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Die betagten Space Cowboys und ihre Visionen für die Raumfahrt von morgen

Zum Auftakt des Raumfahrt- und Musik-Festivals Starmus V gab es in Zürich ein Astronauten-Treffen.

Fanden gestern gut ausgeleuchtet in Zürich zusammen (von links): Harrison Schmitt (Apollo 17), Charlie Duke (Apollo 16), Alfred Worden (Apollo 15), Buzz Aldrin (Apollo 11), Russell Schweickart (Apollo 9) und Walter Cunningham (Apollo 7).
Fanden gestern gut ausgeleuchtet in Zürich zusammen (von links): Harrison Schmitt (Apollo 17), Charlie Duke (Apollo 16), Alfred Worden (Apollo 15), Buzz Aldrin (Apollo 11), Russell Schweickart (Apollo 9) und Walter Cunningham (Apollo 7).
Keystone

Mit 20 Minuten Verzögerung betraten die sechs Apollo-Astronauten gestern den Konferenzraum im Hotel Marriott in Zürich. Dies, nachdem die Organisatoren immer wieder mit zusätzlichen Stühlen in den Saal hasteten, damit alle Journalisten Platz nehmen konnten. Viele der pensionierten Raumfahrer hatten Mühe, auf den bereitgestellten Barhockern Platz zu nehmen – sie sind alle über 80 Jahre alt.

Einer überstrahlte sie alle. Zum einen hatte Buzz Aldrin, mit Brille, weissem Bart und rot-weiss gestreiften Socken, ein breites Lachen auf seinem Gesicht und riss immer wieder Witze. Zum anderen ist er der bekannteste Astronaut, weil ihm das Glück zuteilwurde, dass er zusammen mit seinem Kollegen Neil Armstrong vor 50 Jahren als erster Mensch den Mond betreten konnte.

In glasklarer Erinnerung

Die sechs älteren Herren mögen zwar allmählich etwas gebrechlich sein, doch ihre kühnen Missionen von damals scheinen ihnen noch in glasklarer Erinnerung zu sein. So erzählte etwa Harrison Schmitt, Astronaut von der Apollo-17-Mission, auf die Frage, wie so sei, auf dem Mond zu gehen: «Es fühlt sich an wie Gehen auf einem Trampolin. Das Schwierigste waren die stark von der Sonne beleuchteten Berge auf der Mondoberfläche, die in starkem Kontrast zum tiefschwarzen Himmel waren.» Und er gab zu, dass er manchmal Heimweh nach der Erde hatte.

Alfred Warden, der bei Apollo 15 längere Zeit auf dem Erdtrabanten verbrachte, schwärmte: «Du siehst auf dem Mond etwa eine Million Mal mehr Sterne als auf der Erde!»

Buzz Aldrin illustrierte anhand des Wasserglases vor ihm die Schwierigkeit, am vorbestimmten Ort zu landen. Dennoch sagte er: «Ich kann Ihnen allen den Mond empfehlen!» Das sorgte für Lacher unter den Medienschaffenden und den Board Members, die auf der anderen Seite des Rednerpults nebeneinander sassen. Einer davon war Queen-Gitarrist Brian May. Er ist Astrophysiker. Er weitete die Diskussion aus und griff auch kritische Themen im Zusammenhang mit der Raumfahrt auf. Obschon er selbst von der Raumfahrt begeistert sei, findet er, dass «das Universum künftig nicht auf eine Art und Weise erforscht werden dürfe, wie momentan unserer Planet zerstört» werde.

Viele Fragen seitens der Medienschaffenden wurden zu künftigen Missionen zum Mond oder gar zum Mars an die Astronauten gerichtet. Charlie Duke, Astronaut der Apollo 16, verkündete, dass er «gerne zurück auf den Mond reisen» würde. Aber: «Ich würde niemals die Nasa anrufen. Wenn, dann muss die Nasa mich anrufen. So lief das immer.»

Buzz Aldrin indes denkt über den Mond hinaus, er fasst den Mars als nächstes grosses Ziel ins Auge. «Wenn wir zum Mars reisen würden, müssten wir dort hinmigrieren.» Er gehe davon aus, dass eine Crew dafür trainiert würde, dass sie bis zum Ende ihres Lebens dort bleiben würde. Der Mond könne für die Reise zum Mars sehr wertvoll sein, fügt er an. «Wir könnten die Mars-Basis zuerst auf dem Mond testen. Zudem könnte man einen ‹Lander› (Landemodul) auf dem Mond mit Kerosin auftanken.»

Aldrin sieht im Thema Mars-Besiedlung aber noch einige Hürden, die es zu überwinden gelte. Die grösste sei wohl die Finanzierung. Er fände es zwingend, dass sich gerade Europa, über die Europäische Raumfahrtbehörde ESA zum Beispiel, substanziell beteiligen würde. «Heutzutage ist die Menschheit mehr an kurzfristigen Vorhaben interessiert», sagte Aldrin aber auch. Deshalb brauche es notwendigerweise die Medien aus aller Welt. «Talk up!», sagte er an die Adresse der anwesenden Medien und meinte damit, dass die Medien die Menschen für künftige Missionen begeistern sollen.

Gegen Ende sagten dann die sechs Veteranen, dass sie alle offensichtlich zu alt seien für eine weitere Mond- oder eine Mars-Mission. «Ich rechne damit, dass es noch 50 bis 60 Jahren dauert, bis eine Mars-Mission stattfinden kann», sagte Apollo-7-Astronaut Walter Cunningham.

Charlie Duke scheint auch keine grossen Ambitionen mehr zu haben. Er habe ein erfülltes Leben gelebt, sagte er. «Ich bin glücklich, wenn ich zu Hause in den USA viel fernsehen kann.»

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