Britischer Botschafter nennt Trump-Regierung «beispiellos gestört»

Die «Mail on Sunday» hat vertrauliche Berichte von Kim Darroch veröffentlicht. Die Verlegenheit in London ist gross.

Sir Kim und seine Depeschen: Der britische Botschafter hält offenbar nicht viel von Trump. Bild: Keystone

Sir Kim und seine Depeschen: Der britische Botschafter hält offenbar nicht viel von Trump. Bild: Keystone

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Am Sonntag nämlich ist der Inhalt vertraulicher Mitteilungen des britischen Botschafters in Washington an die Regierung daheim in London bekannt geworden. Und schmeichelhaft für den US-Präsidenten sind diese Mitteilungen nicht.

Die von der «Mail on Sunday» veröffentlichten Depeschen Sir Kim Darrochs bilden im Gegenteil eine vernichtende Einschätzung Trumps durch einen der ranghöchsten und erfahrensten britischen Diplomaten.

In seinen Berichten nach London nennt Sir Kim die Trump-Administration «unfähig» und «beispiellos funktionsgestört». Man müsse bezweifeln, erklärte der Botschafter, «dass das Weisse Haus sich (unter Trump) jemals kompetent ausnehmen wird».

In den Depeschen und Notizen warnt Sir Kim seine Regierung, Trumps Präsidentschaft könne noch «auf schmachvolle Weise enden». Dennoch dürfe man Trump «nicht abschreiben» – auch wenn der Präsident ganz und gar «unsicher» sei.

Farage fordert Rücktritt

Dass die Trump-Administration jemals «wesentlich normaler, weniger zerrüttet, weniger unberechenbar, weniger zerstritten und auf diplomatischer Ebene weniger plump und unfähig» sein werde, davon, vermerkte der Botschafter, «gehen wir hier wirklich nicht aus».

«Der Botschafter hat dem Vereinigten Königreich nicht gut gedient», sagte Trump. Foto: Keystone

Medienberichte über «wütende interne Kämpfe und Chaos» im Weissen Haus seien «überwiegend wahr», schrieb Sir Kim. Trumps Iran-Politik zum Beispiel sei «chaotisch» und «unzusammenhängend», fügte er hinzu.

Trump reagiert

US-Präsident Donald Trump hat dem britischen Botschafter in den USA, Kim Darroch, einen Fehltritt bescheinigt. «Der Botschafter hat dem Vereinigten Königreich nicht gut gedient», sagte Trump am Sonntag vor Journalisten im Bundesstaat New Jersey. «Wir sind keine grossen Fans dieses Mannes», schob der US-Präsident hinterher.

In London haben die Enthüllungen grösste Verlegenheit ausgelöst – zumal Sir Kim zur Möglichkeit eines heimlichen Zusammenwirkens der Wahlkampagne Trumps mit Russland an einer Stelle erklärt: «Ausschliessen kann man das Schlimmste nicht.»

Das Foreign Office nannte die Veröffentlichung der vertraulichen Depeschen «eine Boshaftigkeit», leugnete aber nicht die Echtheit der Dokumente. Es verteidigte Sir Kim Darroch mit den Worten, Botschafter würden schliesslich «dafür bezahlt, sich freimütig zu äussern».

Nigel Farage, der Führer der Brexit-Partei, forderte den sofortigen Rücktritt von Botschafter Kim Darroch. Foto: Reuters

Tom Tugendhat, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, forderte eine Untersuchung darüber, wie die streng vertraulichen Mitteilungen an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Nigel Farage, der Führer der Brexit-Partei, verlangte am Sonntag den sofortigen Rücktritt des Botschafters. Sir Kim sei «völlig ungeeignet für seinen Job», sagte Farage. «Je schneller er geht, desto besser.»

Erstellt: 07.07.2019, 18:33 Uhr

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