Garten-Blog

Hier gilt das Faustrecht

Im Garten herrscht das Gesetz des Stärkeren. Auch wenn man sich lieber ein von Disney inspiriertes Paradies wünscht. Dies musste auch unsere Autorin erfahren.

Schon immer neigten Stadtmenschen dazu, die Natur zu romantisieren. Ich bin da keine Ausnahme. Vermutlich habe ich als Kind zu viele Disney-Filme geguckt. Sie wissen schon, die, in denen die Prinzessinnen mit den Tieren des Waldes im Duett singen.

In Wahrheit ist das Leben in der Wildnis ein täglicher, oft brutaler Kampf. Der Stärkere gewinnt, der Schwächere verhungert oder wird radibutz aufgefressen. Das weiss jeder, der sich dann und wann eine der bildgewaltigen BBC-Tierdokus aus der Serengeti anschaut. Oder der Arktis. Oder ganz einfach mal den eigenen Garten unter die Lupe nimmt.

Der Garten kann Lebensraum für viele Tiere sein. Ein Schwalbenschwanz besucht die Spornblumen. (Bilder: Sandra Weber)

Ich hatte mir ja immer ein summendes, blühendes Paradies gewünscht, in welchem Mensch und Tier in Eintracht miteinander lebten. Ich hatte Totholzhaufen erstellt, schmetterlingsfreundliche Stauden gepflanzt und Nisthilfen montiert. Schliesslich wollte ich im Garten nicht nur einen Pflanzenstandort, sondern einen Lebensraum schaffen. Und tatsächlich wurde dieser besiedelt.

Nur nicht ganz von der friedfertigen Gesellschaft, die ich mir erhofft hatte. Oh nein. Auf den Ringelblumen, die ich zwecks Anlockung von Wildbienen gesät hatte, machte sich eine fiese, geschickt getarnte Spinne breit, die es auf Hummeln abgesehen hatte.

Vorsicht liebe Bienen: Auf der Ringelblume haust, perfekt getarnt, eine Veränderliche Krabbenspinne.

Rosen und Flockenblumen wurden von Blattlauskolonien in Beschlag genommen, deren Ameisenwächter jede hungrige Marienkäferlarve in die sofortige Flucht schlugen.

Zum Glück kann sich die Veränderliche Krabbenspinne, das Chamäleon unter den Spinnen, nicht lila färben. Auf dieser Strauchhortensie ist die Hummel sicher.

Und am Fenchelkraut knabberten zwar Rüebliraupen, doch verschwanden sie, kaum hatte ich sie entdeckt. Im Gegensatz zur Starennisthöhle wurde das Igelhotel besetzt – von Wespen, die uns fortan jede Mahlzeit streitig machten.

Rüebliraupe auf dem Fenchelkraut

Mehr Erfolg zeigte sich beim Wildbienenhaus: Gut ein Dutzend Bambusröhrchen war mit der nächsten Generation Mauerbienen bestückt worden. Doch dann gelang es einem unbekannten Täter, sämtliche Schlafkojen aufzupicken und einen Grossteil der darin schlummernden Bienen zu vernichten.

Eine gehörnte Mauerbiene verschliesst soeben ihre Nisthöhle. Nicht ahnend, dass ihre Arbeit keine Früchte tragen wird.

Ein anderer Halunke nutzte das Amselnest am Weidenbogen als Take-away und schnappte sich kaltblütig gleich zwei Jungtiere. Ob es sich um den gleichen Räuber handelte, der ganze Meisenknödel vom Chriesibaum entwendete? Zähneknirschend muss ich akzeptieren: Mein Garten ist nicht Disneyland, geschweige denn Eden. Er ist einfach ein Blätz Natur. Und auf dem muss es Platz haben für alle. Auch die Bösen.

Lebensräume schaffen

Grundsätzlich gilt: Je mehr Wildtiere im Garten leben, desto eher entsteht ein natürliches Gleichgewicht, desto eher halten sich also sogenannte Nützlinge und Schädlinge die Waage. Stein- und Totholzhaufen, Trockensteinmauern, Kiesflächen, Gartenweiher oder naturnahe Schwimmteiche, ungemähte Wiesenflächen, alte Bäume, Brennnesseln, verwilderte, unordentliche Gartenecken, begrünte Fassaden, dichte Wildfruchthecken und einheimische Wildstauden bieten einer Vielzahl Tiere Nahrung und Unterschlupf.

«Mami was isch das?» – Vermutlich die Raupe eines Mittleren Weinschwärmers. Leider konnten wir nie überprüfen, ob die Verpuppung zum hübschen rosaroten Nachtfalter geklappt hat, oder ob sie Opfer eines gefrässigen Vogels wurde.

Allen Lebewesen zuliebe sollte auf den Einsatz von Herb- und Pestiziden verzichtet werden und nach Möglichkeit Samen und Pflanzen aus Bio-Gärtnereien gewählt werden (mehr Informationen siehe rechts).

Erstellt: 12.05.2016, 17:44 Uhr

Informationen zum Garten als Lebensraum

2014 testete Greenpeace gerne von Bienen und Schmetterlingen aufgesuchte Zierpflanzen bekannter Grossanbieter und fand in sämtlichen Spuren von bis zu fünfzehn verschiedenen bienengefährdenden Pestiziden.

19 der 32 gefundenen Giftewaren nicht für den Zierpflanzenanbau zugelassen, zwei sogar ganz verboten.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Weitere Infos, Bauanleitungen und Bezug von Nisthilfen
www.vogelwarte.ch
www.wildbee.ch
www.wildbieneundpartner.ch
www.fledermausschutz.ch

Amphibien
www.karch.ch

Wildstauden aus Bio-Anbau speziell für Bienen und/oder Schmetterlinge www.wildstauden.ch
www.neubauer.ch

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