Zum Hauptinhalt springen

Nach dem Brand in MoriaNeues Lager, doch die Probleme bleiben

Auf der griechischen Insel Lesbos haben tausende Geflohene das neue Camp Kara Tepe bezogen. Menschen­würdiger als zuvor scheint ihre Unterbringung nicht.

Für Beobachter von aussen ist Kara Tepe weitgehend gesperrt.
Für Beobachter von aussen ist Kara Tepe weitgehend gesperrt.
Foto: EPA

Die Strategie der griechischen Regierung geht offenbar auf. Inzwischen sind nach offiziellen Angaben rund 9200 Menschen in das neue, eilig errichtete Flüchtlingslager auf Lesbos eingezogen; knapp drei Viertel derjenigen also, die vorletzte Woche von den Bränden vertrieben worden waren, die das Flüchtlingslager Moria zerstört hatten.

Die rund 12’700 Insassen waren mehrheitlich auf die Hauptstrasse in Richtung der Inselhauptstadt Mytilini geflüchtet, wo sie dann tagelang festsassen. Die Polizei hatte das Areal abgeriegelt, viele Menschen kauerten auf dem Asphalt unter notdürftig improvisierten Sonnenschutzdächern, hatten zu wenig Wasser und Nahrung. Und während Helikopter das Material für ein neues Zeltlager auf einem alten Schiessübungsplatz namens Kara Tepe abluden, protestierten immer wieder Gruppen von Migranten gegen die Pläne der Regierung, sie in dieses neue Camp zu verfrachten – sie forderten stattdessen «Freiheit» und eine Perspektive, die Insel verlassen zu können.

12’700 Insassen wurden von den Bränden im Camp Moria vertrieben.
12’700 Insassen wurden von den Bränden im Camp Moria vertrieben.
 Foto: Getty Images

Nur eine Mahlzeit am Tag

Hilfsorganisationen, die versuchten, die Gestrandeten mit Wasser und Nahrung zu versorgen, klagten über massive Behinderung ihrer Arbeit durch die griechischen Behörden – und vermuteten dahinter nicht zuletzt die Absicht, die Menschen in ihrem Widerstand zu zermürben und sie dazu zu bewegen, sich in das neue, mit Nato-Draht eingezäunte Zeltlager zu begeben. Die Behörden verteilten Flugblätter, auf denen sie in verschiedenen Sprachen mitteilten, dass nur jene, die sich in das Camp von Kara Tepe begeben, eine Chance auf die Bearbeitung ihrer Asylantrags bekämen.

Kinder lenken sich im neuen Lager Kara Tepe ab.
Kinder lenken sich im neuen Lager Kara Tepe ab.
Foto: EPA

Für Beobachter ist Kara Tepe weitgehend gesperrt. Die Organisation Reporter ohne Grenzen wirft den griechischen Behörden vor, «Journalistinnen und Journalisten teils sogar unter Einsatz von Gewalt davon abzuhalten, über ihren Umgang mit der Krisensituation in Moria zu berichten». Berichte, die aus dem neuen Lager Kara Tepe nach aussen dringen, deuten auf menschenunwürdige Zustände hin. Es gebe zu wenig Wasser, nur eine Mahlzeit am Tag, und als Unterlage zum Schlafen auf dem steinigen Boden habe man nur eine Decke bekommen, sagte ein Insasse.

Bei den Corona-Tests, denen sich alle vor dem Betreten von Kara Tepe unterziehen müssen, waren bis Montag nach Angaben der Regierung in Athen bislang 243 Infizierte ermittelt worden. Wer einen positiven Befund erhält, wird in einem separaten Abschnitt des Lagers isoliert. Zivilschutzminister Michalis Chrysoides erklärte am Montag, es seien bislang 350 Polizisten zum Schutz des Zeltcamps abgestellt worden; deren Zahl werde in den nächsten Tagen verdoppelt werden.

Alle müssen sich beim Betreten des neuen Camps einem Corona-Test unterziehen.
Alle müssen sich beim Betreten des neuen Camps einem Corona-Test unterziehen.
Foto: Getty Images

Brand in Camp auf der Insel Samos

Laut Darstellung der griechischen Regierung handelt es sich bei dem eilig errichteten Lager in Kara Tepe um eine vorübergehende Lösung, doch daran gibt es Zweifel. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das am Aufbau des Zeltcamps beteiligt war, hat erklärt, es handle sich dabei um eine «Nothilfe»-Einrichtung, die nicht für die langfristige Unterbringung der Menschen geeignet sei. Man stehe zur Verfügung, um an «langfristigen Lösungen» mitzuwirken, «einschliesslich weiterer sicherer und geordneter Transfers auf das Festland sowie Umsiedlungen mit Unterstützung der EU».

Unterdessen brach am Sonntagabend in einem anderen griechischen Flüchtlingslager ein Feuer aus. In Vathy auf der Insel Samos brannte Berichten zufolge ein Teil des Lagers, in dem unbegleitete Minderjährige untergebracht waren. Ebenso wie auch Moria ist das Camp von Vathy um ein Vielfaches überbelegt. 4’500 Flüchtlinge leben in einem Lager, das offiziell nur Platz für 650 Menschen bietet.

10 Kommentare
    Fabio Rossi

    Für 2,5 Milliarden Euro die Griechenland als Hilfe von der EU für diese Lager (ein grässliches Wort) bekam, dürfte man etwas menschenwürdigeres erwarten, oder würde auch nur ein Europäer dort freiwillig seinen Hund zur Übernachtung abgeben? Keine Toiletten, zu wenig Wasser, zu wenig Nahrung. Offensichtlich steckt ein System dahinter und man versucht es den Menschen so schlimm wie nur möglich zu machen. Das kann man natürlich wenn einem das eigene Image egal ist. Vielleicht sollte sich die EU aber auch überlegen gewisse Länder nicht mehr finanziell zu unterstützen, wenn sich diese nicht einmal an die minimalen Vorgaben halten.