese durch Mitarbeitende eines externen Teams ergänzt werden.

Genaue Zeitangaben, welche den Fachkräften für die Reinigung zur Verfügung stehen, teilt das Unternehmen nicht mit. «Viele Positionen in der Hotellerie und Gastronomie setzen sowohl die Freude an der Tätigkeit, wie eine gewisse Stresstoleranz voraus. Davon ist auch das Reinigungspersonal nicht ausgenommen», teilt das Seedamm Plaza schriftlich mit. Die Reinigung würde so viel Zeit in Anspruch nehmen, wie benötigt wird, bis das Zimmer «hygienisch und optisch einwandfrei, sauber und aufgeräumt ist».

Die 20 Zimmer des Hotel Jakob in Rapperswil reinigen ausschliesslich die Angestellten des Hotels, wie Geschäftsführerin Nathalie Honauer Gemperle berichtet. Eine bestimmte Zeitvorgabe gäbe es bei ihnen nicht. Honauer räumt ein, dass die Reinigung der Zimmer ein anstrengender Job sei. «Gerade in der Hauptsaison im Sommer gibt es mehr zu tun. Wenn ein Gast zu spät auscheckt und die nächsten schon in der Lobby stehen, dann muss zügig gearbeitet werden».

Schluss mit Auslagern

Eine externe Firma für die Arbeit zu engagieren, kommt für Honauer aber nicht in Frage. «Schlussendlich kostet es mich oder meine Mitarbeiter jedes Mal Zeit, die Personen welche die Reinigungsfirma schickt, einzuarbeiten. Also ist es einfacher, wenn wir die Reinigung selber machen, zumal wir auch Ausbildungsbetrieb sind», sagt Honauer.

Für Loreb Keller, Co-Leiter der Unia Zürich -Schaffhausen ist die Arbeitsbedingungen, welche die vier Reinigungskräfte beschreiben ein gesamtschweizerisches Problem. «Durch die Tendenz zur Auslagerung der Reinigung, entsteht unter den Reinigungsfirmen ein Bietverfahren um die Offerte mit dem günstigsten Preis. Oft endet das in unrealistischen Zeitanforderungen für die Reinigung eines Zimmers.» Wer das am Schluss ausbaden müsse, seien die Angestellten.

Für Keller liegt die Lösung des Problems darin, dass die Hotels ihre Reinigungskräfte wieder selber anstellen. «So sehen die Hotels direkt, wie viel Zeit das Saubermachen eines Zimmers benötigt und können nicht sagen, dass sie von nichts wissen». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.07.2018, 18:37 Uhr

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